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Massiv bauen: Stein auf Stein

20.10.2016

Foto: Deutsche Proton

Foto: Deutsche Proton

Natürlich, regional und schadstofffrei

Ob Bauklötze oder Lego – individuelle Traumhäuser bauten wir fast alle schon in unserer Kindheit Stein auf Stein. So hat diese Bauweise für viele erwachsene Bauherren etwas ganz Selbstverständliches. Hinzu kommt der gute Ruf von massiv gebauten Häusern, der daher rührt, dass Stein zum Hausbau in früheren Zeiten als Privileg gut Betuchter ein Statussymbol war und somit allgemein als besonders erstrebenswert galt. Das hat natürlich ganz handfeste Gründe: Stein war robust gegen Witterung, Feinde und Feuer, lange stabil und wartungsarm. Heute bauen wir normalerweise nicht mehr mit Naturstein, sondern mit mineralischen Baustoffen aus industrieller Fertigung. Dazu zählen Ziegel, Porenbeton Leichtbeton und Kalksandstein. Sie werden alle nach genauen Rezepturen aus natürlichen mineralischen Grundstoffen vornehmlich Sand, Kalk, Ton und Wasser gefertigt. Die genaue Zusammensetzung wird dem jeweiligen späteren Einsatzzweck angepasst, sodass Mauersteine entstehen, die z.B. eine besonders hohe Tragfähigkeit für schlanke Innenwände oder eine optimierte Dämmfähigkeit für Außenwände aufweisen. Die  natürlichen Zutaten für die „künstlichen Steine“ sind fast überall regional verfügbar und viele Massivbaustoffe werden bis heute von alteingesessenen Fammilienbetrieben – nach übergreifenden Qualitätskriterien – regional hergestellt, was die Transportwege auf die Baustellen deutlich reduziert.

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Foto: www.lebensraum-ziegel.de, Leipfinger Bader

Mauerziegel als einer der ältesten Baustoffe der Menschheit steht auch heute auf der Beliebtheitsskala von Bauherren ganz oben. Zu Recht: Moderne Mauerziegel sind robust und langlebig, bieten einen guten Wärme- und Schallschutz und sorgen im Hausinneren für ein ausgeglichenes Wohnraumklima, dank guter Wärmespeicherkapazität und seiner feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften. Fotos Lebensraum Ziegel, Leipfinger Bader

So entstehen Baustoffe mit klar definierten Eigenschaften, die sie für den Hausbau empfehlen. Dazu gehört die hohe Robustheit gegen äußere Einflüsse wie Witterung. Sie kommen ganz ohne zusätzlichen chemischen Schutz gegen tierische oder pflanzliche Schädlinge aus. Umgekehrt geben sie auch keine Chemikalien, Fasern oder Stäube an die Umwelt ab – was unter wohngesundheitlichen Gesichtspunkten besonders wichtig ist. 

Gut gedämmt für sparsames Heizen

Darüber hinaus garantieren sie eine dauerhafte und verformungsresistente Tragfähigkeit und vor allem den immer wichtiger werdenden Wärmeschutz. Hier arbeiten die Hersteller von Massivbaustoffen kontinuierlich an der Verringerung der Wärmeleitfähigkeit ihrer Mauersteine für Außenwände. Mit dem Ergebnis, dass sich heute problemlos Wohnhäuser in höchst sparsamem Effizienzhaus-40- oder gar Passivhaus-Standard verwirklichen lassen. Je nach gewähltem Mauerwerksmaterial ist dies sogar ohne eine zusätzliche Außendämmung möglich. Dann sprechen die Experten von einer monolithischen Bauweise. Sie empfiehlt sich vor allem Bauherren, denen eine zusätzliche Außendämmung ihres Hauses unsympathisch ist. Die Dämmwirkung erzielen massive Baustoffe in der Regel durch eingeschlossene Luftporen. Je höher deren Anteil, desto leichter der Baustoff und desto besser seine Dämmwirkung. Diese ist die wichtigste Grundlage für einen möglichst niedrigen Energiebedarf des fertigen Hauses, was Bauherren wiederum große Freiheiten bei der Wahl ihres Heizsystems eröffnet – ob konventionell z.B. mit Gas oder regenerativ per Solaranlage, Wärmepumpe und Photovoltaikanlage: So sind sogar Plus-Energie-Konzepte umsetzbar.

Grafik: KS-Original
Grafik: KS-Original 

Integrierter Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich

Neben einer guten Wärmedämmung bieten Massivbaustoffe aber auch eine gute Wärmespeicherkapazität. Diese ist wichtig, um Temperaturspitzen im Sommer wie auch im Winter ohne den Einsatz zusätzlicher Energie auszugleichen. Massive Wände und Decken können tagsüber überschüssige Wärme, z.B. aufgrund von Sonneneinstrahlung  aufnehmen und speichern. Der Wohnraum heizt sich z.B. an heißen Tagen im Sommer nicht so schnell auf. Wird es abends wieder kälter, wirken die massiven Bauteile wie warme Kachelofenwände: Die in den Wänden und Decken gespeicherte Energie wärmt das Haus noch, wenn die Temperaturen draußen bereits wieder sinken – was besonders im Winter vorteilhaft ist. Dieser Effekt kann den Energiebedarf eines Hauses um bis zu 10 Prozent reduzieren (Quelle: Büro für Bauphysik alware, Braunschweig). 

Foto: Heinz von Heiden

Es gibt auch Hausanbieter, die massiv bauen, wie zum Beispiel Heinz von Heiden. Die Häuser werden individuell entsprechend der Wünsche und Bedürfnisse der Bauherren geplant und Stein auf Stein von erfahrenen Handwerkern ausgeführt. Foto: Heinz von Heiden 

Und auch Spitzen bei der Luftfeuchtigkeit können Massivbaustoffe abfangen. Etwa 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind für den Mensch und Bausubstanz ideal. Doch aufgrund von Wetterumschwüngen oder auch alltäglichen Aktivitäten wie Kochen, Wäschetrocknen oder Duschen kann dieser Wert schnell über die kritische Grenze von 70 Prozent ansteigen und das Risiko von Schimmelwachstum steigern. Aufgrund ihrer kapilaren Struktur kann Mauerwerk Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und sie später, wenn die relative Luftfeuchtigkeit  gesunken ist, wieder an die Raumluft abgeben. Dies macht zwar nicht in jedem Fall ein Lüftungskonzept überflüssig – sorgt aber für eine gewisse Toleranz bei Lüftungsfehlern der Bewohner. Nicht zuletzt schätzen viele Bewohner von massiv gebauten Häusern die Ruhe, die sie ihnen bieten. Denn aufgrund ihrer Trägheit bieten massive Außen- und Wohnungstrennwände einen guten Schutz vor Lärm von außen. 

 

And last but not least: Massivbaustoffe an sich sind nicht brennbar. Obwohl es für Einfamilienhäuser keine Brandschutzvorschriften gibt, ist das für viele Bauherren beruhigend. Wählt man eine Bauweise mit außenliegender Dämmung sollte man allerdings auch hier auf feuerresistente Materialien achten. (aus der Zeitschrift bauen! 8/9-2016)



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