Null-Heizenergie-Haus mit Windkraft
Das Winndrad als Symbol fürs Energiesparhaus. Wem die Optik des "Propellers" auf dem Dach nicht gefällt, kann ihn auch im Garten aufstellen. (Fotos: Allstav)

So unscheinbar sieht der Wechselrichter aus, der aus dem Gleichstrom vom Windrad den für Wärmepumpe und Haushalt benötigten Wechselstrom macht.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Bewegte Luft produziert über ein eigens für Einfamilienhäuser entwickeltes Klein-Windrad Strom, der dann für den Betrieb einer Luftwärmepumpe als Hausheizung zur Verfügung gestellt wird.
Das Haus wird laut Hersteller durch einen 1-Kilowatt-"Propeller" ganzjährig zum Null-Heizenenergie-Haus. Wer die Optik auf dem Hausdach scheut, kann das Rad auch im Garten aufstellen.
Für Allstav ist diese Windkrafttechnologie, die vor einem Jahr von Windtec Systems auf den Markt gebracht wurde, nicht nur eine Ergänzungsmöglichkeit zur Photovoltaik, sondern eine eigenständige "Stromfabrik".
Und das sogar mit einigen Vorteilen gegenüber dem Sonnenstrom aus Siliziumzellen: Das Windrad produziere nämlich Tag und Nacht Strom, brauche wenig Energie für seine Herstellung, habe keine Verschleißteile, sei so wartungsfrei und könne komplett recycelt werden.
Diverse Probemessungen in windschwachen Gebieten wie zum Beispiel im Stuttgarter Kessel hätten ergeben, dass eigentlich immer eine gewisse Luftbewegung stattfinde und das selten unter drei Knoten, weiß Luboslav Blicha, Geschäftsführer der Pforzheimer Holzfertigbaufirma. Das sei ausreichend für das Windrad und damit für die Wärmepumpe. Sollte tatsächlich die Luft längere Zeit stillstehen, müsste Strom aus der Steckdose bezogen werden, das sei aber ein sehr unwahrscheinlicher Fall, so Blicha.
Die Basis des Null-Heizenergiehauses ist eine neu entwickelte, winddichte und hochwärmegedämmte Gebäudehülle ("Allstav-Polarwand"). Sie erreicht einen U-Wert (gibt an, wie viel Wärme durch ein Bauteil verloren geht) von 0,11 Watt pro Quadratmeter Kelvin (W/m²). Dazu kommen das Vollwärmeschutz-Dach (U-Wert 0,13 W/m²) sowie Fenster mit Dreifach-Verglasung (Ug-Wert 0,7 W/m²).
Den verbleibenden Heizwärmebedarf deckt dann die Luftwärmepumpe, die eine Einheit Strom in 3,6 Einheiten Wärme umwandelt. Wer eine Erdwärmepumpe installiert, erhält sogar rund 5,0 Einheiten Wärme. Überschüssige Wärme wird an einen 400-Liter-Pufferspeicher abgegeben, überschüssiger Strom direkt ins häusliche Stromnetz eingespeist. Das heißt, es werden zeitweise Lampen, Kühlschrank, Fernseher, PC und andere Hausgeräte mit der "sauberen" Energie des Windes versorgt.
Allstav-Vertriebsleiter Frank Decker betont, dass die hochwärmegedämmte Haushülle sowie eine kostengünstige Luftwärmepumpe bei allen Häusern bereits im Standardpreis enthalten sind. Die Kosten für die Windkraftanlage beziffert er auf etwa 8500 Euro - Tendenz fallend. Damit kann jedes Ein- und Zweifamilienhaus bis 70 m² Wohnfläche des Herstellers als Null-Heizenergiehaus gebaut werden.
"Eine mehr als rentable Investition", findet Decker, "weil damit die Heizkosten für die nächsten Jahrzehnte bei null Euro liegen". Den Spareffekt binnen 30 Wohnjahren - verglichen mit einem Standard-Niedrigenergiehaus und gerechnet auf der Basis der aktuellen Heizölpreise - gibt er mit 63500 Euro an.
Allstav-Musterhaus Pforzheim
Jahresheizwärmebedarf
7.000 kWh
Wohnfläche
135 m²
Wärmepumpe
Energiebedarf
2.000 kWh
Produktion
7.000 kWh
Jahresarbeitszahl
3,6
Pufferspeicher Heizung
400 Liter
Vorhaltezeit
12 Stunden
Polarhülle
U-Wert Außenwand
0,11 W/m²K
U-Wert Dach/Decke
0,13 W/m²K
Ug-Wert Fenster
0,70 W/m²K
Windrad
Nennleistung
1 kW
Durchmesser Rotor
71 cm
Jahresertrag
2.600 kWh
Heizkosten pro Jahr (Äquivalent Öl)
Rechnerisch
570 Euro
Tatsächliche Heizkosten
0,00 Euro








