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Wohnkeller oder Nutzkeller?

27.04.2017

Ein Keller lohnt sich, egal ob zum Wohnen oder als Lager- und Stauraum. Allerdings sollte man sich frühzeitig überlegen, welche Nutzung gewünscht ist, denn nachträgliche Änderungen sind aufwendig oder sogar unmöglich!

Foto: Glatthaar

Nutz- oder Wohnkeller – das ist die Frage, die schon frühzeitig in der Planung entschieden werden sollte, da die beiden Formen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Ausführung stellen. Angesichts knappen Baugrunds und hoher Quadratmeterpreise macht es natürlich Sinn, in die Tiefe zu gehen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig. Traditionell wird das Souterrain gerne als Lagerfläche, Waschküche sowie für Heizung und Technik vorgesehen, denn früher kam angesichts fehlender Dämmung eine andere Verwendung kaum infrage. Mit moderner Bautechnik erweitert sich das Spektrum jedoch erheblich, und so kann im Untergrund auch wertvoller Wohnraum entstehen beispielsweise für ein Gästezimmer, einen Partyraum oder ein Fitness-/Wellnessareal. Familienmitglieder können sich geräuschintensiven Hobbys, wie zum Beispiel Schlagzeug spielen, widmen, ohne die anderen zu stören.

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Grafik: Bürkle

Nutzkeller

Wohnkeller/Hobbykeller

  • Kostengünstiger:  keine Dämmung notwendig, Fenster sind verzichtbar, niedrigere Raumhöhe möglich, keine Anbindung an Heizung nötig
  • weniger Vorschriften durch Landesbauordnungen
  • zählt nicht zur Bruttogeschossfläche
  • effiziente Nutzung von teurem Baugrund
  • bauliche Voraussetzungen: gedämmt, trocken, beheizbar, Mindestraum­höhe, natürliches Licht
  • Finanzierungsvorteile durch ­Förderung und Vermietung

 

Einliegerwohnung leistet Finanzierungsbeitrag

In einer kompletten Keller-Einliegerwohnung finden groß gewordene Kinder ein erstes eigenes Domizil oder betagte Eltern können aufgenommen werden, ohne ihre Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. So oder so – die räumliche Entzerrung tut dem harmonischen Familienleben gut.

Und der Einlieger kann auch einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung des Hauses leisten. Zum einen durch den erweiterten Zugriff auf Fördermittel, zum anderen bei Vermietung an Fremde durch die Einnahmen. Eine interessante Erkenntnis liefert auch die Firma Knecht mit heuer 50 Jahren Kellerbau-Erfahrung: Sie rechnet vor, dass man bei gleichem Budet für ein unterkellertes Haus gegenüber einem Haus auf Bodenplatte nur wenig Wohnfläche verliert, aber sehr viel Nutzfläche dazugewinnt. Im Beispiel ist das in Summe ein Flächenplus von 25 Prozent.

Für eine Wohnnutzung legen die Landesbauordnungen fest, welche Kriterien das Untergeschoss erfüllen muss, damit es Aufenthaltsqualität besitzt. Außerdem fordert die Energieeinsparverordnung eine ausreichende Dämmung. Diese lohnt sich auf jeden Fall, denn eine nachträgliche Dämmung lässt sich nicht so leicht realisieren und ist mit erheblich höheren Kosten verbunden. Außerdem muss eine Beheizung der bewohnten Räume vorgesehen werden. Und ihre Höhe muss entsprechend ausgelegt sein: Für eine gute Aufenthaltsqualität sollte die Rohbauhöhe mindestens 2,40 Meter betragen. Ein Nutzkeller begnügt sich mit geringeren Raumhöhen.

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Bei Hanghäusern kann die Garage als Teil des Fertigkellers gleich mitangebaut werden. Foto: Bürkle

 

Reiner Nutzkeller kommt ohne Außendämmung aus

Für einen Nutzkeller mit sogenannten Kalträumen zur Vorratshaltung ist es nicht notwendig, die erdberührten Flächen zu dämmen, was sich kostensparend auswirkt. Damit die thermische Trennung zu den beheizten Wohnräumen trotzdem gewährleistet ist, müssen die Kellerdecke und das Treppenhaus gedämmt werden. 

Eine effektive Abdichtung gegen Feuchte ist heutzutage Standard, selbst wenn das Untergeschoss nur zu Lagerzwecken herhalten soll. Die Abdichtung ist Voraussetzung dafür, dass Gegenstände wie Kleidung und Bücher nicht muffig riechen oder gar Schimmel ansetzen. So können nicht nur Äpfel und Kartoffeln, sondern auch feuchteempfindliche Dinge gelagert werden.

 

Lichtplanung ist im 
Untergeschoss das A & O

Eine natürliche Belichtung sorgt für eine freundliche Atmosphäre und ist zudem eine Forderung der Landesbauordungen an Aufenthaltsräume. Dort heißt es: „Unmittelbar ins Freie führende Fenster müssen von solcher Zahl, Lage, Größe und Beschaffenheit sein, dass die Räume ausreichend mit Tageslicht beleuchtet werden können.” Je nach Bundesland ist ein anderes Verhältnis vom Rohbaumaß der Fensteröffnungen zur Grundfläche des Raumes vorgeschrieben. Bei einem Untergeschoss, das teilweise aus dem Erdboden ragt, weil das Grundstück an einem Hang liegt, erhält man hangabwärts ganz normal belichtete Räume. Der fensterlose rückwärtige Bereich eignet sich dagegen gut für Lagerzwecke und die Haustechnik.

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Auch ohne Hanglage kann durch zusätzliche Ausschachtung gut belichteter, attraktiver Wohnraum entstehen – zum Beispiel als Arbeitsplatz. Foto: Talbau-Haus

Man kann sich hangseits aber auch mit Kniffen helfen wie dem Abgraben einer Lichtböschung oder dem Höherlegen des Kellers, sodass sich sein oberster Bereich über Bodenniveau befindet. Dabei darf man jedoch die baulichen Vorschriften nicht aus dem Blick verlieren, die unter Umständen festlegen, wie viel Untergeschoss über Geländekante zulässig ist, beziehungsweise welche maximale Gebäudehöhe. Lichtschächte sind eine weitere Möglichkeit, die Sonne anzuzapfen, allerdings erlauben sie keine Ausblicke auf die Umgebung. 

 

Fürs Fertighaus macht ein Fertigkeller Sinn

Da die Herstellung eines Fertigkellers weitgehend witterungsunabhängig in der Werkhalle erfolgt, ist eine hohe Termintreue garantiert – ein wichtiger Faktor, damit der Aufbau des Fertighauses reibungslos ablaufen kann. Zudem schützt die hohe Maßgenauigkeit der computergesteuerten Fertigung vor einem bösen Erwachen, wenn das Haus gestellt wird. Die Kellerbauteile sind bei Anlieferung vorgetrocknet, sodass hohe Baufeuchte kein Problem darstellt. Der Fugenanteil ist gering, und dank der glatten Innenwände kann unter Umständen sogar auf einen Putz verzichtet werden. Noch ein Vorteil ist der vereinbarte Festpreis, der die Baukosten besser kalkulierbar macht.

In einem Keller sind die unterschiedlichsten Nutzungen denkbar: Lagerräume, Haustechnik-Raum, Hobbyraum, Einliegerwohnung ... Grafik: Glatthaar

Die Innenwände eines Fertigkellers sind einschalig. Die Außenwände bestehen aus einer zweischaligen Konstruktion, die auf der Baustelle mit Beton ausgegossen und mit einer außen liegenden Dämmung versehen wird. Alternativ kann sie als innen liegende Kerndämmung zwischen den beiden Schalen angebracht werden. Dies geschieht dann schon im Werk, sodass die Dämmarbeiten auf der Baustelle entfallen. Zudem ist die Wärmeschutzschicht bei dieser Positionierung vor äußeren Einwirkungen optimal geschützt. Leerrohre und Vorinstallationen werden ebenfalls bereits vorab in die Wände eingelassen. Das garantiert einen zügigen Innenausbau und liefert die perfekte Grundlage für ein wohnliches Ambiente.

(aus der Zeitschrift pro fertighaus 5/6-2017)