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Viel Wohnwert für wenig Geld

03.11.2016

Finanzierung. Foto: fotolia.de/marcus_hofmann

Foto: fotolia.de/marcus_hofmann

Die Mietpreise galoppieren davon und die Zinsen sind auf niedrigstem Niveau. Da lohnt es sich, über den Bau eines eigenen Heims nachzudenken. „Baugeld ist so günstig wie nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Erst mittel- bis langfristig sind etwas höhere Zinsen zu erwarten“, prognostiziert Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG. Noch etwas günstigere Konditionen bieten die Darlehen der KfW-Bank, die jedoch teilweise besondere Anforderungen an die Energieeffizienz des Gebäudes stellen. Auch die Bundesländer greifen finanzschwachen Bauwilligen mit zinsermäßigten Krediten unter die Arme.

Trotzdem kann es bei wenig Eigenkapital und einem mittleren Einkommen schwierig sein, die Finanzlast zu stemmen. Dann heißt es Baukosten minimieren und klein aber effizient bauen. Ein einfaches Haus, ohne viele Ecken und Kanten ist in mehr­facher Hinsicht preiswert: Zum einen ist Bauland teuer, darum sind Grundstücke in Ballungsgebieten oft klein. Auf Erker, Wintergärten und Gauben sollte man ­jedoch nicht nur verzichten, um den Baukörper kompakt zu gestalten und Grundfläche ­sowie Kosten zu sparen. Sie erhöhen auch die Wärmeverluste und somit die laufenden Betriebskosten.

 Fertighaus von Regnauer.

Wohnen, Essen und Kochen bilden bei diesem Grundriss eine Einheit, gehen fließend ineinander über. So kommt kein Gefühl von Enge auf, selbst wenn die einzelnen Bereiche über wenig Quadratmeter verfügen. Foto: Regnauer

Generell zahlt sich ein niedriger Energieverbrauch auf Dauer aus. Deshalb sollte das Gebäude gut gedämmt sein. Neben den Außenwänden und dem Dach betrifft dies die Außentüren sowie die Fenster, die mit einer Dreifach-Verglasung ausgestattet sein sollten. Übrigens sind Standardmaße preisgünstiger als Sonderformate und bei Festverglasungen spart man sich die Ausgaben für die Beschläge. Nicht zuletzt hilft ein modernes und sparsames Heizsystem, den Energiebedarf niedrig zu halten. 

Bei knappen Finanzmitteln können Bauherren auf die sogenannte Muskel­hypothek setzen. Mit Eigenleistungen lassen sich realistisch betrachtet etwa 10 000 bis 20 000 Euro herausholen. In der Regel rentieren sich vor allem lohnintensive ­Gewerke, die keine hohen Fachkenntnisse erfordern – wie Malerarbeiten und Bodenbeläge. Doch man sollte sich nicht zu viel zumuten, sonst drohen unter Umständen nachträgliche teure Handwerkerkosten. Essenziell ist außerdem ein genauer Zeitplan. Weiterhin sollte vor Baubeginn geklärt werden, wer das ­erforderliche Mate­rial preiswert und rechtzeitig liefern kann. 

Beschränkung auf das ­Wesentliche

Küche und Bad sind unter Umständen richtige Kostenfallen. Hier gilt: während der Bemusterung Disziplin wahren und die Standardausstattung wählen! Wer zur ­Arbeitsplatte aus Granit und den Sanitär­objekten vom Stardesigner greift, gibt schnell 10 000 Euro mehr aus. Bei Fenstern und Türen lässt sich sparen, indem man sich für Standardmaße und möglichst wenig verschiedene Formate entscheidet.

Fertighaus von Talbau.

Auch auf schmalen Grundstücken lässt sich reichlich Wohnfläche für die ganze Familie verwirklichen, wenn der Bebauungsplan zwei Vollgeschosse zulässt. Foto: Talbau

Was das Grundstück angeht, sind die Bodenbeschaffenheit und die Lage entscheidend: Ein felsiger Untergrund, drückendes Wasser oder die Erschließung von Hanggrundstücken sind teuer. Auch die Gestalt des Gebäudes und somit der spätere Energieverbrauch werden vom Standort beeinflusst. Wenn möglich, sollte ein Grundstück gewählt werden, das windgeschützt liegt und auf dem das Gebäude nach der Sonne ausgerichtet werden kann: Treppenhaus, Küche, Sanitär- und Abstellräume Richtung Norden, Wohn-/Ess­bereich und Kinderzimmer nach Süden, wo sie mit großen Fensterflächen viel Licht und Wärme einfangen können. Gegen ­Hitze helfen im Sommer weite Dachüberstände, Balkone, Laubbäume, Rollos und Fensterläden. 

Verzicht auf Keller – eine ­Entscheidung mit Tragweite

Dauerhaft günstig bauen heißt nicht am falschen Ende sparen, sondern grundsätzlich auf Qualität setzen. Nur so umgeht man Nachbesserungen und Bauverzögerungen – die Kostenfallen schlechthin. Lieber erst einmal klein planen und später – falls nötig – nachrüsten. Einzige Ausnahme diesbezüglich ist der Keller. Denn nachträglich Stau- und Wohnraum im ­Untergrund zu schaffen, lässt sich kaum realisieren. Ein Verzicht bedeutet zwar ­Einsparungen von 25 000 bis 40 000 Euro gegenüber einer Bodenplatte, dafür kann man allerdings bei gleicher Grundfläche mehr Wohn-/Nutzfläche erzielen: rund 40 Prozent, wie der Fertigkellerhersteller Knecht errechnet hat.

Sicher ist: Auch auf relativ kleinem Grund lässt sich viel Raum gewinnen. Für ein gutes Wohngefühl sorgen nicht teure Quadratmeter, sondern eine gute Planung. Wichtig ist, ökonomisch zu planen und ­dabei nicht an den falschen Ecken und Räumen zu sparen. Intelligente Grundrisse sind gut strukturiert und bieten dadurch viel Wohnkomfort. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die keine Einschränkung bedeuten. Zum Beispiel die Anordnung von Sanitärräumen, Küche und Technikraum möglichst neben- bzw. übereinander, sodass die Leitungen kurz ausfallen – ein Kostenfaktor nicht nur beim Bau, sondern auch im Wohnalltag, weil dadurch weniger Wärme verloren geht.

Fertighaus von Zimmermeisterhaus.

Dieses Haus öffnet sich nach Süden mit einer großflächigen Verglasung und fängt so im Winter reichlich Sonnenwärme ein. Im Sommer schützt der weite Dachüberstand vor zu viel Hitze. Foto: Zimmermeisterhaus

Das Haus sollte genügend Platz für Gemeinsamkeit wie auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Gut und familiengerecht ist ein Grundriss nämlich, wenn er den Wünschen und Gewohnheiten der Bewohner entspricht, funktional und flexibel gestaltet ist.

Anhand einer Liste lassen sich Prioritäten setzen:

  • 1. Was brauchen wir auf jeden Fall? 
  • 2. Was wäre zusätzlich schön? 
  • 3. Gibt es Dinge, die sich später verwirklichen lassen – wie ein Dachausbau, Balkon oder Carport. 

Dabei auch die Zukunft bedenken: Die Lebenssituation der Bewohner wird sich ändern, diesem Wandel sollte sich das Haus anpassen und aus-, an- und umbaufähig gestaltet sein.

Kompakter Baukörper – ­offener Grundriss­

Ein kompakter Grundriss muss nicht eng sein. Grundsätzlich wirken wenige große Räume großzügiger als viele kleine. Ein ­offener Gemeinschaftsbereich ist kommunikativ und verbraucht weniger Platz, als wenn Wohn-, Esszimmer und Küche voneinander separiert sind. In großen Räumen können bei Bedarf Wände gezogen werden. Andererseits sind mehrere Zimmer mit ähnlicher Größe ­variabel verwendbar, beispielsweise erst für die Kinder, später als Büro. Kinderzimmer dürfen nicht zu klein ausfallen, denn sie sind Aufenthaltsräume und Jugendliche wollen sich zurückziehen können. 

Ungünstig sind ausgedehnte Verkehrsflächen wie lange Flure und große Galerien. Andererseits dürfen die Durchgangsbereiche nicht zu knapp bemessen sein. Vor allem in der Diele wird ausreichend Platz benötigt: für Besucher, Mäntel, ­Schuhe, Taschen und eventuell den Kinderwagen. Ein eingangs­naher Abstellraum macht sich deshalb immer bezahlt.

Fertighaus von Weberhaus.

Ein kompakter Baukörper ohne Erker und Vor­sprünge verbraucht weniger Energie, genauso wie ein Grundriss, bei dem Windfang und Treppenhaus durch Türen abgetrennt sind. Foto: Weberhaus

Bei anderthalb Wohngeschossen bringt ein hoher Kniestock ein Plus an Platz im ­oberen Stockwerk und kostet weniger als ein größeres Erdgeschoss. Beträgt der Kniestock zum Beispiel zwei Meter, gewinnt man ein Drittel an Wohnfläche ohne Schrägen dazu. Wie hoch der Kniestock sein darf oder ob sogar zwei Geschosse ­zulässig sind, steht im Bebauungsplan. Dazu noch ein flach geneigtes Satteldach wählen – das ist günstiger als ein Flachdach. Für ein groß­zügiges Wohngefühl in der oberen Etage sorgen bis in den First reichende Räume. Das eröffnet zudem die Option, mit einer Schlafgalerie weiteres Raumpotenzial zu generieren. Mit einer klugen Planung erhält man also auch für wenig Geld viel Haus.

Infos und Tipps, worauf Sie bei der ­Finanzierung achten sollten, finden Sie unter der Rubrik "Finanzierung".

(aus der Zeitschrift Hausbau 11/12-2016)