Effizienzhaus 55

das energieeffiziente haus

Energiespar-Häuser werden viele angeboten – doch nicht immer handelt es sich um klar definierte Standards. Der Begriff „Energiesparhaus“ ist zum Beispiel nicht verbindlich definiert, Rückschlüsse auf tatsächliches Einsparpotenzial sind hier nicht möglich.

Anders ist es bei Begriffen wie Niedrigenergiehaus, Passivhaus oder KfW-Effizienzhaus. Hier gibt es festgesetzte Werte für Heizwärme- und Primärenergiebedarf, die nicht überschritten werden dürfen. Das „Effizienzhaus“ wird von der „Deutschen Energie-Agentur“ (dena) unabhängig zertifiziert und bei gleichnamigen Standards von der KfW-Förderbank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) durch zinsverbilligte Kredite gefördert. Es benötigt deutlich weniger Energie als das Gesetz vorgibt.

Effizienz mit Brief und Siegel
Schon die grundsätzlich zu erfüllenden Baustandards sind in Deutschland hoch. Jedes neu gebaute Haus muss bezüglich des Energiebedarfs (der wiederum von der Beschaffenheit des Gebäudes abhängt) den Mindeststandards der Energie-Einsparverordnung (EnEV) genügen.
Die aktuell gültige Fassung von 2009 gibt bereits eine gute Qualität von Gebäudehülle und Haustechnik vor. Zusätzlich verpflichtet das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zum Einsatz regenerativer Energien bei der Wärmeerzeugung – zum Beispiel durch eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung.

Jeder Neubau erhält einen Energie-Ausweis. Dieser ermöglicht, die energetische Qualität von Häusern zumindest theoretisch zu vergleichen. Wie viel Energie die Bewohner tatsächlich verbrauchen werden, hängt stark vom Nutzerverhalten ab und lässt sich nie genau vorhersagen.

Damit all dies für den Laien leichter durchschaubar wird, hat die „dena“ als Qualitäts-Standard das sogenannte „Effizienzhaus“ mit entsprechendem Gütesiegel entwickelt. Dieses Siegel erhalten Häuser, die laut dena-zertifiziertem Energie-Ausweis besonders sparsam sind und nur wenig Energie für Heizung und Warmwasser benötigen.

Bewerben Bauträger und Verkäufer ihre Angebote mit dem Effizienzhaus-Gütesiegel, müssen sie ihren Kunden vertraglich zusichern, dass der entsprechende Effizienzhaus-Standard erreicht und zur Bestätigung der dena-Prüfprozess durchlaufen wird. Energiebedarfswerte sind in dem Ausweis genau abzulesen und mit anderen Häusern ins Verhältnis zu setzen.

Der Jahresprimärenergiebedarf zeigt, wie viel Energie durchschnittlich im Verlauf eines Jahres für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung benötigt wird, der Transmissionswärmeverlust belegt die Qualität der thermischen Gebäudehülle (Dämmung von Dach, Wänden, Fenstern und Boden).

Fertigbau in der obersten Liga
Die jeweilige Zahl bei der Bezeichnung „Effizienzhaus“ bezieht sich auf den Jahres-Primärenergiebedarf: Das Effizienzhaus 70 darf höchstens 70 Prozent des nach EnEV 2009 für das Referenzgebäude berechneten Primärenergiebedarfs aufweisen, das Effizienzhaus 55 entsprechend nur 55 Prozent. Ebenso muss der Transmissionswärmeverlust 15 Prozent und beim Effizienzhaus 55 sogar 30 Prozent unterhalb des Wertes des jeweiligen Referenzgebäudes liegen.

Für 2012 ist eine neue Fassung der EnEV angekündigt, da die Bundesregierung die europäische Richtlinie für energieeffiziente Gebäude von 2010 in nationales Recht umsetzen muss. Diese erlaubt ab 2020 nur noch Passiv- und Nullenergiegebäude – klimaneutrale Häuser, die so viel Energie erzeugen wie sie verbrauchen. Trotzdem erwarten Experten für den Wohnungsbau vorerst keine nennenswerten Verschärfungen, da das Bauen nicht zu teuer werden soll.

Besonders die Holzfertigbau-Branche beweist aber seit Jahren, dass es auch ökonomisch sinnvoll noch besser geht als vom Gesetzgeber gefordert. Wer ein Holzfertighaus baut, bekommt in der Regel schon im Standard mindestens ein sogenanntes „KfW-Effizienzhaus 70“. Das liegt an der traditionell guten Dämmung der Holzständerwände und der hochwertigen, winddichten Ausführung.

Empfehlenswert ist auch die meist schon enthaltene Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Diese reduziert nicht nur Wärmeverluste durch Fensterlüftung, sondern beugt auch Feuchteschäden bei ungenügendem Lüften vor.

Effizienzhäuser 55
Erreicht wird der bessere Standard durch bauliche Maßnahmen, die den Energieverbrauch des Hauses senken. Meist reicht hierfür eine verbesserte Dachdämmung und der Einbau einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung und eine moderne Heizung mit regenerativen Energiequellen wie einer effizienten Wärmepumpen-Heizung. Auch eine Ausrichtung von größeren Fensterflächen nach Süden ist sinnvoll, um solare Wärmegewinne einzufangen.

Im Gegensatz zu KfW-Effizienzhaus 70 kommen oft neben einer verbesserten Wärmedämmung noch Maßnahmen zur Verbesserung der Luftdichtheit hinzu. Hier spielt die zentrale Lüftungsanlage eine Rolle, aber auch Detailanschlüsse bei Fenstern und Türen, die in der Regel hochgedämmte Dreifachverglasungen aufweisen.

Heizungsanlagen, die regenerative Energien wie Holz, Solarwärme oder Erdwärme nutzen, können die Energiebilanz weiter verbessern. Mit einer Photovoltaik-Anlage, die Strom aus Sonnenkraft produziert, kann das Haus zum Energielieferanten werden. Produziert das Haus dann mehr Energie als es selbst verbraucht, wird es sogar zum Plus-Energie-Haus.

Nachhaltigkeit wird unterstützt
Für den Bau von „Effizienzhäusern“ gibt es von der KfW-Förderbank über das Förderprogramm „Energieeffizient Bauen“  (Programmnummer 153) zinsverbilligte Kredite in Höhe von maximal 50000 Euro pro Wohneinheit. Diese müssen über die Hausbank beantragt werden.

Zusätzlich gibt es Tilgungszuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen: Für ein „Effizienzhaus 55“ sind das 5 Prozent der Fördersumme, also maximal 2500 Euro. Beurteilt wird der energetische Standard durch einen von der dena zertifizierten Experten. Die meisten Fertighausanbieter kümmern sich um alle Formalitäten oder weisen ihre Kunden auf die Nachweispflicht hin.

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