Großzügig wohnen auf kleinem Grundstück

Doppelhaus von Talbau-Haus
Foto: Talbau Haus

Bauland wird vielerorts zum größten Kostenpunkt beim Hausbau. Clevere Lösungen, die großzügiges Wohnen auf minimaler Grundstücksfläche ermöglichen, sind daher gefragt!

Bauen ist eine teure Angelegenheit. Und tatsächlich wird es trotz dauerhaft niedrigster Zinsen immer kostspieliger. Der wesentliche Kostentreiber ist der sogenannte Immobilien-Boom. Aufgrund der allgemein niedrigen Zinsen sind Immobilien aller Art ein sehr beliebtes Anlagemodell. Das verknappt das Angebot und führt zu steigenden Preisen. Konventionell gefertigte Wohngebäude wurden laut Statistischem Bundesamt in Deutschland von August 2018 bis August 2019 um 4,1 Prozent teurer. Die höheren Erstellungskosten begründen sich mit höheren Tariflöhnen, gestiegenen Baustoffpreisen und der hohen Auslastung von Handwerkern und Bauunternehmen.

Noch deutlicher sind die Kostensteigerungen laut derselben Quelle beim Bauland sprich den Grundstücken: Vom ersten Quartal 2018 bis zum selben Zeitraum 2019 stiegen die Preise durchschnittlicher um 6,1 Prozent. Künftig ist durchgängig mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.

Grundstück oft größter Kostenpunkt

Die genauen Kosten hängen dabei stark von der Region ab, in der Sie ein Baugrundstück suchen. Und von der konkreten Lage des Baugrundes: Sie reichen von 2 500 Euro pro Quadratmeter in einer guten Münchner Lage bis hin zu 28 Euro pro Quadratmeter im thüringischen Hildburghausen. Dies macht klar: Es gibt in Bezug auf Grundstücke keinen verlässlichen Orientierungswert. Je gefragter die Gegend, desto teurer! Das Ergebnis ist, dass in vielen Ballungsgebieten der Kaufpreis für das Grundstück den größten Einzelposten bei den Gesamtkosten für ein Einfamilienhaus darstellt.

Am Grundstück zu sparen wird somit nicht nur eine Kür für Sparfüchse. Für viele Bauherren gibt das den Ausschlag, ob sie sich überhaupt ein Eigenheim leisten können.

Auf einem kleinen Grundstück zu bauen, heißt aber nicht, auf hohen Wohnkomfort zu verzichten. Mithilfe einer cleveren Planung realisieren Bauherren auch auf wenig Platz individuelle Wohnträume.

Die Bauform eines Hauses ist ausschlaggebend für seinen Platzbedarf. Ein eingeschossiger Bungalow benötigt mehr Fläche als ein mehrgeschossiges Wohnhaus. Bei einem frei stehenden Einfamilienhaus geht viel Platz durch die vorgeschriebenen Grenzabstände verloren. Diese spart man sich beim Bau eines Doppel- oder Reihenhauses.

Platzsparende Haustypen

Auch sogenannte Kettenhäuser, bei denen z.B. Garagen oder andere eingeschossige Anbauten benachbarte Wohnhäuser „verbinden“, ermöglichen eine optimierte Nutzung des vorhandenen Platzes. Diese Bauformen müssen mit den im Bebauungsplan vorgegebenen Parametern übereinstimmen.

Was, und wie viel Sie auf ihrem Grundstück bauen dürfen, ist hier definiert. Der Bebauaungsplan macht z.B. oft Vorgaben für die maximale Traufhöhe, die Dachform und die bebaubare Fläche auf einem Grundstück. Er muss eingehalten werden.

Dachgeschoss oder Keller?

Keller  von Knecht
Zusätzlichen Platz zum Wohnen bietet eine Keller. Foto: Knecht Kellerbau

Eventuell können Sie durch ein zusätzliches Geschoss oder zumindest ein Staffelgeschoss mehr Wohnfläche realisieren. Wo ein Satteldach vorgeschrieben ist, kann mithilfe von Dachflächenfenstern oder Gauben unter der Dachschräge attraktiver Wohnraum entstehen.

Der Bau eines Kellers ist auf kleinen Grundstücken empfehlenswert: Im Untergeschoss gibt es neben der Haustechnik Raum für die nötigen Abstell- und Stauraumflächen. Mithilfe von Lichthöfen zusätzlich für zusätzliche Gäste- oder Schlafzimmer. So bleibt über der Erde mehr Platz fürs Wohnen.

Wer aufgrund eines kleinen Grundstückes nahe an seine Nachbarn heranrückt, der sollte der Platzierung von Fenstern und Türen, Terrassen und Balkonen bei der Planung besondere Aufmerksamkeit widmen. Viele Fenster, die üppig Tageslicht ins Hausinnere führen, sind für eine großzügigere Raumanmutung unerlässlich. Genauso wie für gesundes Wohnen. Sie sollten so in der Fassade platziert werden, dass man sich in seinem Wohnzimmer nicht wie auf dem Präsentierteller fühlt. Bewohner wollen später nicht ständig Gardinen oder Rollos schließen, um ihre Privatsphäre zu schützen.

Dasselbe gilt für Terrassen und Balkone: Je dichter die Bebauung in der Nachbarschaft, desto sorgfältiger sollten Sie den Ort Ihres „Freiluftzimmers“ wählen. Auch wenn das bedeutet, dass die Terrasse nicht direkt ans Wohnzimmer anschließt oder sich optimal nach Süden orientiert. Hier ist Fantasie und Flexibilität gefragt: Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit einer blickgeschützten Dachterrasse für das geliebte Sonnenbad oder man läuft drei Schritte durch den Garten, bis man den lauschigen Platz im Grünen erreicht.

Grundriss gut planen

Eine geschickte Planung des Grundrisses kann kompakten Gebäuden zu einer großzügigeren Wohnatmosphäre verhelfen. Hier ist das Motto: Je weniger Wände, desto großzügiger wirkt der Wohnraum. So empfiehlt es sich z.B. Küche und Esszimmer zu einem Mittelpunkt zusammenzufassen. Eine direkte Verbindung von diesem Raum zur Terrasse ist ideal aber kein Muss. Das Wohnzimmer darf dafür kleiner ausfallen. Das fällt meist gar nicht auf, wenn es sich ohne trennende Wände und Türen an den Essbereich anschließt. Flure und Treppen brauchen in einem Einfamilienhaus keine räumliche Abtrennung. Sorgfältig gestaltet, avancieren Treppen zu einem attraktiven Eyecatcher im Wohnbereich.

Grundsätzlich gilt beim Bauen auf kleinen Grundstücken: Sehr sorgfältig planen – dann gibt es auch auf Mini-Grundstücken ein Maximum an Wohnfläche und -komfort.

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