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Mehr als Stoßlüftung

02.08.2011

Angesichts immer dichter werdender Gebäudehüllen reicht Fensterlüftung nicht mehr aus, um für einen gesunden Luftwechsel zu sorgen.Energie sparen ist das Gebot der Stunde. Die jetzt gültige Energieeinsparverordnung, die EnEV 2009 wird nächstes Jahr von der EnEV 2012 abgelöst, der Energieverbrauch von Gebäuden soll dann nochmals um 30 Prozent sinken. Die verschärften Bestimmungen haben dazu geführt, dass Gebäude immer luftdichter geworden sind. Doch damit entsteht ein neues Problem: „Dicke Luft“ mit einem zu hohen CO2-Anteil, zu viel Feuchtigkeit, Keimen, Schimmelsporen und schädlichen Emissionen aus Baustoffen und Möbeln. Dagegen hilft nur ausreichendes Lüften.

Doch wie gewährleistet man einen ausreichenden Luftwechsel? Fensterlüftung allein reicht in dichten Gebäuden oft nicht mehr,  bzw. ist mit einem hohen Bedienungsaufwand für die Bewohner verbunden und birgt das Risiko bei falschem Lüftungsverhalten wieder zu viel Heizenergie „wegzulüften“. Um eine kontrollierte Lüftung kommt man daher kaum noch herum. In Häusern, die die gesetzliche Norm im Rahmen der EnEV 2009 erfüllen, wird zwar meist auf eine technische Lüftung verzichtet, in Effizienz- und Passivhäusern gehören Lüftungsanlagen zum Energie- und Gesundheitskonzept.

Wie immer liegt aber auch hier der Teufel im Detail. Der Gesetzgeber hat zwar in die EnEV 2009 festgeschrieben, dass ein nutzerunabhängiger Luftaustausch gewährleistet werden muss, aber in welcher Form dies umgesetzt werden soll, bleibt den Planern und Bauherren überlassen. Es heißt in der EnEV nur: „Eine Abluftanlage ist ... zur Vermeidung von Feuchteschäden und Schimmelpilzbildung als bauphysikalisch sinnvoll anzusehen.“

Damit der Schuss nicht nach hinten losgeht und die Lüftungsanlage selbst Ursache von schlechter Luft wird, ist bei der Planung und dem Einbau große Sorgfalt unbedingt erforderlich. Es gibt zentrale und dezentrale Lüftungen. In Neubauten kommt meist eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Hier versorgt ein zentrales Lüftungsgerät über ein Netz von Kanälen das Haus mit frischer Luft bzw. führt – über separate Kanäle – verbrauchte Luft aus den Räumen ab. Beide Luftströme laufen ohne direkten Kontakt durch einen Wärmetauscher, wo bis zu 90 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme auf die Zuluft übertragen werden.

Dezentrale Lüftung im Prinzip: Die frische Außenluft wird auf dem Weg nach innen vom Wärmetauscher in vorgeheizte Zuluft gewandelt.Dezentral heißt, einzelne Räume, eventuell auch alle, werden jeweils mit einem eigenen Lüftungsgerät ausgestattet, das in die Außenwand eingebaut wird. Aus energetischen Gründen sind auch hier Systeme mit Wärmerückgewinnung auf dem Vormarsch. Der Wärmetauscher gewinnt bei dezentralen Systemen etwa 60 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme zurück.

Vorteil dieser Einzelraumgeräte: Sie erlauben die gezielte Belüftung des jeweiligen Raumes, die Leistung eines Geräts kann entsprechend den unterschiedlichen Temperaturen und Feuchtegehalten der Luft eingestellt werden, z. B. im Bad anders als im Schlafzimmer. Und bei Ausfall einer Einheit ist nicht die gesamte Wohnung betroffen. Die zentralen Systeme arbeiten dagegen energieeffizienter.

Trotz aller Sorgfalt bei Planung und Errichtung der Lüftungsanlage muss diese gewartet und Teile gegebenenfalls gereinigt oder ausgetauscht werden. Den halbjährlichen Filterwechsel können Hausbesitzer selber vornehmen – der Zeitpunkt wird in der Regel automatisch am Gerät angezeigt. Achten Sie beim Kauf aber auf die richtige Qualitätsklasse. Neben den Standardfiltern können auch spezielle Pollenfilter für Allergiker eingesetzt werden.

Für die Wartung der Anlage im Zwei-Jahres-Rhythmus schließt man am besten einen Wartungsvertrag mit einer Fachfirma ab, die die notwendigen Geräte haben wie z.B. Reinigungsroboter, die durch das Luftkanalsystem geführt werden und über eine eingebaute Kamera dabei auch eine Videoüberwachung des Leitungszustandes ermöglichen.
Fazit: Richtig geplant, sorgfältig montiert und regelmäßig gewartet, erhöht eine Lüftungsanlage den Komfort und macht das Wohnen gesünder. 

„Die DIN 1946-6 für Wohnungslüftungsanlagen stellt sicher, dass diese Anlagen hygienisch korrekt geplant, installiert und betrieben werden“, rät das Fachinstitut Gebäude-Klima e.V (FGK). Die Qualität eines Systems hängt aber von seinen Bestandteilen ab. Deshalb sollten die einzelnen Komponenten nach DIN 4719 geprüft und mit der Kennzeichnung „H“ für hygienisch gekennzeichnet sein.

 

 

Weitere Informationen über fachgerecht geplante Lüftungsanlagen finden Sie im neuen Sonderheft „gesund wohnen“ – für 3,80 Euro am Kiosk oder zzgl. Versandkosten unter www.buecherdienst.de

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