bautipps.de Das Fertighaus- und Massivhaus-Portal
Newsletter

 

Keller am Hang

03.04.2018

Mit einem Keller lässt sich das Baufenster optimal nutzen, denn er erschließt zusätzliches Raumpotenzial. Bei Hanglage oder mithilfe einer Abböschung gewinnt man dabei sogar vollwertigen Wohnraum.

Keller Abdichtung

Eine „Weiße Wanne“ ist Garant für einen trocke­nen Keller. Dabei stellt wasserdichter Beton sicher, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann. Foto: Bürkle Fertigkeller

Bauland ist knapp und die Grundstücke werden immer kleiner. Da macht sich eine effektive Ausnutzung des Baugrunds bezahlt. Es lohnt sich daher, in den Untergrund zu ­gehen und einen Keller zu errichten. Weiterer Pluspunkt: Weil es sich dabei um kein Vollgeschoss handelt, fließt es nicht in die Berechnung der aus der Grundstücksgröße ermittelten Geschossflächenzahl ein. Bei sehr kleinen Bauplätzen könnte diese die genehmigungsfähige Wohnfläche limitieren.

Nur als Ort für die Technik, Vorräte, Winter­klamotten, Trödel etc. ist das Untergeschoss viel zu schade. Ein Gästezimmer, eine Einliegerwohnung, ein Hobbyraum oder Wellnessbereich sind nur einige Beispiele, welch hochwertiger Wohnraum dort entstehen kann. Ein abgeschlossenes Apartment kann zudem einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung des Hauses leisten. Bauherren, die ein KfW-Effizienzhaus bauen wollen, erhalten dadurch die Chance mehr Fördermittel abzugreifen. So können sie für jede Wohn­einheit einen zinsvergünstigten Kredit von 100 000 Euro mit ­einer Zinsbindung bis zu 20 Jahren beantragen. Weiterhin gibt es bis zu 15 000 Euro Tilgungs­zuschuss. Bei Vermietung profitieren die Eigen­tümer außerdem von zusätzlichen Einnahmen. 

 

Mit Hang zum Keller

Eine Hanglage bietet ideale Voraussetzungen dafür, um die tiefer gelegene Wohnebene zu erschließen. Auf der Talseite ragt dieser Bereich schon über die Erde, sodass reichlich Fassadenfläche für Fenster zur Verfügung steht. Der rückwärtige, erdberührte Bereich kann dann für Lagerzwecke und die Technik dienen. Aber auch auf ebenen Grund­stücken können durch Ab­böschen Bereiche geschaffen werden, die mit ­genügend Fensteröffnungen versehen werden können. Was genug ist, regelt das Baurecht. „Das Rohbaumaß der Fenster muss mindestens ein Zehntel der Grundfläche des Raumes betragen“, fordert beispielsweise die ­Landesbauordnung in Baden-Württemberg, die zudem Vorgaben bezüglich der Raumhöhe macht: Mindestens 2,30 Meter müssen es sein (in NRW ein Achtel der Grundfläche und 2,40 Meter Raumhöhe). Selbst die Höhe, bis zu der das Gelände über Fußbodenniveau anstehen darf, wird ­geregelt (z. B. 80 Zentimeter in NRW). Für ein bewohnbares Untergeschoss sollte die lichte Rohbauhöhe etwa 2,50 Meter betragen, sodass sich nach Einbau des Estrichs eine Raumhöhe von rund 2,30 Meter ergibt.

Keller am Hang

Die Wandelemente für den Fertigkeller werden im Werk vorgefertigt. Der Aufbau vor Ort dauert dann nur noch ein paar Stunden. Foto: kellerbau.info, Glatthaar

 

Mehr Dämmung für Behaglichkeit

Die Dämmung muss ebenfalls ­höheren Normen genügen, nicht nur weil es die Energie­einsparverordnung verlangt, sondern weil nur so der Komfort sichergestellt wird und bei offener Bauweise Keller- und darüberliegenden Stockwerke eine energetische Einheit bilden. Im Neubau lassen sich diese Dinge von vorne herein planen oder für den späteren Ausbau vorsehen. Ein nachträglicher Kellerbau ist kostspielig, wenn nicht gar unmöglich. 

Wer sich die Option für einen späteren Kellerausbau offenhalten möchte, sollte deshalb einen guten Dämmstandard und ausreichend große Fenster wählen und die Installationen für Strom entsprechend ausführen. Auch der Anschluss an das Heizungssystem darf nicht vergessen werden. Und dieses muss für den Zuwachs an Heizbedarf ausgelegt sein. Wenn Sanitärbereiche vorgesehen sind, müssen außerdem Leitungen für das Wasser/Abwasser verlegt werden. Liegt dabei das öffentliche Kanalnetz so hoch, dass kein natür­liches Gefälle besteht, erfordert dies den Einbau einer Hebeanlage, die das Abwasser über die Rückstauebene pumpt.

 

Immer schön trocken bleiben

Trockene Verhältnisse sind eine weitere wich­tige Voraussetzung für eine uneingeschränkte Nutzbarkeit. Dafür müssen die Außenwände und die Bodenplatte dicht halten. Um dies zu erreichen, gibt es zwei Methoden: Zum einen mithilfe ­einer außen­ liegenden Abdichtung, beispielsweise ­eine Bitumendickbeschichtung, die unterhalb der ­außen liegenden Dämmung angebracht wird. Die zweite Möglichkeit ist eine ­„Weiße Wanne“, die aus wasserundurchlässigem (WU-)Beton besteht. Hier müssen ledig­lich die Boden-Wand-Fuge sowie die Wandstöße mit einer Fugen­abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit ­geschützt werden. In beiden Fällen wird die Bodenplatte mit WU-Beton vor Ort gegossen.

Der ­Fertigkeller ist der perfekte Partner für das ­Fertighaus. Wie bei diesem werden die Wände im Werk witterungsunabhängig vorgefertigt und auf der vor Ort bereits erstellten Bodenplatte in kurzer Zeit zusammengefügt. Bei erfahrenen Herstellern klappt die Zusammenarbeit mit dem Hausbau­unternehmen reibungslos, sodass Haus und Keller später ­perfekt aufeinanderpassen – nicht zuletzt dank der computergesteuerten und damit millimetergenauen Produktion.

Keller Licht und Luft

Abböschungen können ganz unterschiedlich ­gestaltet werden. Bei Wohnraumnutzung darf das ­Geländeniveau an der ­Außenwand nicht zu hoch über dem Fußboden liegen. Foto: kellerbau.info, Knecht

Es gibt noch weitere Gründe, die für das „Fertigprodukt“ sprechen: Große Wandscheiben bedeuten ­weniger Fugen, sodass sich die Wasserdichtheit leicht herstellen lässt. Alle Leitungsdurchführungen werden bereits im Werk integriert, sodass der Ausbau später schnell vorangeht. Attraktiv ist nicht zuletzt der bei Vertragsabschluss feststehende Preis, denn er garantiert Planungs­sicherheit. Die Kosten für das Untergeschoss werden unter anderem beeinflusst vom Baugrund, der Grundwassersituation, seiner Größe und dem Nutzungswunsch. Als Richtschnur ist laut Güte­gemeinschaft Fertigkeller für einen 80 Quadratmeter großer Fertigkeller inklusive Erd­aushub ­etwa 30 000 Euro zu rechnen. In der Aus- und Mitbauvariante können handwerklich Begabte um die 5 000 bis 12 000 ­Euro sparen. ­Allerdings müssen die Bauherren dafür Gewerke wie beispielsweise die Dämmung der erdberührten Außenwände, die Innentreppe, Bodenplatte und den Fenstereinbau selbst übernehmen. 

Bei einem stark ­geneigten Grundstück kostet der Keller oft nicht viel mehr als eine Bodenplatte Denn für diese muss durch Anfüllen oder Abgraben eine waagrechte Fläche ­geschaffen werden – ein hoher Aufwand, der entsprechend zu Buche schlägt. Es rechnet sich ­also in vielerlei Hinsicht, sich für zusätzlichen Wohnraum im Untergrund zu entscheiden.

(aus der Zeitschrift Hausbau 3/4-2018)



+
x