Bauen für Allergiker

03.08.2010

Ein gesundes Haus ohne Schadstoffe ist nicht nur für Allergiker ein Segen. Wir geben Tipps für ein Zuhause, in dem alle Bewohner mit gutem Gefühl tief durchatmen können.

Die Oberfläche der Gipsfaser-Platte ist mit einem Wirkstoff auf Keratinbasis beschichtet und soll dadurch Schadstoffe aus der Raumluft aufnehmen und dauerhaft binden. (Fermacell)Tief durchatmen und mit gutem Gefühl entspannen - das möchten wohl alle Menschen in ihrem Zuhause. Voraussetzung dafür ist, dass das Haus nicht nur vor Umwelteinflüssen schützt, sondern auch keine gesundheitsschädlichen Stoffe ausdünstet. Für Allergiker ist das besonders wichtig. Aber auch gesunde Menschen legen zunehmend Wert auf ein unbelastetes Wohnumfeld.

Wichtig zu wissen: Ein "gesundes" Haus muss nicht zwangsläufig teurer sein, wenn von Anfang an entsprechend geplant wird. Das beginnt schon bei der Auswahl des Grundstücks. Je nach Disposition können Industriebetriebe, Funkmasten oder blühende Wiesen und Bäume in der Nachbarschaft ebenso stören wie Wasseradern oder gar Altlasten wie zum Beispiel Industrieabfälle im Boden. Im Zweifelsfall schafft hier ein Bodengutachten Klarheit.

Beim Haus selbst setzt die Gesundheitsvorsorge schon bei der Grundrissplanung ein. Ein abgeschlossener Windfang vermindert die Pollenverteilung und Zugluft im Haus, für besonders Heuschnupfengeplagte kann eine "Pollenschleuse" vor dem Schlafzimmer Erleichterung bringen. Sensible Menschen profitieren davon, wenn Wasserleitungen, Telefonanlage und große Stromverbraucher nicht direkt neben dem Schlafzimmer liegen, oder entsprechend abgeschirmt sind. Auch eine sogenannte "Netzfreischaltung" von Schlafräumen ist möglich.

Über eine Kjappe in der Fußleiste kann auch zusammengekehrter Schmutz leicht entsorgt werden. (Cleanformat)Für die Verteilung der Heizwärme gelten Fußboden- oder Wandheizungen als allergikerfreundlich: Sie verursachen weniger Luftbewegung und damit weniger Staubaufwirbelung.
Natürlich ist auch die Haustechnik entscheidend. Eine Lüftungsanlage mit entsprechenden Filtern hält nicht nur allergene Stoffe draußen, sondern sorgt auch dafür, dass die Luftfeuchte im grünen Bereich bleibt, was Schimmelbildung vorbeugt. Die Filter sollten gut zugänglich und einfach zu wechseln sein - und müssen natürlich regelmäßig ausgetauscht werden.
 
Die Auswahl der richtigen Baumaterialien
Entscheidend für die Qualität der Raumluft sind aber nicht nur die Baumaterialien, sondern auch die Oberflächen von Wänden, Decken und Fußböden. Wurde Allergikern früher zu glatten Böden geraten, plädieren heute viele für Teppichboden: dieser hält den Staub bis zum nächsten Saugen fest. Zur Reinigung empfehlen sich Geräte mit Wasserfilter, die Feinstäube besser binden oder Zentralstaubsauger, da sie die mit Feinstaub belastete Abluft direkt aus dem Raum befördern.

Eine Lüftungsanlage filtert die Frischluft und befreit sie weitgehend von Pollen. Die Filter sollten leicht zu kontrollieren und auszuwechseln sein. (BDH)Die Auswahl der richtigen Baustoffe muss auf die jeweiligen Allergien abgestimmt erfolgen. Denn auch Naturbaustoffe wie Holz, Öle und Wolle enthalten Allergene. Gefährlicher sind aber oft Binde- oder Lösungsmittel in Baustoffen. Hier gibt es eine leider unübersichtlich große Anzahl von Öko-Prüfsiegeln. Ein wichtiges Gütesiegel ist "natureplus" (www.natureplus.de). Dieses Siegel erhalten nur Produkte, die sowohl auf ihre ökologische als auch gesundheitliche Verträglichkeit geprüft wurden. Mittlerweile gibt es beispielsweise formaldehydfrei verleimte Holzwerkstoffplatten, lösungsmittelfreie Farben und schadstoffgeprüfte Teppiche.

Die Wechselwirkung von Baustoffen beachten
Eine Volldeklaration aller Inhaltsstoffe ist bei Bauprodukten nicht üblich, kann aber beim Hersteller angefordert werden. Ein Problem bleibt allerdings die oft unbekannte chemische Wechselwirkung von Baustoffen untereinander, die im Hausbau fast unvermeidlich ist.

So ist beim Verkleben von Fliesen und Teppichen oder beim Einbau von Fenstern mit den üblichen Polyurethan-Schäumen Vorsicht geboten. Fliesen können auch im Mörtelbett verlegt, Fenster absolut passgenau ohne Schaum eingebaut werden, wie es zum Beispiel bei vielen Fertighausherstellern bei der Vorfertigung im Werk üblich ist. Eine möglichst "trockene" Bauweise und eine sichere Detail-Ausführung in Nassbereichen wie Bädern ist zudem eine gute Vorbeugung gegen Schimmelbildung.

Manche Fertighaushersteller bieten ein allergikergeprüftes Haus als Gesamtkonzept aus einer Hand an. Da der Begriff "Allergikerhaus" nicht geschützt ist, sollte auch hier genau nachgefragt werden. Sicherheit gibt zum Beispiel das Prüfsiegel "tox-proof" vom TÜV-Rheinland. Dazu gehört eine genaue Auflistung der nicht zulässigen Stoffe. Neben Baustoffen gibt es auch komplett toxproof-zertifizierte Fertighäuser. Einen Prüfkatalog für allergikergerechte Häuser hat das Institut für Umwelt und Gesundheit (IUG) in Fulda erarbeitet. Es vergibt für geprüfte Häuser das sogenannte "Allökh"-Siegel. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann nach Fertigstellung eine Schadstoffprüfung vornehmen lassen.

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