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Massiv bauen

26.09.2013

Massiv gebaute Häuser punkten in vielerlei Hinsicht: Massive Wände verfügen über eine exzellente Trag- und Wärmespeicherfähigkeit und sorgen so für ein ausgewogenes Raumklima. Optimierte Dämmwerte sorgen für gute Energiebilanzen, ganz zu schweigen von dem guten Brandschutzverhalten. Ökologisch sind die Massiven wegen ihrer Bestandteile mineralischen Ursprungs aus heimischen Rohstoffen; zudem haben viele den baubiologischen Vorteil geringer oder keiner Raumluft-Emissionen. Innen- wie Außenwände, Decken, teilweise sogar die Dachkonstruktion können aus massiven mineralischen Baustoffen errichtet werden. Sollte die lange Lebenszeit beendet sein, sind die eingesetzten mineralischen Baustoffe recyclierbar.

Die lange Bauzeit wird häufig als Nachteil massiver Häuser angeführt, da sie zumeist „Stein auf Stein“ auf der Baustelle entstehen und selten oder bis auf wenige Bauteile vorgefertigt werden. Immer neue Entwicklungen der Baustoff-Hersteller reduzieren dieses Manko aber zunehmend.

Dafür gelten massiv gebaute Häuser als besonders wertstabil – die Bauweise erhöht sogar oft den Wiederverkaufswert, da sie in unseren Breiten traditionell als besonders hochwertig angesehen wird.

Ziegel

Der älteste bekannte „Kunststein“ ist der Ziegel. Der landläufig auch „Backstein” genannte Baustoff wird aus Ton, Lehm und Wasser geformt, anschließend getrocknet und gebrannt. Die moderne Variante wird zur Reduzierung von Gewicht und Wärmeleitfähigkeit gelocht. Die so entstandenen Öffnungen im „Lochziegel“ bieten sich an, werkseitig mit leichten Dämmmaterialien gefüllt zu werden. So kann die Tragfähigkeit je nach Dämmmaterial noch einmal erhöht werden und gleichzeitig entsteht ein Baustoff, der es erlaubt, eine Außenwand inklusive Dämmung in einem Arbeitsschritt zu realisieren. www.ziegel.de

Mauerziegel sind heute zumeist mit Nut und Feder für eine exakte Verlegung mit mörtelfreien Stoßfugen ausgestattet. Durch den geringeren Mörtelanteil wird die Gebäudetrocknungszeit verkürzt, gleichzeitig verbessert die Verzahnung die Dämmwerte.

Beton

Beton ist ebenfalls ein „uralter“ Baustoff; bereits das Pantheon im alten Rom wurde im Kern daraus errichtet. Beton besteht aus dem Bindemittel Zement, Zuschlagstoffen wie Sand und Kies sowie Wasser. Er wird als „Frischbeton” in flüssiger Form auf der Baustelle angeliefert und lässt sich in eine vorher erstellte Schalung in fast jede beliebige Form gießen. Zur Erhöhung der Zugfestigkeit werden Stahlmatten oder Stäbe als Bewehrung eingelegt.

Beton besitzt wegen seiner hohen Rohdichte eine große Druckfestigkeit, aber auch eine hohe Wärmeleitfähigkeit. Eine Außenwand aus Beton muss also mit einer zusätzlichen Wärmedämmung versehen werden. Meistens wird die Dämmung außen angebracht und durch die gewünschte Fassade geschützt. Wenn an modernen Bauwerken innen und außen Sichtbetonoberflächen gewünscht sind, lässt sich dies durch die Errichtung von zwei Betonwänden mit einer dazwischenliegenden Dämmung – einer sogenannten „Kerndämmung“ – erreichen. www.beton.org

Da Kalksandstein ebenfalls eine hohe Rohdichte aufweist, ist er sehr druckfest – man kann damit besonders schlanke tragende Wände errichten, was einen Wohnflächengewinn bedeutet. Zur Herstellung werden Branntkalk, Sand und Wasser gemischt, mit hydraulischen Pressen zu Rohlingen geformt und im Wasserdampf gehärtet. Kalksandstein ist witterungsbeständig und somit auch als Fassadenmaterial geeignet.

In Bezug auf Schalldämmung und Wärmespeicherung sind seine Werte sehr gut, aber Außenwände benötigen eine zusätzliche Wärmedämmung. Beim Wandaufbau werden die Schichten nach Funktionen getrennt, zum Beispiel in tragende Wand, Dämmung und Verblendung. www.kalksandstein.de

Bei Leichtbeton wirkt der Zuschlagstoff als Dämmung. Durch porige Zuschläge, wie zum Beispiel Blähtonkügelchen oder Bims entstehen im Beton Hohlräume, die zu einer durchschnittlichen Steinrohdichte von 400 kg/m³ führen. Im Vergleich dazu hat „normaler“ Beton eine Masse von 2 000 bis 2 600 kg/m³. Eine zusätzliche Kammer- und Schlitzanordnung in den Steinen und darin integrierte Wärmedämmung lassen leichte und mit sehr guten U-Werten ausgestattete Mauersteine entstehen, die mit mörtelfreier Stoßfugenverzahnung ohne weitere Dämmung, verarbeitet werden.

In eine neue Richtung weist der an der TU Berlin entwickelte sogenannte „Infraleichtbeton“ mit noch geringerer Rohdichte, monolithische, gegossene Wände ohne zusätzlich aufgebrachte Wärmedämmung im Passivhausstandard ermöglicht – innen wie außen mit unbehandelter Betonoberfläche. www.leichtbeton.de

Der sogenannte „Porenbeton“ besteht aus Sand, dem Bindemittel Branntkalk und/oder Zement, teilweise Gips sowie Wasser. Durch Zugabe von Aluminium bilden sich – wie durch Hefe oder Backpulver im Kuchenteig – viele kleine Blasen, sodass das Gemisch in den Gießformen um ca. zwei Drittel aufgeht. Die so entstandenen Blöcke werden für die Verzahnung profiliert, geschnitten und in speziellen Dampfdruckkesseln ausgehärtet. Durch den hohen Luftanteil von fast 80 Prozent weist das Material sehr gute Wärmedämmwerte auf und benötigt keine zusätzliche Wärmedämmung. www.bv-porenbeton.de

Allen vorgestellten Materialien gemein ist, dass sich damit moderne, energieeffiziente Häuser errichten lassen – welchen Sie wählen, ist eine Frage der persönlichen Präferenz. 

Weitere Artikel zum Thema "Massiv bauen" finden Sie in der Zeitschrift bauen! 10/11-2013


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