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Unter Dach und Fach

07.05.2018

Das Dach gestaltet, beschützt und stellt Wohnraum zur Verfügung. Dabei bestimmen Konstruktion, Eindeckung und Form seine wesentlichen Eigenschaften, wie wir in diesem Beitrag erläutern.

Haus und Dach mit Aluminium verkleidet. Foto: Prefa

Dach und unteres Gebäudeteil sind bei diesem modernen Entwurf aus einem Guss. Dazu trägt auch das einheitliche Verkleidungsmaterial aus  Aluminium bei. Foto: www.prefa.com

Ein geneigtes Dach ist ideal an unser Klima angepasst. Ihr Gefälle sorgt dafür, das selbst starker Regen schnell abläuft, sodass keine Gefahr besteht, dass Wasser eindringt. Auch Schneelasten erweisen sich zumindest ab einer gewissen Dachneigung als wenig problematisch. Die Aufgabe, dicht zu halten, kommt zuvorderst der äußersten Schicht zu. Favoriten bei der Erfüllung dieser Aufgabe sind tönerne Dachziegel und Betondachsteine. Dabei stehen verschiedene Formen, Farben und bei Tonziegeln engobierte und glasierte Oberflächen zur Auswahl.
Ein elegantes, langlebiges, aber auch relativ teures Material ist Schiefer. Das liegt nicht nur an der aufwendigen Gewinnung im Steinbruch, sondern am Verarbeitungsprozess und der Verlegung, die mehr Zeit und Expertise benötigen.

Schiefer als EIndeckungsmaterial fürs Dach. Foto: Rathscheck

Schiefer ist ein sehr edles Eindeckungsmaterial, mit dem sich auch moderne Entwürfe und Dachlandschaften problemlos realisieren lassen. Foto: www.rathscheck.de

Dafür erhält man eine dauerhafte Dachhaut, die mit ihrer ungewöhnlichen Optik Blicke auf sich zieht. Unterschiedliche Deckungsarten und ein Farbspektrum von grau über rötliche Töne bis bläulich und grünlich eröffnen einen breiten Gestaltungsspielraum. Metalldächer aus Aluminium, Zink oder Edelstahl sind sehr beständig, pflegeleicht und wahre Leicht-gewichte. Wichtig ist es deshalb, auf eine sturm-sichere Befestigung zu achten. Das Ein-deckungsmaterial zählt nicht unbedingt zu den kostengünstigen – je nach Ausführungsart. Diese reicht von großflächigen Trapez- und Stehfalz-blechen bis hin zu kleinteiligen ziegelähn-lichen Formaten, die zudem in unterschied-lichen Farben angeboten werden.

Gestaltungsfaktor Dach

Die Dachform hat einen wesentlichen Anteil am „Gesicht“ eines Hauses. Am verbreitetsten ist das Satteldach. Es ist zeitlos und hat sich architektonisch wie funktionell bewährt. Je größer sein Neigungswinkel und der Kniestock desto mehr Platz für Wohnraum steht zur Verfügung. Außerdem bieten die Giebeln Flächen für senkrechte Fenster. Das Pultdach besteht aus nur einer Dachfläche oder aber aus verschiedenen, höhenversetzten Flächen. So lässt sich die Fassade auf der Sonnenseite über alle Geschosse optimal öffnen. Bei -gegenläufigen Pultdächer kann ein Fensterband zusätzliches Licht ins Obergeschoss bringen.
Das Walmdach ist typisch für windumtoste -Gebiete wie die Küsten und Gebirgslagen. Da es nach allen vier Seiten mit Dachflächen abschließt und die Giebel fehlen, gewährt es besten Wetterschutz. Allerdings verkleinert sich durch das Plus an Schräge die nutzbare Fläche im Innenraum. Das Krüppelwalmdach stellt eine Kombination aus den Eigenschaften von Sattel- und Walmdach dar. Hier sind nur die Giebelspitzen geneigt und ihre Traufhöhe hochgesetzt. Das erhöht die Schutzfunktion des Dachs bei gleichzeitig guter Nutzbarkeit der obersten Etage. 

Haus mit Zeltdach. Foto: Fingerhaus

Zeltdächer finden sich häufig bei villenartigen Entwürfe. Sie ergeben sich fast automatisch aus quadratischen Grundrissen und wirken sehr harmonisch. Foto: www.fingerhaus.de

Das Mansarddach entwickelte sich aus funktionellen, weniger aus gestalterischen Aspekten. Es besitzt einen Giebel und ein- oder mehrfach geknickte Dachflächen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln. Dabei sind die unteren Bereiche steiler als die oberen, sodass im Obergeschoss mehr Stellareal entsteht. Zeltdächer bilden den Abschluss für quadratische Grundrisse. Mit ihrer symmetrischen Form sind sie prädestiniert für -Villenentwürfe. Liegt ihr Treppenhaus in der Mitte, kann eine Lichtkuppel Sonne bis tief ins Zentrum des Hauses holen.

Grundsatzfrage: Sparren oder Pfetten

Neben der Dachform hat die Art des Dachstuhls einen großen Einfluss auf die Nutzbarkeit der obersten Wohnebene. Im Einfamilienhausbereich lassen sich grundsätzlich zwei Arten unterscheiden: das Sparren- und das Pfettendach. Bei ersterem liegen die tragenden Dachbalken, die sogenannten Sparren, unmittelbar auf der Außenwand auf und sind an ihrem obersten Punkt, dem First, direkt miteinander verbunden. Das Dreieck, das sie dabei mit der obersten Geschossdecke bilden, nimmt sämtliche Lasten auf und leitet sie auf die Außenwände ab. Der Vorteil: Es sind keine senkrechten Stützen notwendig, sodass der Innenraum völlig frei gestaltet werden kann und bei -einem maisonetteartigen Ausbau kein Pfeiler, keine Wand das Flair von offener Weitläufigkeit stört.
Doch das Sparrendach hat auch seine konstruktiven Einschränkungen. Es eignet sich nur für Spannweiten bis ca. zehn Meter und Dach-neigungen über 30 Grad. Außerdem ist die Größe von Öffnungen wie Dachfenster oder Gauben -limitiert, da höchstens eine Sparre dadurch unterbrochen werden darf. Eine Sonderform, das Kehlbalkendach, kann diese Nachteile teilweise kompensieren. Eine zusätzliche waagrechte Balkenlage sorgt für zusätzliche Stabilität und ermöglicht größere Spannweiten und ein höheres Dach. Der Spitzboden, der dadurch entsteht, kann als Stauraum dienen oder zur Galerie ausgebaut werden.
Das Pfettendach umgeht diese Restriktionen durch mindestens drei waagrechten Balken, den Pfetten, von denen zwei längs der Traufe auf den -Außenwänden aufliegen und einer den First entlangläuft. Falls statisch notwendig kann zwischen Traufe und First eine weitere Pfette angeordnet werden. Die Pfetten müssen mittels senkrechter Pfosten abgestützt werden, die entweder durch Wände kaschiert werden oder frei zutage treten. Vorteile: Es müssen nicht zwangsweise - jeweils zwei gegenüberliegende Sparren mit-einander verbunden sein, sodass größere Dachöffnungen problemlos realisierbar sind. Außerdem erlaubt das Pfettendach größere Spannweiten, flachere Dach-neigungen und weitere Dachüberstände als das Sparrendach.

Das Dach als Sonnenfänger

Photovoltaikanlagen prägen heute das Bild vieler Dachlandschaften. Als gestalterische Bereicherung kann man die häufig aufgeständerten oder Aufdach montierten Anlagen oft nicht bezeichnen. Mit geschickt in die Dach-fläche eingefügten Systemen lassen sich optisch ansprechendere -Lösungen erzielen. Dafür haben verschiedene Hersteller spezielle Befestigungssysteme und Photovoltaikelemente entwickelt, die eine naht-lose Integration in die Dachhaut ermöglichen.

Haus mit Photovoltaik gedecktem Dach. Foto: Ennogie

Die komplette Dachseite wurde bei diesem Haus mit Photovoltaik­elementen versehen. So entsteht ein harmonisches  Gesamtbild. www.ennogie.com

Zudem erspart man sich dabei die Eindeckung für diese Bereiche und minimiert die Windbelastung. Wichtige Voraussetzung für einen ordentlichen Ertrag: die Ausrichtung der Dachflächen nach Südost, Süd oder Südwest und eine Dachneigung von mindestens 25 Grad.    

(aus der Zeitschrift Hausbau 5/6-2018)


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