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Aktiv sparen, passiv wohnen

02.04.2012

Bei einem Passivhaus ist der Heizwärmebedarf so gering, dass auf ein konventionelles Heizsystem verzichtet werden kann. HanseDer Energiestandard eines Gebäudes legt fest, wie hoch der Energiebedarf jährlich pro Quadratmeter Wohnfläche sein darf. Und hier gilt natürlich: Je weniger desto besser. Grundsätzlich darf sich ein Haus Niedrigenergiehaus nennen, wenn sein jährlicher Heizwärmebedarf zwischen 40 und 70 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche liegt. Das entspricht umgerechnet einem jährlichen Heizölverbrauch von sieben Litern pro Quadratmeter. Das sogenannte Drei-Liter-Haus muss – so verrät es schon sein Name – mit drei Litern Heizöl oder umgerechnet 30 kWh pro Quadratmeter Energieverbrauch jährlich auskommen. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Neubau verbraucht jährlich etwa 125 kWh, ein Altbau sogar zwischen 125 und 300 kWh pro Quadratmeter.

Neue Regelungen ab Ende 2020
Die konsequente Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses ist das Passivhaus. Auch dieses bezeichnet einen Baustandard, nicht eine bestimmte Bauweise. Jeder Neubau kann auch als Passivhaus realisiert werden, also als ein Haus, in dem der Heizwärmebedarf so gering ist, dass ohne Komfortverlust auf ein konventionelles Heizsystem verzichtet werden kann. In Deutschland ist dies bei einem jährlichen Heizwärmebedarf unter 15 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche der Fall. Und dieser Maximalverbrauch wird in der Praxis bei vielen Passivhäusern nicht selten sogar noch unterschritten.

Noch besser liest sich freilich die Bilanz des sogenannten Null-Energie-Hauses. Das kommt zwar gänzlich ohne Heizwärme durch einen externen Energieträger aus, doch – wenngleich sein Name dies auch suggeriert – kann auch ein Null-Energie-Haus nicht komplett ohne Energie betrieben werden. Der Restenergiebedarf, z.B. für die Erwärmung von Brauchwasser, wird im Null-Energie-Haus jedoch selbst z.B. über eine Photovoltaikanlage produziert.

Die EU will ab Ende 2020 Neubauten nur noch als Null-Energie-Häuser zulassen. Die dafür nötigen Baumaßnahmen unterscheiden sich beim genauen Hinschauen jedoch nicht von denen, die beim Passivhausbau schon heute getroffen werden. Für die eigene „Herstellung” der noch benötigten Restenergie entscheiden sich viele Passivhaus-Bauherren bereits heute schon: So sind Solarkollektoren zur Erwärmung des Brauchwassers im Passivhausbau nicht selten. Wer also heute schon die EU-Richtlinie von 2020 erfüllen will, tut gut daran, ein Passivhaus zu bauen!

Fünfzehn Prozent Mehrkosten entstehen in der Regel für den Bau eines Passivhauses. Durchschnittlich 80 Prozent weniger Heizenergie dagegen, wird im Passivhaus verbraucht. Im Rahmen des Programms „Energieeffizient bauen” der Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, können Passivhaus-Bauherren bundesweit Finanzierungszuschüsse beantragen und hier die höchstmögliche KfW-Förderung erhalten.

Die Bedienung der Haustechnik im Passivhaus  soll sehr einfach sein. Busch-JaegerWoran liegt es also, dass das Passivhaus nicht schon längst Neubau-Standard ist?
Viele Vorurteile rund ums Passivhaus ranken nach wie vor im blühenden Garten der Bauherren-Fantasie: Dass das Leben im Passivhaus, dem in einer luftdichten Plastiktüte gleiche, dass die Haustechnik zu kompliziert zu bedienen sei, dass es im Passivhaus der automatischen Lüftung wegen ständig „ziehe”, dass das Haus schimmelanfällig sei, weil man die Fenster nicht öffnen dürfe und, und, und...

Wenig Ahnung – viele Vorurteile
Passivhausfachleute und erfahrene Passivhaus-Bewohner widersprechen diesen Aussagen vehement: Sie loben den hohen Wohnkomfort bei geringsten Energiekosten und die einfache Bedienung der Technik, sprechen vom Passivhaus als einem gesunden und „gutmütigen” Haus.

Maßgeblich für dessen einwandfreie Funktion ist das  Zusammenspiel dreier Strategien: Die hochwertige Wärmedämmung der thermischen Außenhülle, die absolute Luftdichtheit des Gebäudes  und die kontrollierte Be- und Entlüftung des Gebäudes mit Wärmerückgewinnung. 

Wie mit einem Thermo-Schlafsack ist ein Passivhaus mit einer besonders dämmenden Hülle umschlossen. Hierdurch entstehen gleichmäßig warme Oberflächen im Raum sowie ein gleichmäßiges Innenklima. Damit sich das eben nicht wie im Innern einer Plastiktüte anfühlt, sorgt die unverzichtbare Komfortlüftung kontinuierlich für frische Zuluft und zwar ohne Zugluft! Ohne Zugluft deshalb, weil die Luftmassen sowohl vom Absaugegerät an der Decke, wie auch vom Zuluftgerät in Bodennähe so langsam bewegt werden, dass der Mensch diese Luftzirkulation gar nicht wahrnimmt.

Höchste Zeit umzudenken!
Überhaupt sei die Bedienung der Haustechnik im Passivhaus in Wahrheit einfacher als im konventionellen Haus, sagen die Nutzer: Einmal vom Techniker eingestellt, übernimmt die Lüftungsanlage den Luftwechsel vollautomatisch. So mancher Passivhausbewohner – vorher Frischluftfanatiker und begeisterter Querlüfter – berichtet sogar davon, nach kurzer Zeit die Gewohnheit zum Fensterlüften schlichtweg vergessen zu haben. Was nicht notwendig ist, wird auch nicht vermisst.

Auch das Hoch- und Runterregeln der Heiztemperatur entfällt, denn gleichmäßig angenehme Raum- und Oberflächengrade stellen sich von selbst ein. Kalte Wandoberflächen und somit Feuchte und mit ihr Schimmel sind im kontrolliert belüfteten Passivhaus nicht existent.

Künftige Bauherren, die sich selbst ein Bild machen und mit Passivhausbewohnern in Kontakt treten wollen, können dies tun: Am 9. bis 11. November 2012 finden bundesweit die „Tage des Passivhauses” statt. Hausbesitzer öffnen ihre Türen und stehen Rede und Antwort zu allen Themen rund ums Passivhaus. Weitere Infos erhalten Sie u.a. bei der Informations-Gemeinschaft Passivhaus unter: www.ig-passivhaus.de