Wahl der Ausstattung

18.11.2009
Spannend wird es am Tag der Bemusterung: Die Baufamilie kann an diesem Tag alle Ausstattungsdetails ihres Fertighauses aussuchen und festlegen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich darauf vorbereiten.
Der Fertighausvertrag ist unterschrieben und die Baugenehmigung dürfte in den nächsten Tagen im Briefkasten liegen. Damit aus dem gezeichneten Entwurf tatsächlich mal ein Haus wird, fehlen noch sämtliche Farben, Materialien und Ausstattungsprodukte. Die Auswahl ist groß und oft kann man sich anhand eines Prospektes gar nicht vorstellen, ob beispielsweise die Bauart der Hauseingangstür wirklich vertrauenswürdig ist. Dabei hilft die Bemusterung. Hier werden alle Produkte vom Außenputz bis hin zum Zahnputzbecher präsentiert und anschließend von der Baufamilie ausgesucht. Sie kann alles in natura begutachten, in die Hand nehmen und unterschiedliche Modelle miteinander vergleichen.

In der Regel wird sie von ihrem Fertighausanbieter in das firmeneigene Bemusterungszentrum eingeladen. Bei kleineren Firmen übernimmt das auch manchmal ein Dienstleister, der in seinem Zentrum für mehrere Fertighausbauer die Bemusterung organisiert. Da das Zentrum meistens am Firmenstandort liegt und die Bauherren aus dem kompletten Bundesgebiet anreisen, stellt der Fertighausanbieter eine Übernachtung und die Bewirtung der Baufamilie. Dann kann die Bemusterung frühmorgens beginnen und ist in der Regel an einem Tag zu schaffen.

Das geht allerdings nur, wenn es für die Küchenausstattung einen zusätzlichen Termin gibt. Denn besonders hierbei müssen eine Menge Entscheidungen getroffen werden: Material und Farbe der Schrankfronten, Arbeitsplatte, Griffe und die Anordnung der Küchenzeile und ihrer Geräte. Um den "Auswahl-Stress" zu reduzieren, setzen manche Firmen allerdings von vornherein zwei Tage an, weil ja die Baufamilie eventuell eine längere Anreise hat.

Bevor es bei der Bemusterung zu aufreibenden und zeitraubenden Meinungsverschiedenheiten kommt, ist es sinnvoll, wenn Sie sich schon zu Hause auf einen gemeinsamen Stil einigen. Wenn Sie unsicher sind, was Ihnen wirklich gefällt, lassen Sie sich inspirieren von Ideen in Zeitschriften, Büchern oder bei einem Gang durchs Möbelhaus. Praktisch und langlebig ist ein zeitloser schlichter Stil, der keinen starken modischen Trends unterworfen ist.

Sonderwünsche werden erfüllt
Wenn möglich, sollten Sie schon mal beim Musterhausbesuch erkundigen, welcher Ausstattungsstandard hier verwendet wurde. Manche Firmen bieten sogar einen informativen Vorbesuch im Bemusterungszentrum an. Es kommt ja schließlich darauf an, welche Auswahl man dort vorfindet.
Generell ist eine Standardausstattung im Hauspreis enthalten. Wenn höherwertige Einrichtungen und Produkte gewünscht sind, wird aufgemustert. Dafür ist natürlich ein höherer Preis fällig, der spätestens im Anschluss an die Bemusterung in der Aufpreissumme bekannt gegeben wird.
Manche Bauherren möchten bestimmte Module nicht über den Fertighausanbieter beziehen. Das kann zum Beispiel die Treppe sein, die es beim ortsansässigen Schreiner zum Freundschaftspreis gibt. Dann wird abgemustert. In der Regel bekommt man für das gesparte Geld eine Gutschrift. Diese wird dann mit der Aufpreissumme verrechnet.


Bereits vor der Bemusterung sollte man sich überlegen, wo gespart werden kann. Dinge, die sich leicht nachrüsten lassen, müssen anfangs nicht besonders hochwertig sein: Auf edle Sanitärobjekte und die berühmten goldenen Wasserhähne kann man erstmal verzichten. Der Bodenbelag wiederum lässt sich nachträglich nicht so einfach tauschen - diesen verlegt man für lange Zeit nur einmal.

Gehen Sie also am besten Punkt für Punkt der Bau- und Leistungsbeschreibung des Hauses durch. Dann sind Sie genauestens informiert, was Sie erwartet, was zur Standardausstattung gehört und im Hauspreis enthalten ist.
Zur guten Vorbereitung gehört übrigens auch die Planung von Steckdosen und Schaltern. Das Angebot der Fertighausfirmen deckt in der Regel nur den einfachen Bedarf ab; hier wird fast immer eine kleine "Aufbemusterung" nötig sein. Hierzu sollten Sie die vorhandenen und die künftigen Möbel in die Pläne einzeichnen - so erkennen Sie leicht, wo Steckdosen und Schalter sitzen müssen. Zudem bekommen Sie einen Überblick, ob das angebotene Elektro-Sortiment ausreicht.

Ausbaupakete für Selbermacher
Bauherren von Ausbauhäusern bekommen entweder einen Bemusterungstermin oder einen Warengutschein für einen bestimmten Baumarkt. Bei der Bemusterung werden die entsprechenden Ausbaupakete zusammengestellt, die später auf die Baustelle geliefert und dort vom Bauherrn verbaut werden. Besonders bei einem Ausbauhaus kann es vorkommen, dass viel abgemustert wird. Denn Baufamilien, die vieles selbst machen, möchten dann auch einiges selbst kaufen.

Beim Abbemustern von Materialien ist allerdings immer Vorsicht geboten. Oft ist der finanzielle Vorteil gering, da die Fertighausfirma sehr günstige Preise für Massenbestellungen bekommt. Da sollten Sie Zeitaufwand und Preis prüfen.
Das gleiche gilt für das Ausbauhaus an sich. Durch den Verzicht auf komplette Gewerke spart die Baufamilie zwar den kompletten Handwerkerlohn, doch die Materialkosten bleiben auf jeden Fall. Wenn Sie das notwendige Baumaterial nicht günstig bekommen, die Arbeiten zu lange dauern - weil die Routine eines Handwerkers fehlt oder die zur Verfügung stehende Zeit falsch einkalkuliert wurde - ist ein Ausbauhaus nicht unbedingt die günstige Alternative.

Das sollte die Baufamilie vor dem Fertighausbau klären und sich sorgfältig ausrechnen. Am besten lassen sich die Kosten für ein Ausbauhaus kalkulieren, wenn der Hersteller die Preise der einzelnen Bauschritte getrennt nach Materialkosten und Arbeitslohn angibt. In der Regel spart man mit Eigenleistung etwa zehn Prozent der Gesamtkosten ein. Wer sehr viel selbst macht, kann bis zu 20 Prozent sparen.


Auch eine klare Meinung hilft sparen
Damit Baufamilien auch bei der Bemusterung sparen, sollten sie den Bemusterungsberater genau beobachten. Es soll ja hin und wieder Berater geben, die für eine aufbemusterte Ausstattung Provision erhalten - die Regel ist das allerdings nicht!
Ein guter Berater gibt allgemeine Tipps zur Ausstattung und Gestaltung und hilft Ihnen bei sachlich und fachlichen Entscheidungen. Er ist auch in der Lage, Konfliktpunkte zu erkennen. So zum Beispiel, wenn sich durch Änderung von Ausstattungspunkten Planänderungen oder Fehler ergeben könnten. Übrigens: Falls Sie mit Ihrem Ehepartner, trotz aller Vorbereitung, mal nicht einer Meinung sind, klären Sie das in einer Auszeit, aber nicht während der Bemusterung!


Das Aussuchen geht nicht immer so schnell wie gedacht. Oft gehört dazu auch eine ausführliche Beratung wie bei der Haustechnik. Schneller abgehandelt ist vermutlich das komplette Äußere des Hauses wie Ziegelart, Putzfarbe, Fenster und Türen. Im Bemusterungszentrum kann die Baufamilie dann alles nochmals anschauen und farblich aufeinander abstimmen.
Doch es gibt auch die vielen Details wie Elektro- und Badausstattung, Armaturen, Bodenbeläge usw., die viel Zeit kosten können. Bei den Wandbelägen ist es ratsam, neutrales Weiß zu wählen. Kleine zehn mal zehn Zentimeter große Farbmuster machen nicht deutlich, wie letztendlich eine komplett gestrichene Wand wirkt. Farbakzente setzt man am besten, wenn die Möbel schon stehen.


Dokumentieren und kontrollieren
Generell sollte man sich von Modeerscheinungen nicht blenden lassen, sondern lieber an später denken. Schließlich soll das Haus nicht schon nach fünf Jahren renovierungsbedürftig sein, nur weil man sich an grellen Farben oder dunklen Fliesen satt gesehen hat.
Da bei einer Bemusterung das Haus sozusagen in seine Einzelteile zerlegt wird, verliert man leicht den Überblick. Wenn Sie alle Entscheidungen fotografieren, können Sie später leicht nachvollziehen, ob Sie alles wunschgemäß bekommen haben.

Am Ende der Bemusterung wird die Aufpreissumme ermittelt. Es wird ein umfassendes Bemusterungsprotokoll erstellt, welches das Ausgesuchte auflistet. Dieses wird von beiden Seiten - Baufamilie und Berater - unterschrieben und jeder erhält ein Exemplar.

Unser Tipp

Ein gut geschulter Bemusterungsberater zeigt Ihnen immer erst die Standardausstattung, denn diese ist im Hauspreis enthalten. Die Auswahl an schönen und praktischen Ausstattungslösungen ist hier schon so groß, dass Sie fast immer fündig werden. Doch viele Hersteller bieten auch eine reiche Auswahl von höherwertigen Sonderausstattungen an, sodass sich auch individuelle Wünsche meist sofort erfüllen lassen. Das kostet natürlich einen gewissen Aufpreis, den der Berater aber vorab nennen kann. So können Sie immer kontrollieren, wie sich Ihre Entscheidung für die teurere Lösung in etwa auswirken wird.

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