10 Tipps zum preiswerten Bauen

Haus von Schwörer
Ausbauhaus "Sonneninselhaus Plan 410.51 von Schwörer Haus.

Die Disziplin

Bei limitierten finanziellen Mitteln für das Eigenheim sollten Baufamilien ihren Mindestplatz- und -komfortbedarf im Zuge der Planung sorgfältig definieren und im Bauprozess nicht mehr davon abweichen. Disziplin ist bei der Umsetzung dieser Wünsche fundamental, um die Baukosten im Griff zu behalten: Was zunächst in Einzelpositionen nach „fast nichts“ aussieht, addiert sich schnell zu erklecklichen Mehrkosten. Das gilt für alle „Extras“, von denen erfahrungsgemäß viele im Bauprozess auftauchen. Wenn bei einem festen Budget ein neuer Wunsch dazukommt, muss an einer anderen Stelle eben gestrichen werden. Es lohnt sich, vor Baubeginn die Planungsphase voll auszunutzen, um passende, preiswerte Alternativen bei Bauweise, Materialien und Ausstattungsgegenständen zu finden und von Beginn an in die Planung zu integrieren. Abweichungen davon während des Bauprozesses sollte man vermeiden: Die kommen Bauherren in der Regel teu(r)er zu stehen!

Der Architekt

Entgegen einem landläufig immer wieder geäußerten Vorurteil kann die Beauftragung eines Architekten sehr wohl helfen, Geld einzusparen. Denn der Architekt erarbeitet nach eingehendem Briefing einen maßgeschneiderten Entwurf für das spezielle Grundstück und die individuellen Anforderungen der Baufamilie. Der Fachmann kann den Bauherrn über Einsparpotenziale informieren und diese entsprechend in der Planung berücksichtigen. Schon bei der Grundstückswahl kann der Architekt beraten.  Es empfiehlt sich, zur Beauftragung über die ausgehandelten Leistungen einen von beiden Seiten unterschriebenen Architektenvertrag zu schließen. Ein Erfolgshonorar kann einen Anreiz darstellen, besondere Sparpotenziale bei den Baukosten zu finden. Den „richtigen“ Architekten finden Sie über Empfehlungen, ähnliche Referenzobjekte oder die  Bundesarchitektenkammer (www.bak.de).

Das Grundstück

Je nach Lage und Ausrichtung kann es die Höhe der Bau- und Unterhaltskosten stark beeinflussen. Hanglage und schwieriger Untergrund verteuern die Gründungsarbeiten. Andererseits kann bei einem Hanghaus die natürliche Dämmung der Außenhülle beim eingegrabenen Teil zur Reduzierung der Heizkosten genutzt werden. Voraussetzung ist eine geschickte Fassadenausrichtung und -öffnung nach Süden. Allgemein sollte aus energetischen Gründen immer eine Orientierung der Hauptwohnräume nach Süden angestrebt werden. In Ballungsräumen, wo Grundstücke knapp und teuer sind, können Bauwillige nach ungewöhnlichen und so eventuell preiswerteren Bauplätzen Ausschau halten wie z.B.  Baulücken oder zur Nachverdichtung geeigneten Hinterhöfen.

Der Baukörper

Eine kompakte Bauform mit möglichst wenig aufwendigen und kostenintensiven Details wie z.B. Erkern ist am wirtschaftlichsten zu realisieren und bestens für eine energieeinsparende Bauweise geeignet. Dasselbe gilt für die Dachform. Pult- und Satteldach kosten erheblich weniger als etwa  ein kompliziertes Krüppelwalmdach.

Die Bauweise

Das in Deutschland typische Stein auf Stein gemauerte Haus ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Mit vorgefertigten, bereits mit Installationen ausgestatteten Gebäudeteilen kann ein Rohbau inklusive Dach bereits in wenigen Tagen erstellt werden, sodass direkt die Ausbauphase beginnen kann. Durch die verkürzte Bauzeit lassen sich erhebliche Kosten sparen – etwa für die Miete der alten Wohnung. Fertigbauweisen gibt es aus Holz, aber auch aus massiven Baustoffen.

Der Grundriss

Eine Kombination von Wohn- und Essbereich mit  integrierter offener Küche ist nicht nur modern, sondern auch günstig. So werden Wände, Türen und Erschließungsflächen eingespart und es entsteht gleichzeitig auch bei weniger Fläche ein großzügiger Raumeindruck. Schlafzimmer müssen nicht üppig dimensioniert sein. Optimal ist es, wenn die Räume im „Individualbereich“ dank guter Proportionen und richtig platzierter Fenster und Türen flexible Nutzungen zulassen. Lange Sichtachsen und schöne Durchblicke lassen auch auf kleinen Grundflächen ein großzügiges Raumgefühl entstehen!

Dachdämmung
Foto: IVPU

Effizient und Nachhaltig

Das Geld, das Sie hier investieren, ist langfristig gut angelegt. Pflicht ist heute bereits eine sehr gute Dämmung der gesamten Haushülle, die zusammen mit einer effizienten Haustechnik für dauerhaft niedrige Energiekosten sorgt. Wer bei der Wahl von Baustoffen und Technik nicht nur auf den Preis schaut, sondern auch auf Nachhaltigkeitsaspekte wie z.B. umweltschonende Erzeugung und Entsorgungsmöglichkeiten sowie gesundheitliche Unbedenklichkeit achtet, hat den Unterschied zwischen „billig“ und „preiswert“ verstanden und trägt damit zum langfristigen Werterhalt seines Hauses bei. Darüber hinaus bietet es sich an, modular zu denken: ist momentan kein Geld für eine Photovoltaikanlage vorhanden, können aber die Installationsleitungen für einen späteren Einbau bereits vorgesehen werden. Das ist kostengünstiger als eine spätere Nachrüstung. Oder Beispiel Fußbodenheizung: Statten Sie Ihr Haus mit einer solchen, energetisch vorteilhaften Flächenheizung aus, ist die spätere Umrüstung von einer – momentan vom Kosten-Nutzenverhältnis nach äußerst günstigen – Gas-Brennwertheizung auf ein rein regeneratives Heizsystem kein Problem.

Der Keller

Bevor etwas vom Haus zu sehen ist, werden oft bereits große Summen im Boden „versenkt“. Wer sparen möchte, sollte sich überlegen, ob wirklich der Bedarf besteht, die gesamte Grundfläche des Hauses unterirdisch als Stauraum und Technikzentrale zu nutzen. Eine Alternative kann z.B. eine Teilunterkellerung sein. Eventuell lässt sich aber auch oberirdisch auf dem Grundstück mit einer erweiterten Garage günstiger Abstellraum schaffen, im Hausinneren im Zusammenhang mit der Haustechnik und sowieso mithilfe von klug angeordneten Einbauschränken. Andererseits: Ein Keller kann nicht nachgerüstet werden und es gibt in Deutschland große regionale Unterschiede, was die Akzeptanz eines nicht unterkellerten Hauses angeht – mit direkter Auswirkung auf den Wiederverkaufswert. Häuser ohne Keller benötigen trotzdem Fundament und Bodenplatte. Die Mehrkosten für einen Keller liegen im Vergleich dazu bei ca. 150 Euro pro Quadratmeter.

Die Eigenleistung

Mit der „Muskelhypothek” kann vor allem in der Ausbauphase viel Geld eingespart werden. Allerdings kommt das nur für handwerklich versierte Bauherren, die dazu die dafür nötige Zeit haben, in Betracht. Bei der Kostenplanung sollten Baufamilien ihr Zeitmanagement und ihre handwerklichen Fertigkeiten realistisch einschätzen. Fußböden verlegen, tapezieren, streichen und die Realisierung von Außenanlagen  sind typische Gewerke für die „Selbsthilfe“. Bei vorhandener Geschicklichkeit sollte die Planung von vorne herein in Materialwahl und Ausführung auf einen hohen Anteil an Eigenleistung abgestimmt werden. Zumindest Wände streichen können wahrscheinlich alle willigen Baufamilien – nach oben ist die Skala offen…

Das Bad

Aufgrund seiner hohen technischen Ausstattung ist das Badezimmer in der Regel einer der teuersten Räume im Haus. Ein Traumbad lässt sich aber auch preiswert realisieren. Dazu tragen geschickte Planung und eine sinnvolle Auswahl guter, aber günstiger Ausstattungsgegenstände bei. Zum Beispiel kann man mithilfe bodengleicher Duschen die Grundfläche optimieren, da Bewegungsflächen mehrfach genutzt werden. Wenn Fliesen nur in den spritzwassergefährdeten Bereichen angebracht werden, ergibt sich ein interessantes Gestaltungselement und gleichzeitig eine Gelegenheit, Kosten zu sparen. Wer im Bad Geld, aber nicht an Komfort und Ästhetik sparen möchte, sollte sich unbedingt von einem Fachmann beraten lassen.

Scroll to Top