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Nachhaltiges Bauen

27.07.2017

Nachhaltiges Bauen ist sinnvoll – aber komplex. Damit Sie als Bauherr sich nicht selbst den Kopf zerbrechen müssen, gibt es anerkannte Zertifizierungssysteme, mithilfe derer Sie Ihr Bauvorhaben bewerten lassen können. Das wird sogar gefördert!

Nachhaltiges Bauen - Fotolia
Foto: Romolo Tavani, fotolia.de

Genau genommen sollte jedes Haus nachhaltig sein: gesund, und möglichst umweltfreudlich, langlebig und wartungsarm dazu noch attraktiv und bezahlbar. Leider sieht die Realität etwas anders aus: Viele Bauherren machen Kompromisse – und leider nicht selten zu Lasten der Umwelt und somit nachfolgender Generationen, die sich eines Tages mit Alt-Immobilien auseinandersetzen müssen, die einen sehr hohen und teuren Sanierungsbedarf haben und damit im Wert verlieren. Das ist vor allem für Hausbesitzer interessant, deren Immobilie keine 1 A-Lage hat.

Nachhaltig gebaute Häuser sollen diese Risiken vermeiden. Ihre Bau- und Wohnqualität ist für den Bewohner sowie für den eventuellen späteren Verkauf sauber dokumentiert. Doch was heißt nachhaltig bauen konkret? Ist es teurer als „normales“ Bauen? Und vor allem was kostet eine Zertifizierung?

Forsa-Umfrage zum nachhaltigen Bauen

Darum nachhaltiges Bauen

Nachhaltiges Bauen heißt, den Blick des Bauherren auf sein Projekt zu weiten: von der momentanen Planung, über den Bau bis zum Einzug und der Zahlung der anfallenden Baukosten weit hinaus, nämlich über den gesamten Nutzungszyklus seines Hauses, bis hin zu dessen Entsorgung. Für die transparente Prüfung und Dokumentation der Nachhaltigkeit eines Gebäudes gibt es inzwischen seriöse Zertifizierungssysteme (in Deutschland BNK und DGNB), die Gebäude anhand von klaren Kriterien bewerten.

Logo BNK: Bewertungssystem Nachhaltiger kleinwohnhausbau
Der Zertifizierungsprozess ist sehr umfangreich: die DGNB bewertet kleine Wohngebäude mit bis zu 6 Wohneinheiten, zu denen auch Ein- und Zweifamilienhäuser gehören, auf Basis von 28 unterschiedlichen Kriterien. Beim BNK sind es 19. diese beziehen sich nicht nur auf die Erstellung eines Hauses, sondern über dessen gesamten Lebenszyklus, für den eine Dauer von 50 Jahren veranschlagt wird.

Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen

Neben den bereits beschriebenen, für die Bewertung wichtigen ökologischen Aspekten eines Hauses, die maßgeblich durch die Auswahl eines umweltfreundlichen Haustechnikkonzeptes und ökologischen Baumaterialien beeinflusst werden können, sind besonders die weiteren Bewertungskategorien interessant. Sie verhelfen den Zertifizierungs-Systemen zu einem ganzheitlichen Ansatz – der letztlich das Prädikat nachhaltig begründet.

Nachhaltiges Bauen im Fertighausbau

Haushersteller, die die Wichtigkeit des nachhaltigen Bauens erkannt haben, allen voran einer von Deutschlands größten Fertighausherstellern, Okal, haben sich daher darum bemüht, für ihre Häuser zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eine Serienzertifizierung zu entwickeln. Als erster Hersteller bietet Okal seit 2015 alle seine maler- und schlüsselfertigen Häuser wie zum Beispiel das Musterhaus Bad Vilbel mit einem DGNB-Gold-Zertifikat an. Dem Vorbild folgten weitere Marken, wie zum Beispiel Massa, Allkauf, Huf Haus und Hanse Haus. Die Nachhaltigkeitsprüfung der DGNB bezieht sich dabei immer auf einen Haustyp, der nach der zertifizierten Baubeschreibung des Herstellers errichtet wurde. Vorteil für den Bauherren: Er bekommt ein nachhaltiges Haus ohne eine teure Einzelzertifizierung bezahlen zu müssen.

Zertifizierungssysteme

Beide Systeme betrachten Gebäude auch in Bezug auf soziokulturelle, funktionale und ökonomische Qualitäten sowie Prozessqualität – bei der DGNB kommen noch technische Aspekte sowie die Standortqualität hinzu. Unter dem Stichwort soziokulturelle Qualität werden z.B. die Eigenschaften des Hauses bewertet, die auf den ersten Blick schwer in Zahlen zu fassen sind: Das Wohlbefinden des Bewohners. Aber auch Wohngesundheit und Barrienefreiheit sind wichtige Kriterien. Darüber hinaus werden die Prozesse bei der Planung und der Bauausführung untersucht.

Die Bewertung wird durch speziell ausgebildete Fachleute vorgenommen, sogenannte Auditoren, die anhand des jeweiligen Systemschemas das Gebäude untersuchen und die Ergebnisse dokumentieren. Der Bauherr erhält neben dem Zertifikat eine ausführliche Hausakte, in der die  Bewertungsergebnisse ausführlich aufgeführt werden. Das vereinfacht z.B. spätere Umbauten oder Reparaturen deutlich, verbessert die Chancen beim Verkauf oder der Vermietung des Hauses.

Zertifizierungskosten

Die Zertifizierungskosten setzen sich aus den Zertifizierungsgebühren (bei der DGNB von 750 bis 2 250 Euro) und dem projektabhängigen Honorar für den Auditor zusammen. Für die BNK-Zertifizierung muss man mit ca. ein bis zwei Prozent der Baukosten rechnen. 50 Prozent davon kann man mit einem Zuschuss der KfW finanzieren.

Höhere Baukosten müssen aber nicht entstehen: Die Erfahrung vieler namhafter Fertig- und Massivhaushersteller haben gezeigt, dass bereits Häuser, die nach ihren herkömmlichen Baubeschreibungen, gebaut wurden, sehr gute Werte bei der Zertifizierung erreichen können. Im Idealfall werden durch die Untersuchung sogar Sparpotenziale aufgedeckt.

(aus der Zeitschrift: bauen 6/7-2017)

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