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Keine Baupfusch-Panik: Wirksame Lösungen für kleine Neubau-Probleme

25.01.2017

Beim kleinsten Problem sehen sich viele Hausbesitzer schon in der Ruine – die Wirklichkeit ist meist weniger dramatisch. Foto: fotolia.com © celiafoto Wenn im neuen Haus irgendetwas nicht haargenau so funktioniert, wie im Katalog beschrieben, bekommen Hausbesitzer schnell Panik – zu laut klingen im Hinterkopf die Baupfusch-Geschichten, die man im Fernsehen gesehen oder von Bekannten gehört hat. Dabei sind die Probleme meist nicht nur in Eigenregie schnell behoben, sondern haben gar nichts mit „Pfusch“ zu tun, sondern oft nur den normalen Eigenheiten der Technik – die auch bei einem perfekt gebauten Haus auftreten. Der folgende Artikel listet die drei wichtigsten Punkte, die bei praktisch jedem Gebäude vorkommen, dabei Besitzer ziemlich erschrecken und oft zu vorschnellen Beschuldigungen verleiten.

1. Es knackt und knarzt

Ein echtes Phänomen ist gleich der erste Punkt. Denn unter Hausbesitzern, die vorher in alten Mehrfamilienhäusern lebten, gibt es eine hohe Zahl, die in ihrem neuen Haus nächtelang wach liegen und mit spitzen Ohren in die Dunkelheit horchen:

  • Auf dem Dachboden knackt es
  • In den Wänden knirscht es
  • Unerklärliche Geräusche in eigentlich leeren Räumen

Klar, dass einen angesichts solcher Geräusche, gerade wenn sie zu nachtschlafender Zeit auftreten, schnell die Angst packt – Einbrecher, zu dünn dimensionierte Holzbalken die bald brechen, Mauersteine mit Produktionsfehler, die jede Sekunde zerbröseln und das Haus zur Ruine machen. Die Liste der Ängste ließe sich beliebig fortsetzen, sie alle sind jedoch bei einem ordnungsgemäß abgenommenen Haus vollkommen grundlos und leicht erklärt.

a) In einem gemauerten Haus wurden abertausende Liter Wasser beim Mörtel, beim Estrich, sogar beim Fliesenkleber verwendet. Dieses Wasser trocknet nicht binnen weniger Tagen, sondern benötigt oft Wochen und Monate Trocknungszeit. Und wo Wasser verdunstet, bleiben immer mikroskopische Hohlräume, die sich setzen – daher das Wandknirschen.

b) Bauholz wird in rauen Mengen benötigt. So viel, dass die optimalen Trocknungszeiten manchmal nicht eingehalten werden können – oder das Holz auch zu trocken ist. Hier passiert das Gleiche wie bei den Wänden – der Feuchtigkeitsgehalt des Holzes passt sich dem der Umgebung an. Dadurch „arbeitet“ das Holz und knarzt. Daran werden sich Hausbewohner gewöhnen müssen – denn Holz als lebender Baustoff wird nie ganz mit dem Arbeiten aufhören, wenngleich das laute Knarzen nach einigen Wochen vorbei ist und man nur noch mit gelegentlichem Knacken, insbesondere bei Wetterumschwüngen, rechnen muss.

Holzteile werden über die gesamten Lebensdauer des Hauses knarzen – allein schon durch wetterbedingte Temperaturwechsel, die für Ausdehnung bzw. Zusammenziehen sorgen. Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek

c) Ein gemauertes Einfamilienhaus wiegt gut und gerne seine 200 bis 300 Tonnen an aufeinandergestapelten Teilen. Dieses Gewicht drückt dank der Erdanziehungskraft nach unten. Zwar „sitzt“ alles, sobald es eingebaut wird, das bedeutet aber nicht, dass sich durch das Gewicht nicht noch Veränderungen im hundertstel-Millimeter-Bereich abspielen würden. Jedes Haus muss „sich setzen“. Das kann so weit gehen, dass sich sogar Risse im Putz zeigen – die jedoch ebenfalls in der Regel kein Problem sind, denn Setzbewegungen sind völlig normal und ebenfalls nach einigen Monaten beendet.

2. Die Heizung gluckert & rumpelt

Wenn die brandneue Heizung nicht richtig warm wird, ist in den allermeisten Fällen nur ganz lapidar die Luft daran schuld. Foto: fotolia.com © musalukic

Der erste Winter, man stellt die Heizung auf die gewünschte Temperatur – nur um festzustellen, dass (natürlich wieder nachts) das Haus nur so gluckert oder manche Heizkörper gar nicht richtig warm werden. War der erste Punkt dieses Artikels noch voller Tatsachen, die Neu-Hausbesitzer schicksalsergeben hinnehmen müssen, so handelt es sich bei diesem Punkt um eine Do it yourself Lösung, für die kein Heizungsbauer bemüht werden muss.

Schäden an Pumpe und Co. können zunächst ausgeschlossen werden – schließlich wurde die Heizungsanlage ja erst kürzlich von einem Fachbetrieb installiert. Der Grund für gluckernde Rohre und kalte Heizkörper ist viel profaner. Denn dort, wo normalerweise heißes Wasser kreist, befindet sich oft eine dicke Luftblase. Das liegt daran, dass kein Heizungssystem 1000prozentig dicht ist – schon durch das Befüllen gelangt im Wasser gelöste Luft ins System. Und auch dadurch, dass sich die erwärmenden Rohre ausdehnen, vergrößert sich das Volumen – wird von Luft gefüllt und sorgt für die Geräusche und mangelnde Erwärmung. 

Das Entlüftungsventil befindet sich am Heizkörper immer auf der dem Thermostat entgegengesetzten Seite und immer oben. Foto: fotolia.com © André Reichardt

Entlüften behebt meist sämtliche Probleme binnen einer Stunde – und ist spielend in Eigenregie zu erledigen:

  1. An der Heizungsanlage hängt ein Vierkantschlüssel. Dieser und eine Schüssel (bewährt haben sich auch alte Kaffeetassen) werden benötigt.
  2. Nun wird die Umwälzpumpe der Heizung ausgeschaltet (Betriebsanleitung), alle Heizkörper voll aufgedreht und eine Stunde gewartet. Während dieser Zeit steigt die Luft im Heizungskreislauf nach oben. 
  3. Beginnend mit den höchstgelegenen Räumen wird nun an jedem Heizkörper das Entlüftungsventil bei darunter gehaltener Schüssel eine Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn aufgedreht. Das zu vernehmende Zischen ist die austretende Luft. Erst wenn ein ununterbrochener Wasserstrahl kommt, das Ventil wieder schließen.
  4. Wurden alle Heizköper entlüftet, am Druckmanometer prüfen, ob der Füllstand noch ausreicht. Falls nicht, Wasser im System nachfüllen. Anschließend die Umwälzpumpe wieder einschalten und die Thermostate an den Heizköpern neu justieren.

Diese Arbeit wird alljährlich fällig. Und selbst wenn die Heizung keine Geräusche von sich gibt, lohnt sich regelmäßiges Entlüften dennoch, weil jeder Kubikzentimeter Luft die Anlage weniger effizient macht und somit Geld kostet.

3. Luftfeuchtigkeit & Schimmel

Mörtel – eine Mixtur aus Zement, Sand und viel Wasser. Und weil das verdunset, herrscht in jedem Rohbau eine hohe Luftfeuchtigkeit. Foto: fotolia.com © Monkey Business

Für viele Bauherren ist es ein typisches Szenario. Im Frühjahr wird mit dem Bau des Massivhauses begonnen und im Dezember eingezogen – man will ja stolz das erste Weihnachtsfest im eigenen Zuhause begehen können. Man übergeht oder bemerkt auch nicht, dass die Luftfeuchtigkeit in allen Räumen verdächtig hoch ist, wischt das Kondenswasser an den Fensterscheiben ab. Und wenn sich dann im Januar an manchen Hauswänden Schimmelspuren zeigen, bekommt man Panik. Man ruft den Bauträger an, wirft ihm Pfusch vor und lässt sich natürlich auch über die Regierung aus, die einen „zu dieser luftdichten Dämmung“ gezwungen hat, die dafür sorgt, dass das Haus „nicht atmen kann“. Der Grund für einen feuchten Neubau ist jedoch in den meisten Fällen weder Pfusch, noch die Dämmung, sondern eine schlichte Tatsache, die bereits unter Punkt 1 ihre Erwähnung fand – nämlich Bauwasser.

Noch bis vor wenigen Jahren war es unüblich, dass in der beginnenden Frostperiode gebaut wurde. Das wurde erst durch Entwicklung neuer Baustoffe möglich. Das jedoch sorgt heute dafür, dass die Bauarbeiten auch dann fortgesetzt werden, wenn es zu kalt ist für eine anständige Trocknung des Hauses – auch bei modernen Baumaterialien werden immer noch besagte Wassermengen benötigt. Das hat zur Folge, dass die Luftfeuchtigkeit im Hausinneren schnell über das Entstehungsniveau für Schimmelpilzsporen von 70% steigert. Die Lösungen sind umfangreich, erfordern aber vom ersten Tag an Konsequenz.

  • Die mit Abstand beste Variante wäre es, für den Hausbau mehr Zeit anzuberaumen. Also nicht im Winter einziehen, sondern erst im Frühjahr mit einer echten Rohbaupause dazwischen, wie es früher gang und gäbe war. Das gibt dem verarbeiteten Wasser die Zeit, optimal zu verdunsten.
  • Sofern das nicht möglich ist, sollten Architekt bzw. Bauträger auf die Möglichkeiten einer Bautrocknung hin angesprochen werden. Dabei wird der Bau durch große Gebläse wie mit einem Haarfön „trockengeblasen“. Allerdings braucht auch das seine Zeit und ist sehr energieintensiv.
  • Zusätzlich muss konsequent darauf geachtet werden, dass alle Räume optimal beheizt sind – kalte Räume (auch der Keller) darf es in einem Neubau nicht geben. Denn überall dort, wo Luftfeuchtigkeit auf kalte Oberflächen trifft, kondensiert sie, sorgt für feuchte Wände und den idealen Nährboden für Schimmel. 
  • Mehrmals täglich muss in allen Räumen stoßgelüftet werden, damit die feuchte Luft zügig nach draußen befördert wird. Dabei die Fenster ganz öffnen und nicht nur kippen.
  • Bei Abwesenheit (Stichwort Smart Home) die Heizung nicht gänzlich herunterfahren, sondern am besten auf normaler Temperatur weiterlaufen lassen. 
  • Keine zusätzliche Feuchtigkeit durch Wäschetrocknen usw. ins Haus einbringen. Kochen nur bei geschlossener Küchentür und anschließendem Stoßlüften.
  • Schränke und andere Möbel zwei, drei Zentimeter von der Wand wegziehen. Das sorgt dahinter für einen Luftstrom und verhindert, dass sich feuchte Luft stauen kann.

Bei konsequenter Einhaltung all dieser Punkte wird es selbst in einem sehr feuchten Neubau unmöglich, dass Schimmel einen Nährboden findet. Und erst, wenn die Maßnahmen keine spürbare Verbesserung bringen, sollte der Bauträger informiert werden. Damit das aber nicht zu einer „Aussage gegen Aussage“-Situation wird, bei der man dem Hausbesitzer vorwirft, er habe falsch gelüftet und/oder geheizt, sollte dieser sich gleich beim Einzug einen sogenannten Datenlogger zulegen. Dieser ermittelt digital nicht nur die Luftfeuchtigkeit und ist somit ein präzises Werkzeug zur Erfolgskontrolle, sondern zeigt durch Temperaturaufzeichnung auch, wie oft und lange gelüftet wurde – damit hat der Hausbesitzer im Fall der Fälle die Beweise auf seiner Seite und kann generell die Wirksamkeit seiner Maßnahmen permanent überwachen.

Hygroskopisch optimal wäre es, einen fensterlosen Rohbau über den Winter austrocknen zu lasssen und erst im Frühjahr einzuziehen. Foto: fotolia.com © Fotolyse

Übrigens: Eine Dämmung hat entgegen der landläufigen Meinung keinerlei negative Auswirkungen auf die Luftfeuchte- bzw. Schimmelsituation. Erstens machen die Dämmplatten ein Haus nicht luftdicht – denn das ist a) in einem normalen Gebäude technisch nicht möglich und b) würde es sonst in ungedämmten Altbauten fürchterlich ziehen, was es nicht tut. Und zweitens sorgt gerade erst die Dämmung dafür, dass Schimmel keinen Nährboden findet. Denn durch die außenliegende Dämmung bleiben die Innenseiten der Wände wärmer – und je wärmer eine Oberfläche, desto geringer ist das Risiko, dass darauf Luftfeuchtigkeit kondensiert. Wer das nicht glaubt, vergleiche eine Getränkeflasche auf Raumtemperatur mit einer, die frisch aus dem Kühlschrank kommt.

Fazit

Der vielleicht wichtigste Spruch, den man als Neubaubesitzer auf den Lippen tragen sollte, ist „keine Panik auf der Titanic“. Denn ein Neubau wurde nicht nur von Fachleuten erbaut, sondern auch von Experten begutachtet und abgenommen. Das Risiko für Pfusch ist also schon deshalb sehr gering. Und man sollte sich auch nicht von medialen Horrorgeschichten verrückt machen lassen – natürlich gibt es auch echten Baupfusch. Boulevardsendungen und Co, die darüber breit berichten, leben jedoch auch in diesem Fall von einem übersteigerten Sensationsmoment. Die allermeisten „Probleme“ eines Neubaus gehören ganz einfach dazu – und können samt und sonders vom Besitzer nur durch richtiges Verhalten vermieden werden. 

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