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Erst mal richtig lüften

21.03.2012

Wer sich mit dem Bau eines energieeffizienten Hauses oder mit einer hochwertigen energetischen Sanierung befasst, sollte im Vorfeld prüfen lassen, ob eine Wohnungslüftungsanlage notwendig ist.Früher war die Raumluft-Welt noch in Ordnung: Innerhalb des Gebäudes fand ein natürlicher und meist auch ausreichender Luftaustausch statt, der sich über Öffnungen wie Fugen, Ritzen und vor allem Fenster und Türen ergab. Allerdings hatte diese Art der Lüftung einen gravierenden Nachteil: Während der Heizperiode entwich unkontrolliert Wärme nach draußen.

Die Häuserhüllen werden immer luftdichter
Die strengen Anforderungen an den Energieverbrauch werden heute in der sogenannten Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt, die sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude betrifft, sofern deren Hüllen umfassend energetisch saniert werden. Für die moderne Bautechnik resultierte aus diesen Bestimmungen, dass die Wohngebäude in den letzten Jahren immer luftdichter wurden.

Für die Bewohner ergibt sich daraus ein Dilemma: Um sich behaglich zu fühlen und um Bauschäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden, sind stündlich zirka 30 Kubikmeter Frischluft pro Person erforderlich. Dazu müssten etwa alle zwei bis drei Stunden die Fenster für einige Minuten geöffnet werden – ein Rhythmus, der im modernen Alltag praktisch nicht (mehr) einzuhalten ist. Und das Dauerlüften mittels gekippter Fenster bedeutet während der Heizperiode Wärmevernichtung pur!

Hinzu kommt, dass die Räume je nach Jahreszeit, Klima- und Windverhältnissen zu wenig, zu viel oder falsch belüftet werden. Reicht zum Beispiel bei kaltem Wetter ein 10-minütiges Lüften aus, um die Raumluft einmal komplett auszuwechseln, reduziert sich die Luftwechselrate bei milderen Temperaturen drastisch. Als wirksame Abhilfemaßnahme erweist sich hier die anlagentechnische, sogenannte kontrollierte Wohnungslüftung. Sie sorgt automatisch und komfortabel für den notwendigen, bedarfsgerechten Luftaustausch in allen Räumen. Auf diese Weise wird die Gesundheit der Bewohner gefördert und die Bausubstanz geschützt.

Ein geeigneter Fachmann, hier SHK-Fachhandwerker erstellt ein Lüftungskonzept und erläutert es den Bauherren. VaillantUnsichtbare Feinde
In jedem Haushalt werden täglich pro Bewohner zirka zwei bis drei Liter Wasser (in Form von Wasserdampf) an die Raumluft abgegeben – durch ganz normale Aktivitäten wie Kochen, Waschen und Atmen sowie durch Zimmerpflanzen. Sofern nicht regelmäßig und ausreichend gelüftet wird, steigt aufgrund der nahezu luftdichten Gebäudehülle die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen beträchtlich an – günstige Voraussetzung für die Bildung von Schimmelpilzen und Milben.

Sie sind eine der Hauptursachen für allergene Reaktionen insbesondere bei Kindern. Häufig treten Niesreiz, Atemnot und Augentränen auf. Die Lebensqualität wird eingeschränkt, die Arbeits- und Leistungsfähigkeit nimmt ab. Laut einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena leiden mittlerweile deutschlandweit mindestens drei Millionen Haushalte unter sichtbarem Schimmelbefall. Doch vor allem die unsichtbaren Sporen des Wohnungsschimmels sind äußerst schädlich für die Gesundheit.

Das Schimmelpilzwachstum wird zudem durch schlecht beheizte Räume begünstigt: Insbesondere an kälteren Stellen der Umgebungsflächen kommt es bei einer hohen Luftfeuchtigkeit im Raum zur Feuchtigkeitsbildung. Kondensiert die Feuchtigkeit aus der Luft, zum Beispiel an Wänden, neben Fenstern oder hinter Schränken, ergibt sich – zusammen mit den gelösten Bestandteilen aus Wandfarbe oder Tapeten – ein optimaler Nährboden für das Schimmelpilzwachstum.

Durch den Einsatz einer kontrollierten, maschinellen Wohnungslüftungsanlage lässt sich aber nicht nur die Luftfeuchtigkeit begrenzen und dem Schimmelpilz so seine Lebensgrundlage entziehen. Es gibt noch weitere Vorteile für das Wohlbefinden der Bewohner. Normalerweise wächst die CO2-Konzentration bei fehlendem Luftaustausch rasch in ungesunde Bereiche an. Hinzu kommen Gerüche sowie Ausdünstungen aus Möbeln und Baumaterialien. Beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte fühlen sich die Bewohner unwohl und können unter Kopfschmerzen, Müdigkeit oder mangelnder Konzentration leiden.

Nur ein modernes Wohnungslüftungssystem ist in der Lage, die Konzentration der auftretenden Schadstoffe automatisch und energieeffizient zu begrenzen. Eine interessante Zusatzausstattung sind übrigens spezielle Pollenfilter, die das Eindringen der Allergene in die Wohnräume auf ein Minimum reduzieren können. Eine enorme Entlastung für alle Allergie sensiblen Menschen, vor allem während der starken Pollenflugphasen.

Um zu überprüfen, ob manuelles Lüften noch möglich ist oder ob ein maschinelles Wohnungslüftungssystem zwingend notwendig ist, fordert die Lüftungsnorm DIN 1946-6 ein sogenanntes Lüftungskon zept. Bei Neubauplanungen und bei umfangreicheren Sanierungen muss ein Fachmann prüfen, ob eine kontrollierte Wohnungslüftung notwendig ist. Zahlreiche Hersteller bieten mittlerweile eine ganze Reihe von preislich gestaffelten, bedarfsgerechten Lüftungssystemen an, die zugluftfrei und lautlos für ausreichend Frischluft sorgen.

Lüftungssysteme helfen Heizenergie zu sparen
Im Vergleich zum herkömmlichen Fensterlüften lässt sich unter Umständen ordentlich Heizenergie einsparen. „Der gesamte Heizenergiebedarf kann bei einem Neubau bis zur Hälfte durch die Lüftungswärmeverluste bestimmt werden“, erklärt hierzu Dr. Lothar Breidenbach, Geschäftsführer Technik beim BDH in Köln. „Diese Verluste können durch den Einsatz einer Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung erheblich reduziert werden – bei einer Reduzierung der benötigten Heizwärme um bis zu 40 Prozent.“ Die KfW-Förderbank unterstützt übrigens den Einbau der maschinellen Lüftungsanlagen durch zinsgünstige Kredite und Fördergelder.

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