bautipps.de Das Fertighaus- und Massivhaus-Portal
Newsletter

 

Luftaustausch in Niedrigenergiehäusern

06.06.2017

Niedrigenergiehäuser müssen luftdicht sein. Deshalb ist ein regelmäßiger, ausreichender Luftaustausch unerlässlich, um Bauschäden oder ­gesundheitliche Beeinträch­tigungen der Bewohner zu verhindern. Zentrale und dezentrale Wohnungslüftungssysteme stellen dies auto­matisch sicher.

Meist wird die verbrauchte Luft in Bad, Küche und WC durch Luftauslässe in der Wand abgesaugt. Foto: Zehnder

Wer ein Niedrigenergie- oder Passivhaus plant, kommt angesichts der dichten Gebäudehülle an einer kontrollierten Lüftungsanlage oft nicht vorbei. Die meisten Baufamilien entscheiden sich aus Komfortgründen für ein automatisiertes Lüftungssystem. Es ist generell empfehlenswert, sich schon während der Planungsphase mit der späteren Lüftung zu befassen. Entscheidungshilfe bietet ein vom Fachmann erstelltes und seit 2009 vorgeschriebenes Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Daraus geht hervor, ob ergänzend oder alternativ zur Fensterlüftung von Hand eine kontrollierte Wohnungslüftung notwendig ist, die als zentrale und dezentrale Systemlösung realisiert werden kann. In Neubauten werden bevorzugt die komfortablen, zentralen Wohnungslüftungsanlagen eingebaut. Denn hier lassen sich die notwendigen Luftleitungen einfach integrieren. 

Basiselement eines Zu- und Abluftsystems ist ein Zentrallüftungsgerät, in das zwei Ventilatoren eingebaut sind, die mehrstufig und möglichst stromsparend arbeiten sollten. Zur Grundausstattung der Zentralgeräte gehören außerdem Luftfilter und eine Wärmerückgewinnung in verschiedenen Ausführungen. Im Niedrigstenergie- und Passivhausbereich kommen immer häufiger sogenannte Integralgeräte zum Einsatz, die unter einem Gehäuse platzsparend Lüftungsgerät, Wärmepumpe und Wasserspeicher vereinen. 

 

Zugfrei ohne Störgeräusche

Und so funktioniert der Lufttransport beim zentralen Zu- und Abluftsystem: Während der Abluftventilator die verbrauchte Luft aus Fluren, Abstell- und Feuchträumen (WCs, Küche, Bäder) abzieht, sorgt der Zuluftventilator für Frischluftnachschub in den Wohn- und Schlafräumen. Dafür werden zwei voneinander getrennte, verzweigte Leitungssysteme für die Zu- und Abluft verlegt, die es in unterschiedlichen, zum Teil höhenoptimierten Luftleitungs-formen gibt – von rund über oval bis rechteckig.

Damit es unter bestimmten Gegebenheiten nicht zu störenden Geräuschübertragungen von Raum zu Raum oder vom Lüftungsgerät in die Räume kommt, kann der Handwerker spezielle Luftleitungsverteiler oder Schalldämpfer installieren. In die Zimmer gelangt die Frischluft über raumseitig sichtbare Auslässe und Ventile, die an der Wand, auf dem Fußboden oder an der Decke montiert werden. Ausführungen in unterschiedlichen Materialien, Farben und Designs ermöglichen eine unauffällige Integration ins jeweilige Umfeld. An diesen Luftauslässen und Drosseleinrichtungen justiert der Fachmann bei der Inbetriebnahme die berechneten Zu- und Abluftvolumenströme ein.

 

Aktiv die Luft befeuchten

Gerötete Augen, eine spröde Haut und ein trockener Mund können im Winter die Folge von zu wenig Luftfeuchtigkeit sein. Mit einer integrierten Zuluft-Befeuchtung ausgestattete zentrale Wohnungslüftungssysteme schaffen Abhilfe. Die drei wichtigsten sind Wärmetauscher-Systeme, Dampfluftbefeuchter und Diffusionsbefeuchtung. Mit verschiedenen Wärmetauscher-Systemen lässt sich die Zuluft vergleichsweise preiswert befeuchten. Sie sind im Lüftungsgerät integriert und kombinieren die Wärme- mit der Feuchterückgewinnung. Allerdings ist der Prozess nicht einfach zu regeln. Und eine bei Bedarf erhöhte Feuchtezugabe von außen ist nicht vorgesehen.

Separate Dampfluftbefeuchter werden an die Trinkwasserleitung angeschlossen und setzen der Zuluft verdampftes Wasser zu. Feuchtesensoren überwachen und regulieren die Menge. Eine Kombination aus den beiden zuvor beschriebenen Systemen ist die Diffusionsbefeuchtung. Bei ihr diffundiert der Wasserdampf durch eine spezielle Membrane. Da das Wasser nicht wärmer als 35° Celsius wird, ist der Energiebedarf gering. Eine Sterilmembrane sorgt für einen hygienischen Betrieb. Der Diffusionsbefeuchter ist leicht nachrüstbar und regelt die Feuchtigkeit nach Bedarf.

Dieses Zentrallüftungsgerät verfügt über einen Rotationswärmetauscher, der sowohl Wärme als auch Feuchte an die Zuluft übertragen kann. Foto: Systemair

Bei der Regelung der Gesamtanlage sollte man bei der Produktauswahl auf eine möglichst einfache und komfortable Bedienung achten. Empfehlenswert sind digitale Raumregler und Fernbedienungen mit Display, die über Automatik- und Handbetrieb verfügen und eine Zeit(programm)- und Funktionssteuerung bieten. Eine bequeme und energiesparende Anpassung der Luftmenge ermöglichen Feuchtefühler sowie Sensoren, die zum Beispiel auf Kohlendioxid oder Kohlenwasserstoffe reagieren. Um die Bedienung und Überwachung zu erleichtern, bieten immer mehr Hersteller Apps für Tablet und Smartphone an sowie die Integration in ein Smarthome-System.

Wer nur einzelne Räume mit Frischluft versorgen möchte oder die Installation eines Kanalsystems im Haus scheut, kann zu dezentralen Lüftungsprodukten greifen. Die wohl einfachste Art sind Abluftventilatoren, die in der Außenwand sitzen – bevorzugt von Küche und Nassräumen. Sie transportieren die verbrauchte Raumluft direkt ins Freie, wobei ein schwacher Unterdruck entsteht. Dieser reicht aus, um frische Zuluft über Durchlass-elemente, die in die Außenwände oder Fenster eingelassen sind, in die Wohn- und Schlafräume leise und zugfrei einströmen zu lassen. Gleichzeitig wird die verbrauchte Raumluft durch die Türschlitze zu den Abluftventilatoren gedrängt. Eine passende Regelung sorgt für den automatischen, bedarfsgerechten Luftaustausch. Eine Wärmerückgewinnung ist nur indirekt durch die Einbindung einer Wärmepumpe möglich. 

Die beliebteste Variante sind dezentrale Zu- und Abluftgeräte. Hierbei werden einzelne oder alle Räume mit einem oder zwei Lüftungsgeräten bestückt. Die Installation erfolgt ohne Luftkanäle direkt in der Außenwand, manchmal im Fensterbereich. Komfortable Modelle verfügen über zwei leise und energieeffiziente Ventilatoren: Der eine führt die verbrauchte, feuchtigkeitsbelastete Luft nach draußen, der andere sorgt für Frischluftnachschub. Eingebaute Zuluft- und Abluft-Filter verbessern die Luftqualität. Teilweise lassen sie sich zudem mit Pollenfiltern ausrüsten. Eine ebenfalls im Gehäuse integrierte Wärmerückgewinnung nutzt an kalten Tagen die Restwärme der Abluft und trägt so zur Heizkosteneinsparung bei.

 

Kosten für die frische Luft

Die Preise für dezentrale Lüftungsgeräte liegen pro Raum bei durchschnittlich 600 bis 1.200 Euro (ohne Montage). Die Gerätekosten für eine zentrale Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung betragen im Standard-Einfamilienhaus etwa 3.000 bis 5.000 Euro. Für die Zusatzkosten (Luftverteilung usw.) und die Montage muss man etwa 2.000 bis 3.000 Euro einkalkulieren. 

Um die Betriebsstromkosten möglichst niedrig zu halten, empfiehlt es sich, Geräte mit hohem Wirkungsgrad bei der Wärmerückgewinnung, stromsparenden Ventilatoren und energieeffizienter Regelung zu wählen. Eine gewisse Orientierung bietet die Effizienz-Kennzeichnung für Lüftungsgeräte mit den Stufen von A+ bis G, wobei die Klasse G die niedrigste Energiebilanz beim Lüften von Hand symbolisiert.

Für eine gute Lufthygiene kann dieser Enthalpietauscher aus Kunststoff mit wenigen Handgriffen aus dem Gerät gezogen und unter fließendem Wasser ausgewaschen werden. Foto: Zehnder

Grundsätzlich können Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung bis zu 80 Prozent der Wärme aus der Abluft auf die Zuluft übertragen und damit die Heizkosten um 30 Prozent bis 50 Prozent reduzieren. Auch können sie die durch Fensterlüftung verursachten Wärmeverluste um bis zu 90 Prozent senken. Gerade dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen. Denn in einem Neubau wird der Gesamtheizwärmebedarf um bis zu 50 Prozent von den Wärmeverlusten beeinflusst, die beim manuellen Lüften entstehen. 

 

Schimmelpilze verhindern

Lüftungsanlagen beugen zudem der Bildung von Schimmelpilzen vor und sichern dadurch die Gesundheit der Bewohner und den Wert der Immobilie. Sie verbessern die Qualität der Raumluft und das Wohnklima und mittels Spezialfilter bleiben Pollen, Staub und Insekten draußen. Wichtig ist, dass vor allem aus hygienischen Gründen die Filter regelmäßig gewechselt und die Wärmerückgewinnungseinheit bei Bedarf gereinigt wird. Dies kann der Hausbesitzer oft auch selbst übernehmen.

Weitere Vorteile sind der verbesserte Einbruchs- sowie der Lärmschutz an stark befahrenen Straßen. Denn die Lüftungsanlage sorgt Tag und Nacht automatisch für frische Luft in allen Räumen. Manchmal lohnt sich schon allein deshalb die Investition in ein Wohnungslüftungssystem. Trotz der ganzen Technik wird der Mensch nicht von der Außenwelt abgeschnitten: Die Bewohner können die Fenster jederzeit öffnen. Aus Energiespargründen sollte man dann jedoch die Lüftungsanlage von Hand abschalten, sofern es keine Automatik gibt.

(aus der Zeitschrift Hausbau 5/6-2017)



+
x