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Plus-Energie-Haus

11.12.2014

Die Weichen sind gestellt. Nachdem die neue Energieeinspar-Verordnung in Kraft ist, werden ab 2016 die energetischen Anforderungen an neue Häuser um weitere 25 Prozent verschärft. Haushersteller und Bauindustrie sind längst darauf eingestellt. Schon jetzt gibt es Häuser, die die aktuellen und künftigen Mindestanforderungen übererfüllen.

Lange Zeit galten die Standards des KfW-Effizienzhauses 40 oder 55 sowie das Passivhaus als das Nonplusultra. Das Hauptaugenmerk lag auf der Energieeinsparung durch hoch gedämmte, dichte Gebäudehüllen und Deckung des Restwärmebedarfs möglichst durch regenerative Energiequellen. Inzwischen setzt das „Plus-Energie-Haus“ den Trend, oft auch „Aktivhaus“ oder „Effizienzhaus Plus“ bezeichnet. Dieser Haustyp soll nicht mehr eine negative, sondern positive Energiebilanz aufweisen.

Mehr Energie erzeugen als man verbraucht

Die Idee: Die Anlagentechnik produziert – übers Jahr gerechnet – mehr Energie, als die Bewohner für das tägliche Leben in ihrem Zuhause benötigen. Dichte Gebäudehüllen, besonders effiziente Haushaltsgeräte, LED-Beleuchtung, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und eine intelligente Steuerung reduzieren dabei einerseits den Energiebedarf auf ein Minimum. Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, seltener auch Windkraftanlagen auf dem eigenen Dach produzieren die dann noch benötigte Energie in Form von Strom und Wärme. Kombiniert mit entsprechenden Speichern wird diese regenerative, selbst erzeugte Energie zwischengelagert, um sie in sonnenarmen Zeiten zu nutzen.

Viele Haushersteller sind bei der Umsetzung dieses Konzepts ganz vorne mit dabei. Bereits in der Ausstellung „Fertighauswelt“ in Köln-Frechen waren bei der Eröffnung im Jahr 2011 zum Großteil Plus-Energie-Häuser zu besichtigen. In der neuen Musterhausausstellung in Wuppertal gehen die Hausanbieter noch einen Schritt weiter: Die 20 Musterhäuser verfügen über zentrale Energiespeicher für Wärme sowie Strom und sind über Datenleitungen und Messinstrumente miteinander vernetzt. So sollen die Energieströme optimal verteilt werden, um die Energieeffizienz aller angeschlossenen Häuser insgesamt zu steigern.

Die Bilanz des Monitoring in Köln-Frechen fiel bisher positiv aus. Christian Baumann, Leiter Vertrieb und Marketing von Bien-Zenker, führt das Ergebnis in erster Linie auf gute Planung zurück. „Wir erreichen die energetischen Ziele bei unserem Musterhaus Concept-M auf Basis realistischer Nutzungsszenarien“, betont er. Die Frage, ob Bauherren nicht Bedenken haben, dass die ganze Haustechnik den Alltag dominiert, verneint Baumann.

„Man muss das für Bewohner leicht benutzbar machen“, erklärt er. Die intelligente Steuerung mit leicht verständlicher Bedienoberfläche erleichtere diese Aufgabe. „Über den ,Hausmanager‘ werden die Vorgänge und Verbräuche transparent, das ist im Zeitalter von Tablet-PCs und Smartphones kein Problem.

Auch mit massiven Bauweisen lassen sich Plus-Energie-Häuser errichten. Foto: Schlagmann/PortonMehrkosten zahlen sich aus

Nach Baumanns Ansicht führt am Plus-Energie-Standard kein Weg mehr vorbei. Häuser, die lediglich die gültige Energieeinsparverordnung (EnEV) einhielten, „baut heute niemand mehr.

Etwa 50 Prozent unserer Kunden bauen ein KfW-Effizienzhaus 70, der Rest verteilt sich auf KfW-Effizienzhäuser 55 oder sogar 40“. Die KfW-Effizienzhäuser unterbieten die Anforderungen der EnEV um 30, 45 und 60 Prozent.

Die Mehrkosten eines Plus-Energie-Hauses zu einem KfW-Effizienzhaus 70 beziffert Baumann auf 30000 bis 35000 Euro.

Nach seiner Ansicht ist das eine Investition, die sich aufgrund der ständig steigenden Energiepreise in jedem Fall lohnt. „Jeder Kunde, der so ein Haus baut, wird uns in ein paar Jahren dankbar sein. Ich empfehle immer, nach Plus-Energie-Standard zu bauen, wenn das Geld reicht. Wenn nicht, dann sollte man so bauen, dass man später nachrüsten kann.“

Förder-Infos

KfW-Darlehen und Zuschüsse

  • Das Programm 153 „Energieeffizient bauen“ fördert Bauherren mit günstigen Zinsen und z.T. mit Zuschüssen. Pro Wohneinheit gibt es maximal 50000 Euro. Bauherren, die ein KfW-Effizienzhaus 55 bauen, erhalten – bei Bestätigung des Energiestandards durch einen Sachverständigen – fünf Prozent der Kreditsumme (maximal 2 500 Euro) erlassen (Tilgungszuschuss), bei einem KfW-Effizienzhaus 40 oder einem Plus-Energie-Haus sind es zehn Prozent der Kreditsumme (maximal 5 000 Euro). 10-jährige Zinsbindungen sind ab 1,50% Sollzins (1,51% Effektivzins) zu haben.
  • Das Programm 274 „Erneuerbare Energien – Standard – Photovoltaik“ fördert den Kauf und die Montage von neuen Photovoltaik-Anlagen. Die Höhe des Zinssatzes richtet sich nach der Bonität des Kunden. Wer sich für zehn Jahre Zinsbindung entscheidet, ist ab 1,90% Sollzins (1,91% Effektivzins) dabei. Das Besondere an diesem Programm: Auch 20 Jahre Zinsbindung lassen sich vereinbaren (ab 2,90% Soll/2,93 Eff.).
  • Mit dem Programm 275 „Erneuerbare Energien – Speicher“ fördert die KfW die Anschaffung von Solarstromspeichern in Kombination mit der Installation einer PV-Anlage. Auch eine Speichernachrüstung wird unterstützt, sofern die PV-Anlage nach 31.12.2012 in Betrieb ging. 10 Jahren Zinsbindung ab 1,80% (1,81% eff.) für 20 Jahre ab 2,15% (2,17% eff.). Besonders interessant wird dieses Programm für Bauherren durch den Tilgungszuschuss aus Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMU) in Höhe von 30 Prozent der Anschaffungskosten für den Speicher.

Weitere Infos unter www.kfw.de

Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 20.08.2014

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