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Effizient Bauen mit Fördergelder

02.11.2018

Wer in Deutschland ein neues Wohnhaus bauen möchte, sieht sich mit hohen energetischen Anforderungen konfrontiert. Wir erklären, welche das sind und wie man durch Fördergelder die finanzielle Belastung  beim energieeffizienten Bauen reduzieren kann.

Effizient bauen nach EnEV.
Foto: Baywa

Wer heute neu bauen möchte, wird früher oder später auf eine für ihn vermutlich neue Vokabel stoßen: das Effizienzhaus. Es gibt davon unterschiedliche: Das Effizienzhaus 55, das Effizienzhaus 40 sowie das Effizienzhaus 40 Plus. Grundsätzlich muss jedes Haus ein Effizienzhaus sein, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Die Zahlen hinter „Effizienzhaus“ definieren einen überdurchschnittlich hohen energetischen Standard eines Hauses: Je kleiner die Zahl, desto besser ist es, d.h. desto weniger Energie benötigt das Haus im laufenden Betrieb – und desto höher fallen die staatlichen Förderungen dafür aus.Die energetischen Baustandards in Deutschland sind in der sogenannten Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, festgeschrieben. Sie ist schon seit 2002 Teil des deutschen Baurechts. Sie regelt, welche bautechnischen Anforderungen zum Energieverbrauch jedes neue Haus erfüllen muss, um genehmigungsfähig zu sein.

Im Laufe der Jahre wurde die EnEV mehrmals überarbeitet, zuletzt am 21. November 2013, als die  „zweite Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung“, kurz EnEV 2014, im Bundesgesetzblatt verkündet wurde. Sie trat bereits am 1. Mai 2014 in Kraft. Für Neubauherren kamen die großen Veränderungen aber erst am 1. Januar 2016. Neubauten, deren Bauanträge seitdem eingereicht werden, müssen den verschärften energetischen Anforderungen der neuen Verordnung entsprechen: Der Primärenergiebedarf eines Hauses muss seitdem 25 Prozent geringer ausfallen, als es noch 2015 der Fall war.

Höhere Effizienz gibt mehr Förderung

Seit Frühjahr 2016 ist auch die staatliche Förderung von Neubauten durch die KfW (Kredit­anstalt für Wiederaufbau) neu geordnet. Die wichtigste Änderung war, dass das seit 2009 geförderte Effizienzhaus 70 entfiel. Weiter im Angebot blieben die beiden Förderstandards KfW-Effizienzhaus 55 und 40. Neu dazu kam das Effizienzhaus 40 Plus, bei dem ein wesentlicher Teil des Energiebedarfs unmittelbar am Gebäude erzeugt und gespeichert wird. Er gilt für Häuser, die mittels einer Photovoltaik-Anlage, kleinen Windkraftanlage oder einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage Strom erzeugen, der in einer Batterie gespeichert und dann vorrangig selbst genutzt wird.

Weiterhin bietet die KfW-Bank seit 2016 für das KfW-Effizienzhaus 55 ein vereinfachtes Nachweisverfahren, das  „KfW-Effizienzhaus 55 nach Referenzwerten“, an. Werden bestimmte U-Werte eingehalten und mit einer vorgegebenen Heizungs­anlage kombiniert, ist ein rechnerischer Nachweis nicht mehr notwendig. Gefördert wird über besonders zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse

Je energieeffizienter das Haus ist, desto besser fällt die Unterstützung aus. Berechnet wird das nach den Vorgaben der EnEV. Für den Nachweis der Energieeffizienz eines Hauses sind dabei zwei Zahlen relevant: der spezifische Transmissionswärmeverlust und der Jahres-­Primärenergiebedarf. Die Gesamt­energieeffizienz nach EnEV ergibt sich also aus der Qualität der Gebäudehülle und der Anlagentechnik gemeinsam.
Verwirrend für viele Bauherren ist, dass es keine absoluten Grenzwerte für den maximal zugelassenen Primärenergiebedarf gibt.

Das Effizienzhaus erzeugt selbst Energie mithilfe einer Photovoltaikanlage und einer Hausbatterie.
Das Effizienzhaus 40 Plus erzeugt selbst Energie z.B. mithilfe einer Photovoltaikanlage und speichert diese für den späteren Eigenverbrauch in einer Hausbatterie. Foto: E3DC

Sehr aufwendiges Nachweisverfahren

Anstelle dessen wird für jedes Gebäude eine individuelle Rechnung aufgestellt. Anhand eines theoretischen Referenzgebäudes, das u.a. in Kubatur und Ausrichtung dem geplanten Haus entspricht (siehe EnEV 2014 Anlage 1 zu den §§ 3 und 9), wird der jeweils maximal zulässige Primärenergiebedarf eines jeden Neubaus separat ermittelt. Mithilfe welcher Maßnahmen dieser Wert in der Praxis erreicht wird, ob z.B. mit einer überdurchschnittlich gut gedämmten und dichten Haushülle oder mithilfe einer besonders umweltfreundlichen, sparsamen ­Haustechnik, bleibt dem Bauherren selbst überlassen.

Wer von der staat­lichen Förderung der KfW profitieren möchte, muss nach neuer EnEV auf alle Fälle beide Bereiche optimieren: Denn erst ab einer Unterschreitung der individuell zulässigen Maximalwerte um 45 Prozent, winken den Bauherren die attraktiven Förderungen.

Den Fördergeldern stehen aber natürlich Mehrkosten für die Baumaßnahmen gegenüber, die den verbesserten Energiestandard ermöglichen. Die KfW hat eine Musterberechnung zur Wirtschaftlichkeit des KfW-Effizienzhaus 55 , am Beispiel eines Einfamilienhauses mit 235 Quadratmetern Nutzfläche, beheiztem Keller, Gas-Brennwert-Heizung durchgeführt.

Das Ergebins zeigt, dass sich ein besserer Energiestandard durchaus lohnt: Die Mehrkosten von 12 700 Euro lassen sich durch die Förderung um 9 850 Euro (Tilgungszuschuss, Zinsvorteil, und Förderung der Fachplanug und Baubegleitung) deutlich reduzieren. Die restlichen 2 850 Euro amortisieren sich durch Energieeinsparungen in rund 10 Jahren.

Wichtig: Förderantrag immer vor Baubeginn

Beim Effizienzhaus 40 und 40 Plus sind die Mehrkosten höher als beim KfW-Effizienzhaus 55 – können allerdings nicht so einfach überschlagen werden, da es mehrere Wege gibt, die bau- und anlagentechnisch dazu führen, diese Standards zu erfüllen. In jedem Fall kommen zusätzliche Kosten für eine Lüftungsanlage hinzu (ab ca. 5 000 Euro), beim Effizienzhaus 40 Plus zusätzlich noch für Stromerzeuger und Hausspeicher (ab ca. 10 000 bis 15 000 Euro). Den Mehrkosten stehen zwar auch höhere Förderungen entgegen – ganz decken können sie sie aber nicht und die Energieeinsparungen sind im Vergleich zum Effizienzhaus 55 nicht mehr so eklatant, als dass ähnlich kurze Amortisationszeiten zu erwarten wären.

In jedem Fall gilt: Alle Förderungen müssen vor Baubeginn beantragt und genehmigt werden. Die Gewährung des Tilgungszuschusses hängt schließlich davon ab, welchen Effizienzstandard das gebaute Haus tatsächlich erfüllt. Dieser muss der KfW von einem anerkannten Sachverständigen bestätigt werden. Erst dann bekommt man den entsprechenden Tilgungszuschuss.

Nicht beziffert werden kann der Werterhalt Ihres Eigenheims, der sich mit steigender Energieeffizienz auf jeden Fall verbessert. Geld für die Energieeffizienz Ihres Hauses einzusetzen, ist also auf alle Fälle eine sehr gute Zukunftsinvestition. ab

(aus der Zeitschrift Effizienzhäuser 8/9-2018)



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