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Alles geregelt?

04.08.2011

Ventilunterteile lasssen sich auch noch viele Jahre später mit passenden, modernen Thermostatköpfen nachrüsten. (Danfoss)Wenn es darum geht, in einem Haushalt die Energiekosten zu senken, wird sehr häufig zunächst an den Stromverbrauch gedacht. Doch der schlägt lediglich mit 17 Prozent zu Buche. Der Löwenanteil mit 83 Prozent geht auf das Konto von Heizung und Warmwasserbereitung. Das heißt um möglichst viel Energie zu sparen, sollte man in unbenutzten Räumen nicht nur das Licht und unnötige Elektrogeräte ausschalten, sondern vor allem auch das Ventil am Heizkörper auf eine niedrigere Stufe drehen oder komplett schließen.

An die Art der Ventile hat der Gesetzgeber in der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) folgende Anforderungen gestellt: „Heizungstechnische Anlagen mit Wasser als Wärmeträger müssen beim Einbau in Gebäude mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raumweisen Regelung der Raumtemperatur ausgestattet werden …“ Diese Anforderung gilt nicht nur für Neubauten, sondern auch für bestehende Gebäude. Fehlt dort eine entsprechende regeltechnische Einrichtung, muss sie der Hauseigentümer nachrüsten lassen. Dies ist keine Schikane des Gesetzgebers, sondern eine sinnvolle Maßnahme, um Energie zu sparen, aber auch um den Wohnkomfort zu erhöhen. Denn wer hält sich schon gerne in einem Zimmer auf, in dem es entweder immer zu warm oder zu kalt ist.

Zweistufige Regelstrategie
Für einen wirtschaftlichen Betrieb der Heizungsanlage soll den Innenräumen jeweils nur so viel Wärme zugeführt werden, wie zur Aufrechterhaltung einer behaglichen Raumtemperatur erforderlich ist. Dazu benötigt man eine Heizungsregelung. Die erste Stufe bei einer zentralen Heizungsanlage ist die sogenannte witterungsgeführte Regelung. Diese erfasst die Außentemperatur mittels eines Außenfühlers, wertet die Daten aus und bestimmt daraus die vom Wärmeerzeuger bereitzustellende Vorlauftemperatur. Hierbei gilt: Je kälter es draußen ist, desto höher ist die Vorlauftemperatur. Allerdings gibt es ein Auslegungsmaximum, das je nach Heizsystem irgendwo zwischen 40 und 80 Grad Celsius liegen kann. Diese Strategie hat den Vorteil, dass nicht unnötig heißes Wasser sinnlos im Haus umgewälzt wird.
Quasi als eine Art zweite Stufe sorgt dann die sogenannte Einzelraumregelung für individuelle, energieeffiziente und zeitgerechte Temperaturniveaus in den einzelnen Räumen. Dazu wird mittels spezieller Ventile der Heizwasserdurchfluss durch die installierten Heizkörper und Flächenheizungen gedrosselt oder erhöht. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Handarbeit erforderlich
Preislich am günstigsten und am weitesten verbreitet sind die an den Heizkörpern installierten Thermostatventile (ab zirka 25 Euro ohne Montage). Diese bestehen zum einen aus dem sogenannten Ventilunterteil (mit Ventileinsatz), das mit Heizkörper und Rohrleitungssystem fest verbunden und vom Heizwasser durchströmt wird. Der zweite Bestandteil ist der abnehmbare Thermostatkopf mit integriertem Fühlerelement und mit einstellbarer Merkzahl- oder Temperatur-Skala (ab zirka 11 Euro). Beim Austausch von Köpfen auf (älteren) Ventilen sollte man beachten, dass es unterschiedliche Anschlussarten gibt (Schnappanschluss, Schraubmutter), die nicht miteinander kompatibel sind.

Mit programmierbaren Heizkörperthermostaten lassen sich Raumtemperatur und Heizzeiten automatisch regeln, was zur Heizkosteneinsparung beiträgt. (Heimeier)Automatisch geht es auch
6 Uhr 30 morgens: Der Wecker klingelt und im Badezimmer ist es schon schön warm. Punkt 8 Uhr verlassen alle das Haus; die Heizkörper im Bad und Wohnbereich verringern automatisch ihre Wärmeabgabe. Um 19 Uhr kommen die Bewohner von der Arbeit zurück: Wohn- und Esszimmer sind bereits angenehm warm. Möglich machen dies programmierbare Thermostatköpfe mit elektrischem Antrieb, die entsprechend den einprogrammierten Daten (Wochentag, Uhrzeit und Temperatur) die Ventile öffnen oder schließen. Der Einbau lohnt sich vor allem in Räumen, die regelmäßig zu bestimmten Zeiten am Tag – und wenn auch nur kurz – genutzt werden. So sorgen sie automatisch und komfortabel sowohl für eine energiesparende Temperaturabsenkung als auch für einen behaglich warmen Raum zur gewünschten Zeit.

Praktisch ist bei manchen Modellen, dass sie automatisch schließen, wenn das Fenster geöffnet wird und kalte Luft in den Raum strömt. Programmierbare Thermostatköpfe eignen sich auch sehr gut zur Nachrüstung: Viele Modelle sind mit handelsüblichen Batterien bestückt und können selbst montiert werden, sofern sie auf das Ventilunterteil passen (beim Hersteller erfragen und eventuell einen Adapter benutzen). Günstige Ausführungen gibt es bereits ab 20 Euro, aufwendigere Modelle mit oft größerem Funktionsumfang starten ab zirka 40 Euro.

Achten Sie beim Kauf unbedingt darauf, dass sich der Kopf möglichst einfach programmieren lässt. Gut zugängliche Bedienelemente sowie ein gut ablesbares Display erhöhen ebenfalls den Komfort beim Einstellen. Praktische Details sind zudem Kindersicherung, Frostschutzfunktion, automatische Sommer-/Winterzeitumschaltung und Urlaubsfunktion. Das Heizkostensparpotenzial pro Raum liegt etwa bei 10 bis 20 Prozent.

Komfortable, intuitiv bedienbare Funk-Einzelraumregelsysteme mit Design-Touchscreen-Bedieneinheit.Vollautomatisch Energie sparen
Wer noch mehr Komfort und Einstellmöglichkeiten wünscht und die Investition von einigen Hundert Euro nicht scheut, der kann sich auch drahtgebundene oder funkgesteuerte Einzelraumregelsysteme einbauen lassen. Dann ist es sehr bequem im Sofa sitzend möglich, an einem zentralen Bediengerät die Zeit- und Temperaturprogramme für mehrere Räume und Heizkörper gleichzeitig einzustellen. Das Bediengerät funkt dann die entsprechenden Daten an die elektronischen Heizkörperregler, die anstelle von Thermostatköpfen montiert werden. Je nach System ist dann eventuell ergänzend zum Raumbediengerät noch ein Raumfühler für den Heizbetrieb notwendig, um im Heizbetrieb die Auf-/Zu-Befehle an die Heizkörperregler zu funken. Verlässt man das Haus oder geht in Urlaub, reicht meist ein Druck, um das Absenkprogramm für alle Heizkörper zu aktivieren.

Diese Einzelraumregelsysteme eignen sich auch sehr gut für den (nachträglichen) Einbau in Flächenheizsysteme. Insbesondere die Funkvariante ist für eine problemlose Nachrüstung ohne Schmutz interessant. Die Umrüstarbeiten beschränken sich dann auf die Heizkreisverteiler, wo die entsprechenden Regelventile eingebaut werden müssen.

Und was bringt das Ganze?

Hersteller dieser Einzelraumregelsysteme geben bei konsequenter Nutzung eine Heizkosteneinsparung von bis zu 30 Prozent an. Dies ist sicherlich dann der Fall, wenn die Bewohner unter der Woche tagsüber eher selten zu Hause sind. Ist sehr häufig jemand im Haus, dann wird mehr und länger geheizt. Dann dürfte das Sparpotenzial eher bei 15 bis 20 Prozent liegen. Wenn man zusätzlich noch von steigenden Energiepreisen ausgeht, müsste sich die Investition in wenigen Jahren rechnen.