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Wasserführende Öfen

03.10.2010

Wasserführende Öfen und Kamine bieten ein schönes Kaminfeuer nebst Strahlungswärme und unterstützen gleichzeitig die Zentralheizung dabei, das ganze Haus zu versorgen.

Wodtke MomoDie Zukunft der häuslichen Wärmeversorgung wird auf mehreren "Säulen" ruhen. Das ist keine Kaffeesatzleserei, sondern inzwischen schon in Gesetzen wie der Energieeinsparverordnung festgelegt.

Als vor Jahren plötzlich die Energiepreise in die Höhe schossen und die Erdgasversorgung als politisches Machtinstrument entdeckt wurde, erlebten Kamine und Öfen eine Renaissance. Denn Holz ist als klimaneutraler, regenerativer Energieträger preiswert vor Ort verfügbar und muss nicht aufwendig weiterverarbeitet werden. Und so wurden landauf, landab Millionen neue Kaminöfen, Kamine und Kachelöfen installiert, bei denen nicht mehr nur der reine Genussaspekt eine Rolle spielte, sondern auch die Heizwärme. (Foto: Wodtke)

Ein prinzipbedingter Nachteil solcher im Fachdeutsch auch als "Einzelraumfeuerstätten" bezeichneter Öfen ist allerdings, dass sie ihre Wärme vor allem an den Raum abgeben, in dem sie installiert sind. Die übrigen Räume im Haus haben davon nichts, außer wenn man durch geöffnete Zimmertüren für eine gewisse Wärmeverteilung im Haus sorgt, womit jedoch meist auch störende Zuglufterscheinungen verbunden sind. Gerade in gut gedämmten Niedrigenergiehäusern ist durch überdimensionierte Öfen (sie sollen ja viel "bringen" und eine gute Feuersicht bieten) tatsächlich ein "Zuviel" an Wärme oft ein Problem: das Wohnzimmer wird zur Sauna.

 

Grafik Wärme an die ZentralheizungWärme an die Zentralheizung
Als eleganter Ausweg aus diesem Dilemma bieten sich Kamine und Öfen an, die über einen eingebauten Wasser-Wärmetauscher einen Großteil der entstehenden Wärme in das Zentralheizungssystem einspeisen. Diese Öfen werden als "wasserführende Feuerstätten" bezeichnet.

Wassserführende Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe sind in fast allen Ofentypen erhältlich beziehungsweise realisierbar, vom industriell hergestellten Kaminofen bis zum handwerklich gefertigten Kachelofen, fertig ab Werk oder als Nachrüstlösung, fest mit der Brennkammer verbunden oder als Aufsatzregister.

 

Möglichkeiten der wasserseitigen Einbindung ins Heizungssystem
Üblich ist das Einspeisen der Wärme in einen Pufferspeicher, den der Solaranlagenbesitzer meist schon installiert hat. Alternativ kann das im Ofen erwärmte Wasser auch in den Rücklauf des Zentralheizungssystems geführt werden. Der konventionelle Heizkessel braucht die Temperatur dann nur noch auf das gewünschte Vorlauftemperaturniveau aufzuheizen - gegebenenfalls bleibt er ausgeschaltet.

 

Optimal dimensionieren
TulikiviBasis für die Effizienz ist die optimale Anlagendimensionierung. Dabei spielt das Verhältnis der wasserseitigen Heizleistung zur raumseitigen Heizleistung des Ofens (über Konvektion und Strahlungswärme) eine große Rolle. Das Verhältnis hängt unter anderem von der Ausgestaltung des Wasser-Wärmetauschers, aber auch von der Größe der Heizscheibe und weiteren konstruktiven Faktoren ab.

Große Sichtscheiben wasserführender Feuerstätten sind oft mit einer hauchdünnen metallischen Bedampfung vergütet, damit ein Teil der Strahlungswärme in den Brennraum reflektiert wird, um den Wasser-Wärmeanteil zu steigern.

Es ist sinnvoll, die Heizleistung nicht zu hoch zu wählen, damit der Ofen möglichst nicht im unwirtschaftlichen Teillastbereich betrieben werden muss. Bei großen Heizleistungen muss der Betreiber ständig immense Mengen Brennholz nachlegen. So benötigt ein 25-kW-Ofen alle eineinhalb Stunden 12 Kilogramm Holz. (Foto: Tulikvi)

Die meisten Ofenkäufer werden ein Modell im Leistungsbereich bis 10 kW wählen. Je nach Modell gehen zwischen 35 und 70 Prozent der Heizleistung ins Wasser, der Rest wärmt direkt den Aufstellraum. Bei unserem 10-kW-Beispiel (ein Großteil der wasserführenden Öfen hat eine geringere Gesamt-Heizleistung) werden zwischen 3,5 und 7 kW ins Zentralheizungssystem eingespeist und das nur dann, wenn der Ofen mit maximaler Leistung betrieben wird, was längst nicht immer der Fall ist.

Da ein ungedämmtes Haus meist eine installierte Heizkesselleistung zwischen 15 und 25 kW benötigt, wird klar, dass ein wasserführender Kaminofen im Bestand nur einen kleinen Teil des Gesamt-Wärmebedarfs decken kann. Im Neubau hat ein Ofen sicherlich mehr zu bieten!

Wirtschaftlichkeit
Wasserführende Öfen können zumindest in der Übergangszeit einen nennenswerten Anteil an der Wärmeversorgung des Hauses übernehmen und bei gut gedämmten Immobilien tatsächlich dazu beitragen, dass der eigentliche Heizkessel früher in die Sommerpause gehen kann.

Den Vorzügen steht ein erheblich größerer Installationsaufwand für den Anschluss ans Heizungssystem sowie ein meist beträchtlich höherer Anschaffungspreis gegenüber, sodass eine Amortisation von der genauen Anlagendimensionierung im Einzelfall abhängen kann. Aber vielleicht ist es auch nicht immer entscheidend, ob sich die Technik am Ende wirklich "rechnet", wenn man einen Teil der benötigten Heizenergie auf so attraktive Weise gewinnen kann.

Unter www.ofenwelten finden Sie alles rund um Kamine und Kachelöfen.