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Ein Schornstein rechnet sich

23.11.2011

Der Aufstellungsort  des Kaminofens an der Außenwand wurde durch einen Edelstahl-Außenschornstein möglich.Vorneweg: Natürlich geht es auch ganz ohne Schornstein, wenn es das Heizungssystem im Haus zulässt. Wer nämlich mit einer (elektrisch betriebenen) Wärmepumpe heizt, kann – ganz egal ob die Wärme aus Luft, Wasser oder Erde gewonnen wird – auf ein Abgasrohr verzichten.

Allerdings verzichtet er dann auch auf alle Zusatzfunktionen, die das moderne Schacht-Bauteil heute zu bieten in der Lage ist. Zunächst sollte also sicher geklärt sein, ob neben der zentralen Beheizung des Hauses nicht doch noch irgendwo weitere heiztechnische Wünsche schlummern: Hat nicht auch ein knisterndes offenes Feuer seinen Reiz? Und ist eine zweite Heizquelle für den Notfall nicht eine große Beruhigung?

Wird die Entscheidung schließlich für einen Schornstein gefällt, kommt sogleich die nächste „Gewissensfrage”: Wie viele Züge soll der neue Schornstein haben?

Edelstahl für draußen, Keramik für drinnen
Neben der klassischen Lösung im Haus, gibt es heute auch die Möglichkeit, einen Schornstein in Edelstahl außerhalb zu montieren – in der Regel ein einzügiger Schornstein. Diese universell einsetzbaren Abgasrohre sind – egal, ob sich der Hausbesitzer für den Energieträger Öl, Gas oder einen Festbrennstoff entscheidet – für alle Feuerstätten geeignet.

Noch hochwertiger sind doppelwandige Edelstahl-Abgasführungssysteme mit durchgängiger Wärmedämmung. Da moderne Häuser sehr dicht sind, werden die einzügigen Außenkamine in der Regel als sogenannte LAF-Schornsteinsysteme angeboten. Dieser Luft-Abgas-Festbrennstoff-Zug ermöglicht die raumluftunabhängige Zufuhr der Verbrennungsluft für die Feuerstätte. Diese erfolgt über den Schornsteinkopf zwischen Umhüllung und Rohr. Damit kann dann auch im fast luftdichten Haus zum Beispiel ein Kaminofen problemlos betrieben werden.

Keramische Schornsteine sind für alle Brennstoffe und Feuerstätten, einschließlich kondensierender Festbrennstoff-Feuerstätten geeignet. Der Grund: Hochwertige Keramik ist feuchteunempfindlich, versottungs- und ausbrennsicher, absolut dicht sowie schallabsorbierend. Weder hohe noch niedrige Abgastemperaturen können ihr etwas anhaben. Für Festbrennstoff-Feuerstätten (zum Beispiel Pelletsheizung) wird eine spezielle Wärmedämmung verwendet, die für alle anderen Brennstoffe nicht erforderlich ist.

Zur Erklärung: Keramische Schornsteine können die höchste Anforderungsklasse W 3 für Feuchtunempfindlichkeit und G für Rußbrandbeständigkeit erfüllen. Beim Rußbrand können Temperaturen von über 1000 Grad Celsius auftreten. Edelstahl ist nach dieser Belastung korrosionsanfällig. Deshalb macht es durchaus Sinn, sich selbst bei knappem Geldbeutel für einen Schornstein zu entscheiden, der allen Angriffen der Rauchgase dauerhaft unbeschadet widerstehen kann.

Zwei Züge bringen 
größte Sicherheit
Unabhängige Experten raten zu einem rußbrandbeständigen Schornstein mit einem zweiten Zug für den Kamin- oder Kachelofen, der auch für die Holzheizung geeignet ist. Der Grund: Jedes Einfamilienhaus und jede Wohnung sollte immer – auch wenn die Zentralheizung einmal ausfällt – ausreichend warm sein. Besonders kritisch ist eine Heizungsstörung am Wochenende, wenn kein Handwerker zu erreichen ist. Dabei muss die Ursache eines Anlagenausfalls nicht allein eine Störung des Heizkessels sein. Bereits ein simpler Stromausfall kann zum längerfristigen Aus der Zentralheizung führen.

Hinter dem Ofen (liks)  befindet sich in der Wand der Schornstein<br />
(rechts), der mit zwei Zügen die Abgase von Kaminfeuer und Öl- oder<br />
Gas-Zentralheizung parallel abführen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrzügiger Schornstein
mit Installationsschacht
Der für alle Even tualitäten gerüstete Idealfall ist ein klassischer,  mehrzügiger Schornstein, zumal der Preisunterschied nicht wirklich gravierend ist. Während der erste Schacht die Abgase der Zentralheizung sicher übers Dach nach draußen befördert, hat der Betreiber mit einem zweiten „Rauchfang“ die Option zum Betrieb eines Kamin- oder Kachelofens. Ein weiterer Zug (der sogenannte Installationsschacht) kann jederzeit zur Leitungsführung von Be- und Entlüftungsanlagen, für  Kommunikationsleitungen  oder die Anschlussinstallation einer Solaranlage eingesetzt werden.

Entsprechend der deutschen und europäischen Normung erhalten übrigens alle Schornsteine eine Kennzeichnung, aus der ihre geprüften Eigenschaften und damit die zulässige Verwendung zu entnehmen ist. Metallische Abgasleitungen dürfen demnach innerhalb der EU nur noch mit dem CE-Zeichen verkauft werden. Der Käufer hat damit die Gewissheit, ein geprüftes Bauteil erworben zu haben.

Fazit: Mehrwert durch 
Nutzungsvielfalt 
Natürlich ist und bleibt der Schornstein immer noch vorrangig für den Abtransport beim Heizvorgang entstandener Abgase zuständig. Aber er ist heutzutage eben auch gleichermaßen Installationsschacht für Rohrleitungen der Solaranlage, Kabel und Frischluft. Die Entscheidung für einen Schornstein lässt deshalb dem Hausbesitzer alle Optionen für die Zukunft offen. Ein Verzicht selbst in Passiv- oder Niedrigstenergiehäusern sollte deshalb sehr gut überlegt werden. Außerdem gilt es zu bedenken, dass ein eigenes Haus nicht nur „ein Dach über dem Kopf“, sondern auch eine langfristige Geldanlage zur Alterssicherung ist. Mit Blick auf den Wiederverkaufswert sollte deshalb so geplant werden, dass das Gebäude langfristig seinen Wert erhält. Dazu kann auch die Integration eines Schornsteines gehören!