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Wandkonstruktionen im Fertigbau

21.07.2010

Der Aufbau eines Fertighauses erfolgt in der Regel in ein bis drei Tagen. Die trocken produzierten Wandelemente kommen per Tieflader auf die Baustelle und werden mit Hilfe eines Krans aufgestellt.Ein Fertighaus ist in der Regel ein Holzhaus, auch wenn man es von außen nicht sieht, weil es verputzt oder verklinkert ist. Das Tragwerk besteht aus massiven Holzständern, die im Abstand von 62,5 oder 81,5 Zentimetern angeordnet sind. Mit sogenannten Fuß- und Kopfriegeln werden diese Ständer zu einer Rahmenkonstruktion verbunden. Dieser Holzrahmen wird durch eine Verkleidung mit großformatigen Holzwerkstoffplatten ausgesteift.

Als Material kommen mehrschichtige Bauplatten, Gipsplatten oder Holzwerkstoffplatten wie beispielsweise OSB-Platten und Spanplatten in Frage. Heutige Spanplatten sind in der Regel emissionsfrei (E1). Ihr schlechter Ruf aufgrund früherer schädlicher Emissionen von Billigplatten ist somit überholt.

Die Verkleidung übernimmt auch einen Teil des Schallschutzes. Je schwerer das Material, umso besser ist er. Gipsfaserplatten und zementgebundene Spanplatten haben hier klare Vorteile. Günstig wirken sich auch eine Vormauerung oder Verklinkerung der Außenwand aus.

Manche Wandkonstruktionen kombinieren Holzverbundbauweise und Massivbauweise. So besitzt zum Beispiel die Holz-Ziegelwand von Elk/Bien-Zenker innenseitig eine 50 Millimeter starke Schicht aus Hochloch-Ziegeln, die für Feuchtigkeitsregulierung, Wärmespeicherung und Schallschutz sorgen soll.

Die tragende Holzkonstruktion wird ergänzt durch die Wärmedämmung zwischen den Holzrahmen. Rund 20 bis 30 Zentimeter und mehr sind im Fertigbau heute üblich, wobei ein Teil davon außenseitig aufgebracht und teilweise direkt verputzt wird.

Neben Mineralfaser-, Styropor- oder Hartschaumplatten setzen manche Hersteller inzwischen auch Holzfaserdämmplatten ein. Auf Wunsch und gegen Aufpreis werden oft auch ökologische Dämmstoffe wie Kork, Zellulose und Schafwolle verwendet.

Gutes Raumklima mit oder ohne Dampfbremse
Zum Schutz der Dämmung gegen Feuchte wird innen eine Dampfbremse eingesetzt. Diese Folien sind inzwischen fast zur "Glaubensfrage" geworden, weil sie angeblich das "Atmen" der Wände unterbinden. Das Puffern der Wohnraum-Feuchte findet aber weitgehend in den 15 bis 20 mm starken Gipskarton- und Spanplatten statt.

Trotzdem werden auch sogenannte diffusionsoffene Wände ohne Folie angeboten. Bei entsprechendem Wandaufbau ist dies möglich. Dabei sollte die Wand von innen nach außen immer "offener" werden, es bieten sich also Holzfaserdämmplatten statt Hartschaum für die durchgehende Außendämmung an. Wichtig ist, dass die Wand von außen winddicht ist, um unkontrollierte Wärmeverluste und Feuchteeintrag zu verhindern.

Installationsebene schützt vor Beschädigung
Um die Dichtigkeit durch Installationen nicht zu zerstören, erhalten Fertighauswände oft eine Installationsebene. Auf der Innenseite wird eine zusätzliche, gedämmte Holzkonstruktion vorgesetzt, in der alle Leitungen, Steckdosen und Wasseranschlüsse untergebracht sind.

Auch viele Zimmereibetriebe bauen die oben beschriebenen Wände. Der Vorteil des Fertigbaus ist jedoch, dass die Häuser trocken und güteüberwacht in der Halle produziert werden. Die hohen Stückzahlen garantieren bewährte und bauphysikalisch richtige Details.

Studien von unabhängigen Gutachtern bestätigen, was Holzbautechnikern schon immer klar war: Die Fachwerkkonstruktion moderner Fertighäuser ist auch nach 100 Jahren noch so stabil wie am ersten Tag. Das sehen Banken und Versicherungen mittlerweile genauso, so dass die früher gelegentlich anzutreffende Schlechterstellung gegenüber dem Massivhaus längst der Vergangenheit angehört.