Wohngesunde Häuser

Gesund wohnen
Foto: Baufritz

Oft ist eine ökologische Bauweise auch baubiologisch sehr zuträglich, sie muss es jedoch nicht sein. Natürliche, umweltfreundlich hergestellte und verarbeitete Baustoffe schonen in der Regel Mensch und Natur, doch nicht jeder organische Stoff ist auch für jeden Menschen gleichermaßen „gesund“ – man denke nur an Allergien. Und auch wenn eher natürliche, unverfälschte Materialien unbedenklich anmuten, können auch „künstliche“ Materialien wohngesund sein – solange diese schadstoffgeprüft sind und nur sehr wenige Schadstoffe abgeben. Messerscharf voneinander zu trennen sind Bauökologie und -biologie also nicht, tatsächlich überschneiden sie sich in ihren Ansprüchen und stehen zum Teil in Wechselwirkung zueinander.

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Grundsätzlich kann man zusammenfassen: Die Bauökologie bezieht sich vordergründig auf einen schonenden Umgang mit der Umwelt, fragt, wo ein Produkt herkommt, wie weit es transportiert wird, wie verarbeitet, entsorgt und recycelt. Die Baubiologie verfolgt hingegen das Ziel, dem Menschen eine langfristig wohngesund gebaute Umgebung zu ermöglichen – hier geht es um eine verträgliche Verbindung aus Mensch, Material und Umwelt, der Fokus liegt klar auf den gesundheitlichen Auswirkungen für den Menschen.

Mensch, Material und Umwelt

Verbrachten unsere Vorfahren gerade mal 20 Prozent ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen, sind es bei uns heute bis zu 80 Prozent – man kann also ohne Übertreibung von unserer Wohnumgebung als „unserer dritten Haut“ sprechen. Demnach bezeichnet auch das Institut für Baubiologie und Ökologie (IBN) die Baubiologie als „Lehre von den ganzheitlichen Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Wohn-Umwelt“.

Und diese Umgebung sollte unserer Natur, unseren Bedürfnissen und unserem Wohlergehen entsprechen. Denn anders als noch vor wenigen Jahrzehnten weiß man heute, dass unser Lebensumfeld großen Einfluss auf unser Befinden, also sowohl auf unsere physische wie auch psychische Gesundheit hat. Durch die jeweilige Baustoff- und Materialwahl sowie die eingesetzte Technik und Gestaltung beeinflusst unsere Wohnumgebung unser Wohlergehen maßgeblich, kann je nachdem, wie sehr sie der menschlichen Natur entspricht, Gesundheit und Vitalität stören oder fördern.

Das IBN hat hierzu insgesamt 25 Bedingungen zusammengefasst. Hierunter fallen das Raumklima (geringe Neubaufeuchte, optimale Raumlufttemperaturen, Strahlungswärme, Luftwechsel), Umwelt und Energie (Minimierung des Energieverbrauchs) sowie die Raumgestaltung (Ergonomie, Licht und Beleuchtung, harmonische Proportionen) sowie die Wahl des Bauplatzes: Er sollte naturverbunden, abseits von Lärm- und Emissionsquellen liegen. Auch eine energiesparende Haustechnik ist Teil von Bauökologie und -biologie: Heizung, Solar- und Photovoltaikanlage sowie kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Letztere sorgt für regelmäßigen Luftaustausch und trägt so maßgeblich zum Wohlbefinden der Bewohner bei – gerade bei Allergien, weil frische Luft ins Haus kommt, ohne dass Pollen ins Hausinnere gelangen. Fußbodenheizungen und ergänzend auch Kaminöfen bieten angenehme Strahlungswärme.

Außerdem wirkt sich eine offene, helle Gestaltung, die viel Tageslicht ins Hausinnere lässt, sowie eine individuelle, auf die jeweiligen Bauleute abgestimmte Grundriss-Lösung positiv auf das Befinden der Bewohner aus. Ausschlaggebend für das Wohlergehen sind im Hausinneren auch die thermische Behaglichkeit, Elektrosmogabschirmung, gute Belichtung und bautechnische Aspekte wie die Schalldämmung sowie die Raumluftqualität.

Gesunde Raumluft ist das A und O

Sauerstoffreich, geruchsneutral und schadstoffarm sollte die Raumluft sein, um gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Augenbrennen oder allergische Reaktionen wie Heuschnupfen und Asthma zu vermeiden. Die verwendeten Baustoffe haben einen erheblichen Einfluss auf die Qualität der Raumluft – Wandkonstruktion, Innenausbau, Möblierung, Kleber, Dichtstoffe, Farben usw. müssen daher auf ihr Emissionsverhalten und ihre gesundheitlichen Auswirkungen überprüft werden.

Schadstoffarten und –quellen können allerdings ganz unterschiedlich sein: Es gibt biologische, mikrobielle Faktoren (Pilze, Bakterien, Milben), chemische Faktoren (Formaldehyd, Fasern, Holzschutzmittel, Insektizide, VOC und SVOC) sowie physikalische Faktoren (Radioaktivität, Lärm, hochfrequente Strahlung).

Das ist auch den Anbietern schlüsselfertiger Häuser bekannt. So verpflichtet beispielsweise die Satzung der Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF) zu umwelt- und gesundheitsverträglichen baulichen Lösungen, deren Einhaltung anhand regelmäßiger Prüfung einzelner Häuser, alle zwei Jahre im Werk, kontrolliert wird. Einige Hersteller gehen sogar noch weiter. Sie setzen neben der Verwendung geprüfter Baustoffe auf eine Qualitätsmessung der Raumluft und gehen bis hin zur Prüfung jedes einzelnen fertig gebauten und ausgestatteten Hauses – wie z.B. Schwörer-Haus.

So garantieren sie, dass sämtliche auf die Raumqualität Einfluss nehmenden Faktoren inklusive Trockenbau und Einbauten berücksichtigt werden. Sämtliche Wechsel- und Gesamtwirkungen von Materialien sind so garantiert einbezogen. Hierfür stehen Labels wie z.B. der „SHI-Gesundheitspass“ des Sentinel Haus Institut oder „TÜV – schadstoffgeprüft“, das vom TÜV Rheinland vergeben wird und einmal jährlich erneuert werden muss. Denn regelmäßige Prüfungen unabhängiger Institute, dessen Dokumentation und Na
chvollziehbarkeit gewährleisten höchste Qualität – und ermöglichen, bei einem so umfangreichen Objekt wie dem Hausbau, das wiederum aus einer Vielzahl von Produkten besteht, dass man im Falle von gesundheitlichen Beschwerden deren Ursache auf den Grund gehen kann.

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