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Strom vom Dach

02.05.2012

Die Photovoltaik-Anlage dieses Hauses erzeugt etwa 7600 kWh Solarstrom pro Jahr. (Kyocera)Die dunkelblau oder schwarz schimmernden Photovoltaikmodule sieht man in vielen Regionen Deutschlands immer häufiger auf Neubaudächern. Und bei Plus-Energie-Häusern sind sie sogar unverzichtbarer Bestandteil des Gebäudekonzepts.

Besonders zukunftsweisend sind solche Häuser, wenn der erzeugte Strom nicht komplett in das bei Sonnenschein oft eh schon überlastete öffentliche Stromnetz eingespeist, sondern zu einem Teil selbst verbraucht und gespeichert wird.

Hier entwickeln Forschung und Industrie zunehmend praktikable Lösungen: Intelligente Steuerungs-Systeme für die Haustechnik, die (wo möglich) dann mehr Strom nutzt, wenn er im Überfluss vorhanden ist und leistungsfähigere Batterie-Speicher – zum Beispiel auch in Elektro-Autos, die am Haus betankt werden können.

Wichtig ist es also, die Anlage in ein sinnvolles Gesamtkonzept einzubinden – ein Ansatz, der bei modernen Plus-Enerige-Häusern verfolgt wird. So eingesetzt bieten Photovoltaik-Anlagen zukünftig sogar die Möglichkeit, Verbrauchs- und Angebots-Spitzen im Netz abzumildern, statt sie zu verschärfen.

Welche Solarrenditen kann man erwarten?
Genug Sonne für einen rentablen Betrieb scheint auch in Deutschland. Durchschnittlich gute Solarstromanlagen erreichen, je nach Lage, Jahreserträge von 860 (Nordwest-Deutschland) bis 970 Kilowattstunden (Süddeutschland) pro Kilowatt Leistung – bezogen auf den langjährigen Durchschnitt der Sonneneinstrahlung, der in den letzten Jahren häufig übertroffen wurde.

Solaranlagen müssen genau auf den Standort abgestimmt  sein und unter verschiedenen Bedingungen optimale Erträge liefern. Bei einer festen Ausrichtung der Photovoltaikmodule auf dem Dach gelten in Deutschland ein Neigungswinkel von 30 Grad (aus der Ebene) und die Ausrichtung nach Süden als optimal. Vorteilhaft ist dabei auch, dass der Regen den Schmutz abwäscht und auch der Schnee abrutschen kann.

Doch generell geeignet sind auch Dächer mit einem Neigungswinkel zwischen 20 und 60 Grad, deren Ausrichtung zwischen Südost und Südwest liegt. Die Einbußen zum optimalen Ertrag sind mit bis zirka 10 Prozent nur relativ gering; bei Ost- oder Westausrichtung ist mit etwa 20 Prozent Abschlag zu rechnen.

Ertragseinbußen aufgrund einer von Süden abweichenden Installation können in beiden Fällen über eine Erhöhung der Modulfläche ausgeglichen werden. Ganz wichtig: Eine Verschattung der Module, beispielsweise durch benachbarte Gebäude, durch Antennen, Schornsteine oder Bäume sind unbedingt zu vermeiden. In ungünstigen Fällen drohen sonst Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent. Einen Photovoltaik-Ertragsrechner finden Sie zum Beispiel unter www.solarserver.de.

Den von den Solarmodulen erzeugten Gleichstrom wandelt ein Wechselrichter in netzüblichen Wechselstrom um, der dann im eigenen Haushalt genutzt und ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Die finanzielle Attraktivität der privaten Solarstromerzeugung basiert auf dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), das zur Förderung von umweltfreundlich erzeugtem Strom eingeführt wurde.

Das EEG garantiert dem Anlagenbetreiber die Abnahme seines Solarstroms zu einem festgelegten Vergütungstarif durch die Netzbetreiber (Energieversorger). Die konkrete Höhe der Vergütung hängt ab vom Jahr der Inbetriebnahme der Anlage, dem Installationsort sowie der Größe der Anlage. Wichtig: Der Anfangsfördersatz gilt jeweils für den gesamten Förderzeitraum von 20 Jahren. Je später eine Neuanlage ans Netz geht, desto geringer wird die Vergütung („Degression“).

Auch bei sinkender Förderung/Einspeisevergütung lassen sich mit einer Photovoltaik-Anlage noch profitabel – und vor allem sichere Renditen erwirtschaften. Der vom Bundesverband Solarwirtschaft veröffentlichte Durchschnittspreis einer komplett montierten Aufdachanlage lag im 4. Quartal 2011 bei etwa 2100 Euro/kWp ohne Mehrwertsteuer. Basierend auf diesen Zahlen ergibt sich nach Berechnungen von Stiftung Warentest für ein Einfamilienhaus eine Solarrendite zwischen etwa 4,5 bis 8 Prozent (vor Steuern!) bei jährlichen Stromerträgen von 800 bis 1000 kWh, abhängig von Größe, Standort, Ausrichtung der Anlage und Preis der Module.

Die genannten Renditen lassen sich um etwa ein bis zwei Prozent aufbessern, wenn der Eigenheimbesitzer den erzeugten Solarstrom anteilig auch im eigenen Haushalt verbraucht. Denn auch wenn die sogenannte „Eigenverbrauchsvergütung“ entfällt, gilt: Wer selbst erzeugten Strom nutzt, spart sich den Kauf von teurem Strom aus der Steckdose.

Je höher der Strompreis des regionalen Netzanbieters, desto höher fällt der Spareffekt aus. Theoretisch ist es möglich, 30 bis 50 Prozent des Solarstroms selbst zu nutzen. Wer diese Größenordnung erreicht, wird auch noch von einer Photovoltaik-Anlage profitieren, die erst in den kommenden Jahren ans Netzt geht, zumal die Preise für die Anschaffung auch weiter sinken dürften.

Tipps für Planung, Finanzierung, BetriebBei der Aufdachmontage wird das Solarmodul 5 bis 15 Zentimeter über<br />
 der Dacheindeckung installiert und verdrahtet. (Schott Solar)
Wer das Geld für die Solarstromanlage nicht selbst aufbringen kann oder will, sollte sich unbedingt das Kreditangebot der KfW-Bank im Rahmen des Programms „Erneuerbare Energien – Standard“ anschauen, da es günstige Konditionen bietet. Die Abwicklung übernimmt die jeweilige Hausbank.

Wo Erträge anfallen, ist der Fiskus nicht weit: Jeder Hausbesitzer, der Solarstrom erzeugt und dafür eine (EEG-)Vergütung erhält, ist aus Sicht des Finanzamts ein Unternehmer mit den entsprechenden Rechten und Pflichten. Dazu gehört zum Beispiel, die Einnahmen und Ausgaben zu erfassen. Gewinne aus dem Betrieb einer Solarstromanlage müssen im Rahmen der Jahressteuererklärung beim Finanzamt angegeben und dafür Einkommensteuer aus selbständiger Tätigkeit bezahlt werden.

Photovoltaikanlagen sind ausgereift und werden meist entweder oberhalb des Dachs (Aufdachanlage) installiert oder optisch ansprechend in die Dacheindeckung inte­griert (Indachanlage). Es gibt auch Lösungen für Vordächer, Flachdächer und Carports. Auf einem Einfamilienhaus können die Solarstromanlagen zwanzig, dreißig Jahre oder sogar noch länger zuverlässig arbeiten.

Hilfreich für die Suche sind unter anderem Kundenreferenzen sowie zwei Instrumente zur Qualitätssicherung: Der „RAL Güteschutz Solar“ basiert auf einem Regelwerk, das durch Zertifizierung und stichprobenartiger Kontrolle sicherstellt, dass die Anlage den anerkannten Regeln der Technik und der guten fachlichen Praxis entspricht. Der „Photovoltaik-Anlagenpass“ ist ein Formular, in dem der Installateur die Anlage umfassend dokumentiert (www.photovoltaik-anlagenpass.de).

Erfahrene Installateure achten bei Planung und -montage ebenfalls darauf, dass die aktuellen Brandschutzempfehlungen umgesetzt werden, sodass die Anlage im Notfall spannungsfrei geschaltet werden kann. Damit die Erträge stimmen und die Kalkulation aufgeht, ist eine regelmäßige Kontrolle der Anlage wichtig. Falls einmal ein Fehler auftreten sollte, können unbemerkte Mindererträge viele hundert Euro Ausfall bedeuten und jede Wirtschaftlichkeitsrechnung durchkreuzen.

Bauherren, die eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen wollen, sollten diese langfristige Investitionsentscheidung nie überstürzt treffen und immer auf einen marktgerechten Systempreis achten.

Förderung

 

Seit dem 1.1.2012 wurde bei Gebäudeanlagen unter 30 Kilowattpeak (kWp) Leistung jede ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde (kWh) Solarstrom mit 24,43 Cent vergütet. Nach dem Rekordzuwachs der Photovoltaikleistung im Jahr 2011 hat das Bundeskabinett Ende Februar 2012 beschlossen, die Einspeisevergütungen drastisch zu kürzen. Bereits ab April soll es – rückwirkend (!) nach Einführung des neuen EEG – zum Beispiel für Dachanlagen bis 10 kWp nur noch 19,5 Cent pro kWh ins Netz eingespeisten Solarstrom geben; also satte 20,2 Prozent weniger. Und ab dem 1.5.2012 verringert sich dieser Betrag monatlich um 0,15 Cent. Anlagen bis 10 kW Leistung erhalten ab 1.1.2013 die EEG-Vergütung nur noch für 85 Prozent der im Kalenderjahr erzeugten Strommenge (bei alle anderen Anlagen sind es 90 Prozent). Zeitgleich entfällt die bisherige Eigenverbrauchsvergütung.