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Wohnen unter der Erde

08.07.2014

Keller ja oder nein? Diese Frage stellen sich viele Bauherren. So mancher ist wegen der auf den ersten Blick hohen Zusatzkosten von etwa 40 000 Euro vom Bau eines Kellers abgeschreckt. Zu bedenken ist aber: Ein etwa gleich großes Stockwerk über der Erde ist deutlich teurer. Und: Der Verzicht auf einen Keller ist eine endgültige Entscheidung. Steht das Haus, ist ein nachträglicher Kellerbau unmöglich.

Bei einem Bauplatz in Hanglage ist zu einem Keller zu raten: der Aufwand und die Kosten für das Anfüllen der Bodenplatte sind relativ hoch, die Kosten für einen Keller im Verhältnis dazu gering. Während ein gemauerter Keller vergleichsweise viel Aufbauzeit in Anspruch nimmt, ist der Fertigkeller nach wenigen Tagen bei nahezu jeder Witterung aufgebaut. Insbesondere in den Wintermonaten ist dieser Umstand ein Segen für den Bauablauf.

Keine Angriffspunkte für Feuchtigkeit
Nicht nur die schnellere Bauzeit ist ein Argument für ein Untergeschoss aus Einzelelementen: Da die Fugen bei den mit hoher Pass- und Maßgenauigkeit gefertigten Betonteilen auf ein Minimum reduziert werden, kann Feuchtigkeit nicht von außen eindringen. Wasserundurchlässiger Beton (WU-Beton) verstärkt den Nässeschutz der Fertigelemente weiter.

Damit sämtliche Anschlüsse und Schnittstellen ineinander übergreifen, werden auf der Baustelle die zweischaligen Bauelemente mit Ortbeton vergossen. Die Wandelemente werden werkseitig mit einer Kerndämmung oder einer integrierten, weitgehend kompletten Außendämmung ausgestattet. Leerrohre und Vorinstallationen werden ebenfalls vorab in die Wände eingelassen. Keller können als Lagerräume oder als Aufstellungsort für die Haus- und Heiztechnik genutzt werden. Teure Grundstückspreise sprechen aber (mit) dafür, den Keller bewohnbar zu machen.

Abhängig vom Grundstück muss ein Keller gegen Bodenfeuchtigkeit (Bild 1), stauendes Wasser (Bild 2) oder drückendes Wasser (Bild 3) abgedichtet sein. (Bürkle)

Ausbau zum Wohnkeller: Was ist zu beachten?
Soll der Keller als Wohnraum dienen, müssen baurechtliche Vorschriften, wie beispielsweise mindestens 2,20 Meter Raumhöhe, erfüllt werden. Diese Höhe muss nach Estrichverlegung, Bodenbelag und abgehängter Decke übrig bleiben. Wärme- und Tauwasserschutz, kombiniert mit einer Abdichtung, sind weitere Voraussetzungen für den Wohnkeller.

Große Fenster sind in den Landesbauordnungen vorgeschrieben: Mindestens zehn Prozent der Kellergrundfläche müssen auf die Fenster entfallen. Häuser in Hanglage haben den Vorteil, dass ihre Front auf der Talseite aus der Erde herausragt und so viel natürliches Licht durch Fenster und Eingangstüren nach innen gelangt. Bei einem ebenerdigen Grundstück bietet sich die Möglichkeit, einen Hochkeller zu bauen. Ein solches Kellermodell ragt etwa einen Meter aus dem Boden heraus. Durch diesen architektonischen Kniff können im Untergeschoss herkömmliche Fenster verbaut werden.

Wer seinen Keller wohnlich nutzt, erweitert seinen Lebensraum um bis zu 35 Prozent. Voraussetzung ist allerdings ein ausreichender Wärmeschutz. (XPS)Weiterer Pluspunkt: Die Kosten für Aushub, Erdabfuhr und Deponie verringern sich. Allerdings muss der Bebauungsplan einen Hochkeller erlauben. Ist dies nicht der Fall, können die Bauherren auf diversen Wegen Licht ins Untergeschoss bringen. Entsprechender Platz vorausgesetzt, lassen sich Lichthöfe ausbaggern. Lichtschächte und Fensterbänder sind weitere Möglichkeiten für Helligkeit in den unterirdischen Räumen.

Möbel in warmen Tönen werten dunkle Räume genauso auf wie helle Farbtöne für Wand und Boden: Weiß, Beige oder Gelb und helle Blautöne haben zudem die Eigenschaft, Räume großzügiger wirken zu lassen.

Auch im Untergeschoss sind unterschiedliche Heizsysteme denkbar 
Ergänzt um eine geschickt geplante Innenbeleuchtung ist auch bei ungünstigeren Raumverhältnissen von Kellerambiente nichts mehr zu spüren. Beheizt wird der Wohnkeller entweder über herkömmliche Heizkörper, manche Kellerhersteller bieten allerdings auch komplett vorgefertigte Boden-, Wand-, oder Deckenelemente mit integrierten Heiz- und Kühlsystemen, ähnlich einer Fußbodenheizung. Diese Heizsysteme werden mit dem Heizkonzept des „Rest“-Hauses abgestimmt.



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