bautipps.de Das Fertighaus- und Massivhaus-Portal
Newsletter

 

Home Office

08.04.2013

Der Arbeitsbereich kann unterschiedlich in das Wohnhaus integriert werden. Das Büro ist hier in einem separaten Anbau untergebracht. Foto: Günther Franc KobielaImmer wieder sorgt das häusliche Arbeitszimmer für Streit. Im Jahr 2010 musste der Gesetzgeber auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichtes einen Rückzieher machen und auch Angestellten wieder die Möglichkeit geben, das Home Office steuerlich geltend zu machen. Voraussetzung, so die Richter, sei, dass „für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht“.

Das betrifft vor allem Außendienstler oder Lehrer, die in der Schule in der Regel keinen Arbeitsplatz haben. Aber auch Arbeitslose oder erziehende Elternteile, die zu Hause lernen, um sich auf auf einen neuen Job vorzubereiten, können von der Regelung profitieren.

In diesen Fällen sind für das Arbeitszimmer Aufwendungen von maximal 1250 Euro jährlich als Werbungskosten abziehbar. Dabei handelt es sich nicht um einen Pauschbetrag, sondern um einen jeweils objektbezogenen Höchstbetrag. Allerdings schauen die Finanzämter sehr genau hin, wer Kosten steuerlich geltend machen will.

Leichter haben es da Selbstständige, die den Hausbau dazu nutzen, um die Ausübung ihres Berufes in die eigenen vier Wände zu verlagern. Sie planen deshalb entsprechende Räumlichkeiten ein, die nach der Baufertigstellung gewerblich genutzt werden.

Die Familie wohnt hier im Erdgeschoss, während sich im Obergeschoss das Architektenbüro befindet. www.aib-architekten.euDieses Modell hat steuerlich gleich mehrere Vorteile, denn die Kosten, die aus der Herstellung und dem Betrieb der Räume entstehen, kann der Steuerpflichtige steuermindernd beim Fiskus geltend machen (Einkommensteuer und Umsatzsteuer).

Entscheidende Voraussetzung: Das häusliche Büro muss „den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung bilden“, wie es der Bundesfinanzhof definiert hat.

Beispiel: Ein Journalist, Arzt oder Architekt, der diesen Schritt geht, kann anteilig die Umsatzsteuer für die neu gebauten  Büro- bzw. Praxisräume geltend machen bzw. sich zurückerstatten lassen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Erstens: Der Selbstständige lässt sich für die Herstellung von Haus und Büro separate Rechnungen von den beteiligten Handwerksbetrieben ausstellen, auf deren Grundlage er dann die Umsatzsteuer beim Fiskus reklamiert.

Zweitens: Der Bauherr ermittelt die Fläche der im Eigenheim gewerblich genutzten Räume und macht aus den Gesamtkosten des Hausbaus anteilig die Umsatzsteuer geltend. Entfallen auf den privat genutzten Teil des Eigenheims 80 Prozent der Fläche und 20 Prozent auf den beruflich genutzten, so kann der Selbstständige aus den Herstellungskosten auch nur 20 Prozent der bezahlten Mehrwertsteuer geltend machen.

Achtung: Die Umsatzsteuer ist nur dann erstattungsfähig, wenn der Freiberufler oder Gewerbetreibende seinen Kunden Mehrwertsteuer berechnet, was bei Ärzten und Versicherungsvertretern beispielsweise nicht der Fall ist. 

Weitere Kosten können sich mindernd auf die Einkommenssteuer auswirken. Dazu gehören Mietzahlungen, Schuldzinsen für Kredite, falls für die Finanzierung der Gewerberäume ein separates Darlehen bei der Bank aufgenommen wurde, sowie die Gebäudeabschreibung in Höhe von zwei Prozent.

Wichtig: Da diese Problematik steuerlich äußerst komplex ist und der gewerblich genutzte Teil des Hauses unter Umständen auch ungewollt zum Betriebsvermögen werden kann, sollte man das Vorhaben im Vorfeld mit dem Steuerberater besprechen, um keine Fehler zu machen.

Nicht jede Berufsgruppe profitiert

Angestellte haben es schwerer, ihr Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen. Zwei Urteile des Bundesfinanzhofes (BFH) unterstreichen, worauf es ankommt. „Für die Berufsgruppen der Hochschullehrer (Urteil vom 27. Oktober 2011 VI R 71/10) und Richter (Urteil vom 8. Dezember 2011 VI R 13/11) bildet das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung mit der Folge, dass sie die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch nach neuem Recht nicht als Werbungskosten abziehen können“, heißt es in einer Presse-Mitteilung des BFH. Im Hinblick auf Richter und Hochschuldozenten kam ein steuerlicher Abzug nach der ersten Variante (wegen fehlenden Arbeitsplatzes) in beiden Streitfällen deshalb nicht in Betracht, „weil beide Kläger einen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Arbeitsplatz nutzen konnten.“

 

Aber auch unter dem zweiten Aspekt (Mittelpunkt der Tätigkeit) blieb den Klägern der Erfolg versagt. „Der BFH hat entschieden, dass der Mittelpunkt der gesamten Betätigung – wie bisher – qualitativ und unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung zu bestimmen ist. Das gilt jedenfalls, wenn der Steuerpflichtige – wie in den Streitfällen – lediglich eine einzige berufliche Tätigkeit ausübt. Danach ist für den Beruf des Hochschullehrers die Vorlesung in der Universität und für den Richter die Ausübung der rechtsprechenden Tätigkeit im Gericht prägend; beide Tätigkeiten können nicht im häuslichen Arbeitszimmer verrichtet werden. Unerheblich ist dagegen, wie viele Stunden der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer zubringt.“