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Die Wärme bleibt im Haus

29.08.2016

Wer bislang in einem Altbau gewohnt hat kennt das Problem: Im Winter sitzt man ungern in der Nähe von Fenstern und schließt die Zimmertüren, um Zugluft zu vermeiden. Die Luft wird zwar warm, aber vor allem Außenwände scheinen kalt abzustrahlen und bei jedem Griff zum Heizungsthermostat versucht man, den Gedanken an die Heizungsabrechnung im Frühling so lange wie möglich zu verdrängen. All das soll im neuen Haus natürlich anders werden. Beste Grundlage für ein komfortables, gesundes und gleichzeitig umweltschonendes neues Zuhause ist eine rundum gut gedämmte und dichte Haushülle. Denn sie sorgt dafür, dass die einmal erzeugte Wärme im Haus bleibt. Dank guter Abdichtung des Gebäudes geht keine Wärme mehr über undichte Stellen, wie Ritzen und Fugen verloren; sogenannte Lüftungswärmeverluste, sind also nicht mehr zu befürchten. Außerdem sorgt eine gute Dämmung dafür, dass Transmissionswärmeverluste minimiert werden. So bezeichnet man die Menge an Wärme, die über die Bauteile der Haushülle nach außen abgegeben wird. Im gut gedämmten Neubau sind dann auch die Innenseiten der Außenwände angenehm warm.

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Mit der Holzfaserdämmung „Kronoply flex“ ist das „Max-Haus Design S“gedämmt: die diffusionsoffenen Außenwände weisen dadurch einen sehr guten U-Wert von 0,15 W/m2K auf. (Max-Haus/Kronoply)

Mit der Holzfaserdämmung „Kronoply flex“ ist das „Max-Haus Design S“gedämmt: die diffusionsoffenen Außenwände weisen dadurch einen sehr guten U-Wert von 0,15 W/m2K auf. (Max-Haus/Kronoply)

Maximale Dämmung – minimaler Heizbedarf

Dass dies gut funktioniert, zeigt die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden seit der Einführung der ersten Wärmedämmvorschriften in Deutschland infolge Ölkrise: 1977 trat die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft, deren Ziel es bereits war, den Energieverbrauch von Gebäuden durch bauliche Maßnahmen zu reduzieren. So verbrauchte ein durchschnittlicher Altbau vorher bis zu 240 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr für die Heizung. Heute benötigt ein durchschnittlicher Neubau nur noch rund 70 kWh/m2a. Das ist weniger als ein Drittel an Heizenergie. Wer seine Gebäudehülle weiter optimiert, kann sogar den sogenannten Passivhausstandard erreichen. Ein Haus dieses Standards ist so gut gedämmt und so dicht, dass es gar keine richtige Heizung mehr braucht: die Abwärme von Bewohnern, Hausgeräten und Beleuchtung reicht aus, um den Heizenergiebedarf des Hauses von nur 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr zu decken. Die Reduzierung von Heizenergiebedarf durch Dämmung ist also keine Theorie, sondern wurde bereits tausendfach in gebaute Realität umgesetzt.

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Der nachwachsende Baustoff Holz eignet sich sehr gut als Dämmstoff: Die Firma Baufritz z.B. dämmt ihre wohngesunden Häuser mit dem selbst entwickelten, weltweit ersten „cradle-to-cradle-Gold“-zertifizierten Naturdämmstoff „Hoiz“, der aus Holzspänen besteht. (Baufritz)

Der nachwachsende Baustoff Holz eignet sich sehr gut als Dämmstoff: Die Firma Baufritz z.B. dämmt ihre wohngesunden Häuser mit dem selbst entwickelten, weltweit ersten „cradle-to-cradle-Gold“-zertifizierten Naturdämmstoff „Hoiz“, der aus Holzspänen besteht. (Baufritz)

Dämmung: keine absoluten Werte

Ein maximal gedämmtes Passivhaus ist natürlich immer noch die Ausnahme. Doch jeder Bauherr muss sich künftig genau überlegen, wie er die Energieeffizienz seines neuen Hauses verbessern will: Seit dem 1. Januar 2016 gilt die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016, die fordert, dass neu gebaute Einfamilienhäuser im Vergleich zu bisher geltenden Standards eine um 25 Prozent bessere Gesamtenergieeffizienz aufweisen müssen, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Die Dämmung der Gebäudehülle ist eine effektive Stellschraube, um die erforderlichen Werte zu erreichen.

Was Bauherren immer wieder irritiert ist, dass es keine absoluten Dämmwerte gibt, die eingehalten werden müssen. Das liegt unter anderem an der Komplexität der Berechnung von Effizienzhausstandards nach der Energieeinsparverordnung: Sie lässt es Bauherren weitgehend offen, auf welchem Weg sie die erforderlichen CO2-Einsparungen erreicht – durch einen geringeren Energiebedarf, aufgrund einer besseren Dämmung und Abdichtung, oder aber z.B. durch eine möglichst umweltfreundliche Haustechnik. Denn zur Bewertung der energetischen Qualität eines Gebäudes wird der sogenannte Primärenergiebedarf herangezogen. Der maximal zulässige Primärenergiebedarf wird für jedes Gebäude separat anhand eines sogenannten Referenzgebäudes berechnet. Um eine Baugenehmigung zu erlangen, darf Ihr Neubau diesen Maximalwert nicht überschreiten. Doch an welchem Faktor Sie nun „drehen“ um ihn zu erreichen, ist im Prinzip Ihnen überlassen: Man kann sich also dafür entscheiden, eine sehr umweltfreundliche Heizung zu installieren oder durch Dämmung den Energiebedarf von vorneherein so stark zu reduzieren, dass gar nicht mehr aufwendig Energie erzeugt werden muss.

Im Inneren des Berliner Stadthauses beließ die Architektin und Bauherrin Michelle Howard das Ziegelmauerwerk z.T. unverputzt. (Wienerberger)

Im Inneren des Berliner Stadthauses beließ die Architektin und Bauherrin Michelle Howard das Ziegelmauerwerk z.T. unverputzt. (Wienerberger)

Bauherren, die eher auf eine unkomplizierte Art vom Klimaschutz setzen, werden also eher mehr in die Dämmung der Haushülle investieren. Im Gegensatz zu haustechnischen Anlagen, die konstant gewartet und repariert werden müssen und trotzdem immer Energie verbrauchen, um das Haus warm zu halten, ist eine korrekt eingebaute Dämmung und Dichtung eines Hauses sehr wartungsarm und langlebig. Wichtig ist dabei, dass alle beheizten Räume des Hauses rundum gedämmt werden und Schwachpunkte, sogenannte Wärmebrücken, vermieden werden. Auch muss für die jeweilige Dämmaufgabe ein geeigneter Dämmstoff gewählt werden.

Nicht vergessen werden darf im hoch gedämmten und dichten Haus ein kontrollierter Luftwechsel: verbrauchte und feuchte Luft muss hier regelmäßig entweder über Fenster oder eine automatische Wohnungslüftungsanlage – vorzugsweise mit Wärmerückgewinnung – gegen frische ausgetauscht werden. So kann bei minimalen Energieverlusten ein Maximum an Wohnkomfort garaniert werden. Und das mit gutem Gewissen und ohne Furcht vor der nächsten Energierechnung.

Dämmstoffe

Es gibt ein breites Repertoire an ­verschiedenen Materialien, deren isolierende Eigenschaften für den Hausbau genutzt werden. Sie lassen sich grob in drei Klassen einteilen: ­mineralisch, synthetisch und nachwachsend. Zur mineralischen ­Fraktion zählen so bekannte Ver­treter wie die Stein- und die Glaswolle, aber auch Mineralschäume und Schüttungen. Zu den Kunststoff-Schäumen gehören Polyurethan und Polystyrol (besser bekannt als Styropor). In der Klasse der nachwachsenden Dämmstoffe werden sowohl pflanzliche als auch tierische Stoffe eingruppiert, wie beispielsweise Holz, Hanf, ­Kokos oder Schafwolle.
 
Als Maß für die Leistungsfähigkeit ­eines Dämm­stoffs dient die Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG), die als dreistellige Zahl, zum Beispiel WLG 035, angegeben wird. Dabei gilt: je ­niedriger die WLG, desto besser die Dämmwirkung und desto weniger dick muss die Schicht sein.

 
Foto: Kauf, Verband Holzfaserdämmstoffe, XPS

 

  • 1. Mineralische Dämmstoffe kommen sowohl beim Holzfertigbau auch auch bei Wärmedämmverbundsystmen zum Einsatz. (Knauf)
  • 2. Zu den nachwachsenden Dämmstoffen zählen Holz, Zellulose, Gras, Flachs, Hanf, Jute, Kokos, Kork, Sisal, Schilf, Gertreide und Schafwolle. Einsatzgebiete sind Wärmedämmverbundsysteme, sowie Wände in Holzrahmen- bzw. Holztafelbau. (Verband Holzfaserdämmstoffe)
  • 3. Kunststoffschäume können als Hartschaumplatten, Ortschaum, Granulat oder Einblasdämmstoffe bei der gesamten Haushülle eingesetzt werden. (XPS)