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Geballte Ladung Sonnenenergie

30.08.2013

Lange Zeit waren Solarstromspeicher zu teuer für private Bauherren. Doch jetzt sind erschwingliche Batterien auf dem Markt. Und: Ihre Anschaffung wird seit Neuestem von der KfW-Bank gefördert!<br />
Foto: WeberhausZu Hause benötigt man einfach eben dann Strom, wenn die Sonne nicht scheint, nämlich abends: für Licht, den Fernseher oder auch den Herd, auf dem Abendessen gekocht werden soll.“ So schildert Andreas Viebrock, Vorstandsvorsitzender der Viebrockhaus AG, das Dilemma der Hausbesitzer, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben, aber nicht viel von ihrem eigens produzierten Strom selbst verbrauchen können.

Ein Mittel dagegen: Solarspeicher. Eine Batterie ermögliche es Bauherren, so Viebrock, „die Energie zwischenzuspeichern und die Freiheit, ihren selbst erzeugten Strom dann zu verwenden, wenn sie ihn brauchen.“ Das Problem bislang: Solarbatterien für Einfamilienhäuser waren teuer und hatten eine relativ geringe Effizienz. Aber nicht nur Preise und Kosten von Photovoltaikanlagen haben sich geändert. Auf der Messe „Intersolar“ in München präsentierten einige Unternehmen neue Kleinspeicher, die sich für den Einsatz im Eigenheim eignen. Sicher auch eine Reaktion darauf, dass das Bundesumweltministerium und die KfW-Bank mit ihrem neuen Programm 275 die Anschaffung eines Solarstromspeichers seit dem 1. Mai 2013 finanziell unterstützen.

Aber: Warum ist es so erstrebenswert, den auf dem Dach gewonnenen Solarstrom zu bevorraten? Bislang interessierte es Betreiber von Photovoltaikanlagen, möglichst viel selbst produzierten Solarstrom ins Netz einzuspeisen, um die Vergütung zu kassieren. Später wurde dann der Eigenverbrauch besonders belohnt. Inzwischen ist die Einspeisevergütung jedoch so stark gesunken, dass sie als Investitionsgrund nicht mehr ausreicht. Weitere Kürzungen sind wahrscheinlich. Andererseits ist der Preis für Strom aus dem Netz sehr stark gestiegen. Daher ist nun oberstes Interesse von Hausbesitzern mit Photovoltaikanlagen, den Strom möglichst selbst zu verbrauchen.

Und da abends die Sonne irgendwann untergeht, benötigt man eben einen Speicher, wo die tagsüber geerntete Energie zwischengelagert werden kann. Wird auf dem Dach mehr Strom produziert als gerade benötigt wird, fließt dieser Überschuss vorrangig in den Speicher. Erst wenn dieser vollgeladen ist, wird der Stromertrag ins Netz eingespeist. Weiterer Vorteil: Die Stromnetze der Energieversorger werden durch die Zwischenschaltung von Speichern erheblich entlastet.

Technisch gibt es verschiedene Systeme. Blei-Gel-Akkus haben den Vorteil, dass „die Technik erprobt und die Anschaffung günstig ist“, wie Holger Heid, Produktmanager beim Hausanbieter Weberhaus erklärt. „Allerdings beträgt die Entladetiefe nur 50 Prozent“, betont Heid. Das heißt, wenn die Hälfte der Kapazität abgezapft ist, muss der Speicher wieder aufgeladen werden. „Lithium-Ionen-Batterien haben eine Entladetiefe von 90 Prozent“, erläutert Heid weiter, „allerdings kann man hier erst auf drei bis vier Jahre Erfahrungen zurückgreifen, und die Zeitwertgarantie beträgt etwa sieben Jahre. Erstrebenswert wären aber 12 bis 13 Jahre.

Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, sollte den Solarstrom speichern, um die Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Oftmals sind die Batterien in einem Gehäuse zusammen mit dem Wechselrichter untergebracht.<br />
Foto: BoschHeid verweist noch auf ein interessantes Projekt: In der neuen Fertighausausstellung in Wuppertal sollen mehrere Musterhäuser mit einem größeren Stromspeicher gekoppelt werden. „Hier kommt das Redox-Flow-System zum Einsatz“, erklärt Heid. Diese recht neue Technologie besticht durch einen hohen Wirkungsgrad und besonders lange Lebensdauer. Bauherren sollten Überlegungen anstellen, ob sie sich nicht mit Gleichgesinnten zusammenschließen wollen, um einen effizienten Gemeinschaftsspeicher zu betreiben. Denn so erhöht sich die Effizienz, und die anteiligen Anschaffungskosten fallen geringer aus als bei Insellösungen.

Die Hausbatterie hat noch einen weiteren positiven Aspekt: Sie fungiert auch als Notstromaggregat – mehrere Stunden Stromausfall können mit ihrer Hilfe überbrückt werden.


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