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Hausanbieter als Kreditvermittler

23.10.2012

Wie war das noch mal mit dem Annuitätendarlehen? Habe ich Anspruch auf staatliche Fördermittel? Lässt sich unser Bausparvertrag in die Finanzierung integrieren? Erfahrungsgemäß gehört die Finanzierung nicht zu den Lieblingsthemen angehender Bauherren. Jeder weiß, dass es ohne Baukredit nicht geht, aber man beschäftigt sich lieber mit der Wohnküche oder dem Wellness-Bad. Denn das Vergleichen von Darlehensangeboten kostet Mühe und Zeit.

Foto: BDFEs trieb schon so manchen Bauberater eines Hausanbieters zur Verzweiflung, wenn nach ausgiebiger Planung ein Hausbauprojekt daran scheiterte, dass die Bauherren  sich nicht um eine Finanzierung gekümmert hatten. Zwar umfasst jede Hausplanung auch einen Geld-Check, bei dem festgestellt wird, wie viel Haus sich die Interessenten in etwa leisten können. Doch bis zum Kreditvertrag ist es trotzdem noch ein langer Weg. Deshalb und um ihr Serviceangebot abzurunden, sind einige Hausanbieter dazu übergegangen, auf Wunsch auch die Finanzierung des Hausprojekts zu organisieren.

Eine Dienstleistung, die offensichtlich gut ankommt. „Unser Finanzierungsservice ist eine echte Erfolgsstory“, zieht Peter Liehner, Geschäftsführer der Weberhaus Finanzierungs GmbH, nach fünf Jahren Bilanz. „52 Prozent der Weberhäuser werden inzwischen über uns finanziert.“

Verpflichtet muss sich jedoch niemand fühlen. Detlef Bühmann, Vertriebsleiter bei Schwörer-Haus: „Wir beraten und unterstützen den Bauherrn, aber es steht ihm selbstverständlich frei, mehrere Meinungen und Angebote einzuholen.“ In der Regel lohnt es sich aber für den Bauherrn, auf das Angebot des Hausanbieters zurückzugreifen. „Durch Bündelung der Finanzierungsvolumen erreichen wir sehr gute Konditionen“, erklärt Bühmann. Dank der guten Verbindungen zu den Kreditinstituten „können wir auch manche harte Nuss knacken“. Peter Liehner kann sich nicht vorstellen, „dass der Kunde woanders bessere Konditionen bekommt“, denn der Kreditservice sei neutral. „Die eine Bank ist uns so nah wie die andere“, erklärt der Experte, der es zudem als Kompliment empfindet, wenn Kreditinstitute wie der Versicherer Allianz auf ihn zugehen, um bei Baufinanzierungen mitbieten zu können.

Fördermittel werden berücksichtig
Da fast alle Bauherren staatliche Fördermittel in Anspruch nehmen wollen, bauen die Berater entsprechend KfW- und Riester-Darlehen in die Finanzierung ein. Da sie auf Finanzierungsfragen spezialisiert sind, kennen sie sich auch in den Förderungen durch die Bundesländer aus.
Auch Selbstständige können eine Finanzierung zu attraktiven Konditionen erhalten. Hier kommt es sehr stark auf das Berufsfeld an. „Zahnärzte haben ein besseres Standing als andere Berufe“, nennt Detlef Bühmann ein Beispiel. Peter Liehner erklärt die Voraussetzungen. „Sie müssen drei testierte Jahresabschlüsse mit makellosen Bilanzen vorlegen. Eventuell müssen Selbstständige einen Abschlag bei der Beleihung in Kauf nehmen.“ Auch Vollfinanzierungen sind möglich, sind aber laut Bühmann und Liehner die Ausnahme. Das viel zitierte Lehrer-Ehepaar oder andere Beamte haben hier gute Karten. Wichtig sei eine gute Bonität.

Foto: Bausparkasse Schwäbisch HallEigenleistung realistisch kalkulieren
Das Thema Eigenleistung spielt bei Fertighaus-Herstellern naturgemäß eine große Rolle. Viele Bauherren wollen durch die „Muskelhypothek“ das Eigenkapital aufstocken. Doch mahnen die Experten zu Realitätssinn. „Das muss sauber ermittelt und verantwortungsvoll eingeplant werden“, rät Bühmann. „Bei der Bewertung der Eigenleistung muss unterschieden werden zwischen Material und Leistung“, betont Liehner. „Und es muss genau ermittelt werden: Wer macht was? Der Faktor Zeit muss realistisch kalkuliert werden.“ Am ehesten geeignet seien Fliesen- und Bodenbelagsarbeiten, Spachteln und Tapezieren.
„Es geht nicht darum, Eigenkapital zu ermogeln“, warnt
Liehner, „sonst droht eine Nachfinanzierung, und die ist
teuer.“ Außerdem schade sie dem Image von Kunde,
Bank und Hausbaufirma.

Den Einspareffekt von Eigenleistungen beziffert Bühmann auf rund 10000 Euro, wenn Malerarbeiten, Bodenbeläge oder der Einbau von Sanitäröbjekten geleistet werden. Auch bei den Außenanlagen ließen sich erkleckliche Beträge einsparen. Bei sogenannten „Ausbauhäusern“ können sich die Eigenleistungen laut Bühmann auf bis 30000 Euro summieren.

Für den Bauherren stellt sich natürlich die Frage: Was kostet mich der Finanzierungsservice? „Für den Kunden fallen keine Kosten an“, betont Peter Liehner. „Unsere Berater erhalten bei Abschluss des Darlehensvertrages den üblichen Kick-Back in Höhe von 0,5 bis 0,75 Prozent der Darlehenssumme.“ Auch Detlef Bühmann erklärt: „Gebühren werden von unseren Kunden in der Regel nicht verlangt.“ Ausnahmen könne es geben „bei sehr  umfangreichen Anträgen“, z. B. im Zusammenhang mit der Beantragung von Landesmitteln.

Sowohl Bühmann als auch Liehner legen größten Wert auf die Seriosität des Finanzierungsservices. „Die Finanzierung muss solide aufgebaut sein“, betont Bühmann. „Die Raten müssen auch tatsächlich geleistet werden können.“ Andernfalls, so der Experte, „muss man auch mal nein sagen.“



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