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Schwimmteich oder Naturpool im Garten

02.02.2016

Faszination Schwimmteich – viele Gartenbesitzer haben davon schon einmal gehört, wissen aber nicht so recht, was einen Schwimmteich eigentlich ausmacht. Denn Teich und Schwimmteich sind zwei völlig unterschiedliche Gewässer. Unser Experte Carsten Schmidt erklärt die Zusammenhänge und zeigt auf, welche Bauweisen es bei Schwimmteich und Naturpool gibt.

Generell gilt: Schwimm- und Badeteiche sind biologisch aufbereitet, das heißt, es kommt kein Chlor oder andere Chemie zum Einsatz. Dies ist allen Bauweisen gemein. Wichtig ist es, ein nährstoffarmes Milieu zu erzielen und die biologischen Zusammenhänge zu verstehen.

Nährstoffe sind immer die Grundlage für eine Algenbildung und eine eventuelle Massenentwicklung von Algen. Entscheidender Parameter ist hierbei der Gesamtphosphorgehalt des Wassers.Niemals wird ein Badeteich – und sei er noch so technisch aufgerüstet – so steril sein wie der klassische Pool. Ein Biofilmbelag gehört ebenso dazu wie eine zeitweise vorhandene Algenbildung, ein Frosch oder andere Wasserlebewesen, die eben genau dankbar sind für das biologische Wasser.

Wenn dies ein Schwimmteichinteressent akzeptiert, bietet ein Badeteich einen Mehrwert, der unbezahlbar ist. Natur zum Beobachten, Lebensqualität, Spass und Wellness im eigenen Garten.

Typologie: Welche Bauarten unterscheidet man?

Die Bauweisen natürlich aufbereiteter Gewässer sind vielfältig. Kaum mehr ist es möglich, von „dem Schwimmteich“ zu sprechen, ohne näher zu definieren, was jeweils gemeint ist. Es ist nicht nur eine Frage der Gestaltung sondern auch eine Frage der Wasserqualität und der eingesetzten Verfahren zur Wasseraufbereitung. Daher lassen sich verschiedene Typen oder Kategorien von biologischen Badegewässern beschreiben.

Unterteilungen dieser Art werden bereits seit einigen Jahren von unterschiedlichen Institutionen und Anbietern durchgeführt. In Deutschland derzeit etabliert ist die Typisierung durch die Forschungsgesellschaft Landesentwicklung, Landespflege e.V. (FLL).

Die FLL-Empfehlung wird übrigens in absehbarer Zeit überarbeitet werden, und damit auch die hier beschriebenen Typen. Im Folgenden soll versucht werden, eine zeitgemäße Einteilung zu beschreiben, die dem Schwimmteichinteressenten als Entscheidungshilfe dient.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Gestaltung einer Anlage keine Rückschlüsse auf die eingesetzte Technik oder die Funktionsweise zulässt. Eine organische, naturnah erscheinende Schwimmteichanlage kann sehr technisch betrieben sein. Anders herum kann auch eine architektonische, minimalistische Anlage mit wenig oder ohne Technik ausgestattet sein.

Der Einsatz von Technik in Naturpools und Badeteichen erfolgt zum einen aus Gründen der Pflegeerleichterung und zur Verbesserung und Stabilisierung der Wasserqualität. Pflegearbeiten wie das Abfischen von Laub oder das Entfernen von Sedimenten werden verringert, wenn mit einer Oberflächenabsaugung gearbeitet wird, die den Schmutz „automatisch“ entfernt.

Eine Verbesserung der Wasserqualität wird durch das Durchströmen von Filterkörpern erzielt. Bei fachgerechter Konzeption werden so ein Nährstoffabbau und eine Keimreduzierung erreicht.

Tabelle der Bauarten von Schwimmteichen >>

Wie hoch ist der Pflegeaufwand?

Viele Schwimmteichbesitzer starteten mit dieser Überlegung ihren Schwimmteichbau: „Weniger Rasen gleich weniger Arbeit." Das Gegenteil ist schnell der Fall. Das wöchentliche Rasenmähen enfällt, das ist richtig. Dafür folgt das regelmäßige Bodenabsaugen oder das jährliche Absaugen von Mulm, die Reinigung der Beckenwände, das regelmäßige Reinigen des Skimmers und der Pumpe, die Inbetriebnahme im Frühjahr und die Außerbetriebnahme im Herbst und so weiter.

Dazu kommt, dass sich der ein oder andere unter einem Schwimmteich etwas anderes vorgestellt hat: Komplett reine Beckenwände gibt es nicht im Schwimmteich. Selbst im Naturpool bildet sich immer wieder ein Biofilmbelag. Auch wenn der Reinigungsroboter regelmäßig fährt – es bleibt glitschig und den Aufbereitungsbereich besiedeln Mulm und Algen.

Der Pflegeaufwand ist stark abhängig von den Sauberkeitsansprüchen der Nutzer. Im Wesentlichen geht es darum, Biomasse zu entfernen: Absaugen von Mulm, Rückschnitt von Pflanzen und Entfernen von aufwachsenden Algen und so eine zunehmende Eutrophierung des Schwimmteichs zu vermeiden.

Die Alternative: Die Vergabe der Pflege und Wartung an einen Profi, der mehrmals jährlich im Schwimmteich für klare Sicht und saubere Verhältnisse sorgt.

Was ist biologische Wasseraufbereitung?

Biologische Wasseraufbereitung findet vornehmlich durch die Faktoren „Biofilm“ und „Wasserpflanze“ statt.Biofilm siedelt sich auf allen nassen und wechselfeuchten Oberflächen an, so auf Folien, Substratkörnern, Steinen und Wasserpflanzen und wird in Form eines „schleimigen“ Belags sichtbar. Die Lebensgemeinschaft des Biofilms versorgt sich selbst durch die Aufnahme von Nährstoffen aus dem nassen Milieu und trägt somit zur Nährstoffreduzierung und zum Keimabbau des Badewassers bei.

Die wesentlichen Aufgaben der Bepflanzung sind Nährstoffverbrauch und Sauerstoffproduktion (vor allem der Unterwasserpflanzen), Gasaustausch (Uferbepflanzung) und Beschattung der Wasserfläche. Sowohl in der Grünmasse der Pflanzen und Algen als auch in dem aufwachsenden Biofilm werden Nährstoffe festgehalten und gebunden.

In einem weiteren Schritt sind diese aus dem System „Schwimmteich“ zu entfernen.

Dies erfolgt im Rahmen der regelmäßigen Pflege durch Abernten von Pflanzenmasse und Entfernen von Sedimenten und Biofilm. Das heißt, die Anlagen sind so zu konzipieren, dass dieser wesentliche Schritt erreicht werden kann, zum Beispiel durch eine effiziente Rückspülung von Filterkörpern, bei der aufgewachsener Biofilm entfernt wird.

Übrigens: Fische haben in solch kleinen Gewässern nichts verloren. Sie gründeln, fressen Pflanzen oder Zooplankton, scheiden aus und machen Nährstoffe wieder frei verfügbar. Alles, was von selbst kommt, darf jedoch bleiben: Molche, Frösche, Libellenlarven, Wasserläufer, Taumelkäfer oder kleine Wasserasseln.

Der richtige Weg zum Schwimmteich

Ja, es gibt Bausätze, Selbstbauerforen, Billiganbieter und vieles mehr. Bitte machen Sie keine Experimente. Gerne können Sie selbst Hand anlegen, viele Teichbauer und Planer bieten dies an. Wichtig ist aber zuerst ein schlüssiges Gesamtkonzept: Art des Teichs, Größe, Füllwasser, Nutzeransprüche, Abstimmung der Substrate und Pflanzen auf das Füllwasser und, und, und. Investieren Sie hier in professionelle Unterstützung, können Sie im Nachgang einen Großteil der Arbeiten sicher und ruhigen Gewissens selbst ausführen. Tipp: Schauen Sie sich ältere Schwimmteiche (älter als 3 Jahre) an und entscheiden Sie dann für sich.

Der Schwimmteich ist eine einzigartige Symbiose aus Nutzen für die Natur, Naturerlebnis, Wellness und Erholung zu Hause. Wenn das Produkt zum Nutzer passt, stellt ein Badeteich ein großes Stück Lebensqualität dar. Dies ist viel wertvoller als der Rechtsstreit mit dem Schwimmteichbauer, die Sorge wegen einer aufwachsenden Alge oder das Bestreben nach der immer sauberen Beckenwand.

Bildergalerie:

Typ II: Mit Oberflächenabsaugung. Foto: www.teichmeister.de
Typ III: Mit kombinierter Aufbereitung. Foto: www.teichmeister.de
Typ IV: Mit biologischem Schnellfilter. Foto: www.teichmeister.de
Typ V: Mit biologisch- technischem Schnellfilter. Foto: www.teichmeister.de

Weitere Informationen

Autor Carsten Schmidt ist Landschaftsgärtnermeister und öffentlich bestellter Sachverständiger mit dem Schwerpunkt Schwimmteichanlagen. Sein Unternehmen Teich & Garten ist spezialisiert auf die Planung, Anlage und Pflege von Badeteichen, Naturpools und Wasseranlagen. www.teichundgarten.de

 
Wer sich vertiefend mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in der Zeitschrift „naturpools“ anschauliche Beispiele, Anregungen und Fachbeiträge. www.naturpools.de. Bestellbar unter Tel. (0711) 5206-306 oder www.buecherdienst.de.