Perfektes Wohnklima
Fertighäuser bieten heute eine ausgezeichnete bis weit überdurchschnittliche Wärmedämmung. Damit sich diese in der Praxis voll bewähren kann, muss die Gebäudehülle sehr dicht sein. Denn durch jede auch noch so kleine Fuge geht wertvolle Heizenergie verloren; beispielsweise würde schon eine einen Millimeter breite und einen Meter lange Fuge entlang des Fensterrahmens den Dämmwert der gesamten Wand um bis zu 65 Prozent verringern! Ähnlich drastisch wirken sich Risse zwischen Putzfassade und Dachsparren oder Schäden in der obligatorischen Luftdichtigkeitsebene in Dach und Wänden aus.
Die in der EnEV formulierten gesetzlichen Vorschriften sollen Neubauten vor Bauschäden und unnötigen Heizenergieverlusten bewahren. Dazu heißt es bereits in der Energieeinsparverordnung aus dem Jahre 2002: "Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend dem Stand der Technik abgedichtet ist." Das bedeutet einerseits, dass jeder Haushersteller dazu verpflichtet ist, eine luftdichte Gebäudehülle zu erstellen. Andererseits hat der Bauherr damit einen eindeutigen Rechtsanspruch auf ein dichtes Haus.
Der Behaglichkeit und auch der Gesundheit in der Wohnung ist es sicher nicht zuträglich, wenn es unangenehm zieht oder bei größeren Ritzen in der Außenhülle gar "Kaltluftseen" in Bodennähe entstehen, sodass man kalte Füße bekommt.
Außerdem drohen bei schadhaften Dach- oder Wandflächen schnell Schimmel und andere schwere Bauschäden. Gerade bei Häusern in der Holzverbundbauweise kann nämlich der Wasserdampf aus der Raumluft an Kältepunkten der Außenbauteile kondensieren oder sogar in die Konstruktion gelangen. Der Dampf kondensiert dann am Taupunkt, welcher konstruktionsbedingt innerhalb des Bauteils liegt. Zu den sichtbaren Folgen von Feuchtigkeit gehören Fäulnis und Schimmelpilzbildung mit gefährlichen Sporen in der Raumluft.
Moderne Fertighäuser halten besonders dichtUm solche Probleme auszuschließen, tun die namhaften Fertighaushersteller viel hinsichtlich Konstruktion und Bauausführung. Beste Voraussetzungen für eine dichte Gebäudehülle bieten dabei die durchdachten und sorgfältig geplanten Außenwände und Dachelemente mit sämtlichen "Anschlüssen". Dazu kommt die qualitätsgeprüfte Vorfertigung der Bauteile in den Werkshallen. Denn hier werden die erdachten Lösungen bis ins Detail in reproduzierbaren Fertigungsabläufen umgesetzt; beispielsweise wenn Tür- und Fensterrahmen gleich sauber komplett in die Wand eingebaut werden, wenn man die Außenwände sorgfältig verputzt oder komplette Deckenelemente vorfertigt. Auch Leitungs- und Kabeldurchführungen werden auf diese Weise luftdicht ausgeführt.
Damit in diesem Zusammenhang jedoch kein falscher Eindruck entsteht: Auch dichte Bauteile können dampfdiffusionsoffen sein; eine sehr positive Eigenschaft, die oft mit dem völlig irreführenden Begriff der "atmenden Wand" beschrieben wird. Bei der "Atmungsaktivität" geht es allein um Diffusionsvorgänge im Bereich der ersten Zentimeter einer Wand, also zum Beispiel einer Holz-, Gipskarton- oder Putzschicht. Sind die Oberflächen offenporig, können sie bei erhöhter Luftfeuchtigkeit Wasserdampf aufnehmen und bei sinkender Raumluftfeuchte wieder abgeben. Diese Pufferfähigkeit sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima. Kleine Anmerkung: Die Pufferfähigkeit ist eine Materialeigenschaft und hat mit "Atmen" absolut nichts zu tun!
Einzelne Fertighaushersteller bieten auch spezielle Außenwandaufbauten mit durchgängig dampfdiffusionsoffener Konstruktion. Selbstverständlich müssen auch solche Wände durch geeignete Maßnahmen luft- und winddicht ausgeführt werden.
Die kontrollierte Wohnraumlüftung
Weil die zeitgemäßen Häuser weitestgehend luftdicht sind, findet ein "natürlicher" Luftaustausch kaum mehr statt. Damit bieten sich Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung an, wie sie in Fertighäusern immer häufiger eingesetzt werden. So bekommen die Bewohner stets frische, auf Wunsch auch vorher gefilterte Luft ins Haus - und bei einer Anlage mit Wärmerückgewinnung wird zusätzlich sehr wirkungsvoll Energie gespart. Im Grunde funktioniert die automatische Lüftung ganz einfach: In Küche, Bad und WC wird die verbrauchte Raumluft abgezogen, in die Wohn- und Schlafräume strömt frische Außenluft nach. Wer kurz zum Fenster rausschauen möchte, kann es selbstverständlich nach wie vor von Hand öffnen - nur geht dabei eben Heizenergie verloren.
Durch den geregelten Luftaustausch werden Hausstaub und auch Schadstoffe, die unter Umständen aus Möbeln, Reinigungsmitteln und Textilien ausdünsten, nach draußen befördert. Gleichzeitig wird die Luftfeuchtigkeit im Haus gesenkt, was der gefürchteten Schimmelpilzbildung vorbeugt. Die einströmende Frischluft kann durch Filter von Pollen, Staub und gefährlichen Rauch- und Rußpartikeln gereinigt werden. Laut Herstellern bleiben Allergie auslösende Pollen "zu fast 100 Prozent" draußen, und unterm Strich werden die Keime im Raum gegenüber der Außenluft "um mehr als 90 Prozent reduziert".
Übrigens kann so eine Lüftungsanlage sommers einen weiteren Komfortgewinn bringen. Mit einem einfachen Erdwärmetauscher, der im Garten "vergraben" wird, lässt sich die einströmende Luft auf natürliche Weise ankühlen.
Dicht ist Pflicht beim modernen Haus
Ob mit oder ohne automatische Wärmerückgewinnung, eine automatische Lüftung kann nur dann richtig arbeiten, wenn das Haus dicht ist. Denn nur in diesem Fall fließen die Luftströme in der Praxis auch so, wie vom Techniker theoretisch errechnet.
Also kann man sagen: Bei Häusern, die nach dem Stand der Technik wärmegedämmt und dicht sind, empfiehlt sich eine automatische Lüftung. Andererseits ist die Lüftungsanlage auf die Dichtigkeit der Gebäudehülle angewiesen. Aus diesem Grund ist eine Messung und Bestätigung der Luftdichtigkeit eigentlich unabdingbar.Vorgaben darüber, wie "dicht" ein Haus sein muss, macht die DIN 4108-7. Danach dürfen Gebäude ohne ablufttechnische Einrichtungen eine Luftwechselrate von 3,0 nicht überschreiten. Das bedeutet, die Raumluft darf sich nicht mehr als dreimal pro Stunde "austauschen".
Bei Häusern mit einer Anlage zur automatischen Wohnraumlüftung darf der Wert nicht über 1,5 liegen. Das gilt als "Stand der "Technik". Bautechnisch ist sogar mehr machbar. So stellt das Passivhaus Institut in Darmstadt noch höhere Anforderungen. Demnach muss ein "qualitätsgeprüftes Passivhaus" eine Luftwechselrate unter 0,6 aufweisen.Wie dicht ein Gebäude nun tatsächlich ist, lässt sich mit einem Blower-Door-Test schwarz auf weiß belegen. Er ist zwar gesetzlich (noch) nicht vorgeschrieben, doch sind z. B. bestimmte Fördermittel daran geknüpft.
Ohne Blower-Door-Test keine Förderung
Tatsächlich handelt es sich bei einer Blower-Door-Messung auf der Baustelle um eine relativ bescheidene Maßnahme. In aller Regel installiert der Fachmann dabei ein kalibriertes Gebläse (Blower) im Haustürrahmen (Door) und erzeugt damit einen Druckunterschied zwischen außen und innen. Zum natürlichen Druckausgleich strömt dann Luft durch undichte Stellen nach, die sich mit einem Anemometer aufspüren lassen. So lassen sich bereits im Rohbaustadium mögliche Leckagen in der Haushülle erkennen beziehungsweise die Qualität des Baukörpers.
Manche renommierte Fertighausfirmen bieten eine Messung vor Ort als selbstverständlichen Service an. Das kann gegen Aufpreis geschehen, im Einzelfall ist der Dichtheitsnachweis auch bereits im Hausfestpreis enthalten. Nach Fertigstellung des Hauses sollte es eine zweite, abschließende Prüfung geben, die dann per Protokoll und Zertifikat mit Brief und Siegel bestätigt wird. So bekommt der Bauherr wirkliche Sicherheit.
Falls für diesen Test zusätzliche Kosten anfallen sollten, ist mit einer Größenordnung von 400 Euro zu rechnen. Eine im Vergleich zum Gesamtbauvorhaben bescheidene Summe, die sicher gut angelegt ist. Denn es handelt sich um eine echte Investition in die Zukunft in Bezug auf laufende Heizkosten, Werterhalt und Wiederverkaufswert des Hauses. (Norbert Weimper)








