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Dichtes Haus

14.02.2012

Die Gebäudehülle des Hauses muss dicht sein, sonst drohen Zugluft, hohe Wärmeverluste oder Schimmel. (DHV Deutscher Holzfertigbau-Verband e.V.)Die atmende Wand ist ein Märchen: In der Realität geht es lediglich um Dampf, der ein Stück weit in Wände diffundiert, niemals um Luft, die durch die Außenwände strömt. Im Gegenteil: Die Energie-Einsparverordnung (EnEV) fordert eindeutig, „Gebäude so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend dem Stand der Technik abgedichtet ist.“ Die Vorgaben dafür sind eindeutig. Nach der DIN 4108-7 dürfen Gebäude ohne Lüftungsanlage eine Luftwechselrate von 3,0 nicht überschreiten. Das bedeutet, die Raumluft darf sich bei einem definierten Unterdruck nicht mehr als dreimal pro Stunde „austauschen“.

Bei Häusern mit einer Anlage zur automatischen Wohnraumlüftung darf der Wert nicht über 1,5 liegen und für „qualitätsgeprüfte Passivhäuser“ fordert das Passivhaus Institut in Darmstadt sogar eine Luftwechselrate unter 0,6. Undichte Stellen in der Gebäudehülle führen zu Problemen. Der Behaglichkeit und Wohngesundheit im Haus ist es nicht zuträglich, wenn es unangenehm zieht oder bei größeren Ritzen in der Außenhülle gar „Kaltluftseen“ in Bodennähe entstehen, sodass man kalte Füße bekommt. Dabei entstehen bei dem, was der Fachmann „undefinierte Lüftung“ nennt, auch hohe Heizwärmeverluste, die bei Superenergiesparhäusern besonders ins Gewicht fallen. Man bekommt sie kaum noch warm.

Darüber hinaus drohen bei schadhaften Wand- oder Dachflächen echte Bauschäden. Beispiel Dachschaden: Wenn konventionelle Neubauten (Stein auf Stein) bezogen werden, bevor sie ganz „ausgetrocknet“ sind, wie es leider oft vorkommt, kann viel Wasserdampf aus der Raumluft an Kältepunkten der Dachhaut kondensieren und in die Konstruktion gelangen. Zu den drohenden Folgen von Feuchtigkeit beispielsweise in der Wärmedämmung gehören Fäulnis und Schimmelpilzbildung mit gefährlicher Sporenbildung.

Holzfertighaus-Besitzer sind im Vorteil
Holzhäuser haben in dieser Hinsicht klare Vorteile gegenüber dem Nassbau“, betont Diplom-Ingenieur Bauphysik Wolfgang Schäfer, Leiter Referat Technik und Umwelt im Deutschen Holzfertigbau-Verband (DHV). Sein Rat dazu: eine Luftdichtigkeitsprüfung des Hauses mittels sogenanntem „Blower-Door-Test” während und nach Abschluss der Bauphase. 

Für Mitgliedsfirmen des DHV in Stuttgart und genauso des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef sind solche Tests vorgeschrieben. Diese beiden bedeutendsten deutschen Fertigbau-Verbände haben ihre Mitglieder zusätzlich in einer Gütegemeinschaft (GDF) beziehungsweise Qualitätsgemeinschaft (QDF) organisiert. Die Haushersteller verpflichten sich im Rahmen der Güteüberwachung zur Vorlage von Dichtigkeitsprüfungen, die auch Teil des RAL-Gütezeichens sind. Somit stehen Käufer von RAL-geprüften Holzfertighäusern auf der sicheren Seite. Der Hauseigentümer kann sich darauf verlassen, dass seine Gebäudehülle rundherum, von der Bodenplatte bis zum Dach, inklusive Fensteranschlüsse sorgfältig entsprechend dem neuesten Stand der Technik ausgeführt wird. 

Für die Hausbewohner bedeutet das letztlich einen hohen Wohnkomfort bei dauerhaft niedrigen Heizkosten. Denn Holzfertighäuser weisen standardmäßig auch einen weit überdurchschnittlichen Wärmeschutz auf!

Ein Blower-Door-Test zeigt, ob das Haus den aktuellen Anforderungen an die Dichtheit entspricht. (DHV Deutscher Holzfertigbau-Verband e.V.)Blower-Door-Test
Bei der Luftdichtigkeitsprüfung eines Gebäudes, genannt Blower-Door-Test, wird die Windbelastung der Gebäudehülle simuliert. Ein Ventilator (Blower), das in die Haustür (Door) oder ein Fenster eingesetzt wird, erzeugt dabei einen Unterdruck im Hausinnern. Zum natürlichen Druckausgleich strömt Luft von außen durch undichte Stellen nach, die sich mit einem Anemometer aufspüren lassen.

Den bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal entstehenden Luftstrom bezeichnet man als Volumenstrom der Luftdurchlässigkeit. Das Verhältnis dieses Volumenstroms zum Raumluftvolumen heißt n50-Wert, oder landläufig einfach Luftwechselrate (n50). Sie ist damit das Maß der Luftdichtheit der Gebäude.

 

Mit Brief und Segel

Bauherren sollten sich vom Haushersteller die gesetzlich geforderte Luftdichtheit der Gebäudehülle durch einen Blower-Door-Test schriftlich bestätigen lassen. Denn jeder Haushersteller in Deutschland ist dazu verpflichtet, eine nach DIN- und EnEV-Vorgaben luftdichte Gebäudehülle zu erstellen. Und der Bauherr hat damit einen eindeutigen Rechtsanspruch auf ein dichtes Haus.

 

Die Wand atmet nicht

Luftdichte Außenwände können dampfdiffusionsoffen sein – eine positive Eigenschaft, die oft mit dem irreführenden Begriff der „atmenden Wand“ beschrieben wird. Bei der „Atmungsaktivität“ geht es normalerweise allein um Diffusionsvorgänge im Bereich der ersten Zentimeter einer Wand, also zum Beispiel einer Holz-, Gipskarton- oder Putzschicht. Sind die Oberflächen offenporig, können sie bei erhöhter Luftfeuchtigkeit Wasserdampf aufnehmen und bei sinkender Raumluftfeuchte wieder abgeben. Diese Pufferfähigkeit sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima. Dennoch muss die Konstruktion in jedem Fall luft- beziehungsweise winddicht ausgeführt werden.