Fenster und Tageslicht

Tageslicht und Fenster
Steuerbare Außenjalousien ermöglichen eine individuelle Einstellung des Tageslichteinfalls. Foto: www.warema.de

Fenster bringen die Sonne ins Haus und lassen Wohnräume hell und freundlich erscheinen. Natürliches Tageslicht unterstützt unser Wohlbefinden, hält uns gesund und spart Strom für Kunstlicht. Hier die wichtigsten Planungstipps.

 

Der moderne Mensch ist ein „Indoor-Wesen“: Circa 90 Prozent des Tages verbringt er in geschlossenen Räumen. Das führt bei vielen nicht nur zu einem Mangel an frischer Luft und Bewegung, sondern auch zu einer Unterversorgung mit Tageslicht. Diesen Mangel bemerken wir oft nicht direkt, trotzdem kann er einschneidende Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit haben: Wer zu wenig Sonnenlicht abbekommt, bei dem kann tagsüber der Melatoninspiegel erhöht sein. Die Folgen davon sind Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Die Experten des Dachfensterherstellers Velux schätzen, dass „15 Prozent der Weltbevölkerung an Seasonal Affective Disorder oder Winterdepression“ infolge von Tageslichtmangel leiden. Auch damit der Körper Vitamin D produziert, müssen Sie ins Freie gehen und sich dem Sonnenlicht aussetzen. Ein Vitamin-D-Mangel äußert sich ebenfalls in Symptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung bis hin zu höherer Krankheitsanfälligkeit. Die optimale Nutzung von natürlichem Tageslicht im Haus spart darüber hinaus die Verwendung von künstlichem, elektrischem Licht und somit Energie. 

 

Lichtfänger: Fenster

 

Um Licht ins Haus zu holen, verwendet man Fenster. Die Anzahl, Größe und Anordnung dieser verglasten Öffnungen sind entscheidend dafür, wie viel Tageslicht in die Wohnräume fällt. Die Mindestforderungen an notwendige Fenster für Aufenthaltsräume sind in den Landesbauordnungen festgeschrieben. Die Betonung liegt hier auf „mindest“: Wer wirklich helle, freundliche Wohnräume wünscht, sollte weit mehr Fensterfläche einplanen.

 

Eine gute Tageslichtplanung sorgt für eine optimale Nutzung und Verteilung des Sonnenlichts in Wohnräumen. Die Belichtung optimieren Sie durch eine clevere Positionierung der Fensteröffnungen, die den Lichtwechsel während des Tages ebenso berücksichtigt wie die Sonneneinstrahlung der verschiedenen Jahreszeiten. Platzieren Sie Fenster vorzugsweise Richtung Sonne – also nach Osten, Süden und Westen. Achten Sie darauf, dass die Fenster nicht dauerhaft verschattet werden – zum Beispiel von Nachbargebäuden oder Nadelhölzern.

 

Eine grundlegende Größe bei der Planung ist der sogenannte Tageslichtquotient (TQ). Er gibt an, wie viel Prozent des außen verfügbaren Tageslichts innen auftreffen:

 

 

    • bei bedecktem Himmel

 

    • auf einer Innenfläche in der halben Raumtiefe

 

    • mit je einem Meter Abstand zu den Seitenwänden

 

    • in Höhe von 85 Zentimetern über dem Fußboden.

 

 

Je höher der TQ, desto mehr Tageslicht ist im Raum vorhanden. Räume mit einem TQ von zwei Prozent und mehr gelten als angemessen belichtet. Wenn der TQ mehr als fünf Prozent beträgt, empfinden Sie einen Raum oder Bereich als wirklich hell.

 

Fenster individuell planen

 

Damit Sie dies erreichen, sollten Sie Ihre Anforderungen an die Tageslichtversorgung im Haus in einer frühen Planungsphase festlegen. So können Sie die dafür nötigen Fensteröffnungen eingeplanen. Berücksichtigen Sie, dass die Außenbeleuchtungsstärken regional stark variieren. Deswegen muss für jedes Bauvorhaben eine ortsspezifische Planung erstellt werden. Grob gesagt:

 

 

    • Im Süden sind sie höher

 

    • im Norden sind sie geringer

 

 

Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. So reicht der in der DIN 5034 geforderte Tageslichtquotient von 0,9 Prozent im Winter bei weitem nicht aus, um Wohnräume ausreichend mit Tageslicht zu versorgen.

 

Tageslicht steuern

 

Optimiert man die Tageslichtplanung anhand des niedrigeren Lichtangebots der dunklen Jahreszeit, muss man für das Mehr an Sonneneinstrahlung im Sommer entsprechende Verschattungsvorrichtungen einplanen. Der Sonnenschutz auf der Außenseite der Fenster verhindert nicht nur zu viel Helligkeit im Haus, sondern auch die damit einhergehende unerwünschte Sommerhitze. Dies kann ein Dachüberstand oder ein Balkon sein. Diese Bauteile lassen im Winter die flach einfallenden Strahlen ins Haus, fangen den steilen Lichteinfall der Sommersonne aber ab. Regelbare Jalousien ermöglichen eine individuelle Steuerung des Tageslichteinfalls.

 

Fenster: Form & Platzierung

 

Die Form eines Fensters hat deutliche Auswirkungen auf die Menge des einfallenden Lichts: Ideal für viel Tageslicht im Inneren sind breite Formate. Je höher das Fenster in der Außenwand angeordnet ist, desto weiter fällt das Licht in die Tiefe des Raumes. Dachflächenfenster fangen noch mehr Licht ein. Die Brüstungshöhe ist bei Fassadenfenstern für den Lichteinfall weniger entscheidend. Sie sollte so gewählt sein, dass ein Ausblick nach draußen gewährleistet ist. Bodentiefe bzw. Fenster mit einer niedrigeren Brüstung sind dafür ideal.

 

Fenstergröße

 

In den Landesbauordnungen sind „Mindestforderungen als notwendige Fenster“ für Aufenthaltsräume festgeschrieben. Je nach Bundesland muss das lichte Maß der Fensteröffnung zwischen 10 und 12,5 Prozent der jeweiligen Raumgrundfläche betragen. Fenstergrößen nach den Vorschriften der Landesbauordnung sorgen aber nur für eine Mindestbelichtung. Die DIN 5034 (künftig EN 17037) bietet ein Berechnungsverfahren z.B. für die zu erwartenden Beleuchtungsstärken für bestimmte Punkte eines Innenraumes. Für eine vereinfachte Bestimmung zweckmäßiger Fenstergrößen gibt es ein Tabellenwerk.

 

Wärmedämmung von Fenstern

 

Die Qualität der Wärmedämmung von Fenstern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasungen mit gut gedämmten und dichten Rahmen sind heute gang und gäbe. Dreifach-Verglasung sind immer stärker im Kommen. Letztere erreichen erstaunlich niedrige Wärmedurchgangskoeffizienten (Ug-Werte; g für „glazing“) von bis zu 0,5 W/m2K. Auch die Fensterrahmen müssen eine hohe Dämmung (Uf-Wert; f für „frame“) und Dichtigkeit aufweisen. Der Uw-Wert (w fü
r „window“) berechnet sich für jedes Fenster aus dem Verhältnis von Rahmen- zu Verglasungsfläche. Hoch dämmende Außenwände erreichen U-Werte bis zu 0,12 W/m2K. Im Vergleich dazu sind Fenster energetische „Schwachpunkte“ in der Fassade.

 

Ausrichtung

 

Die Sonne geht im Osten auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf… diesen Kinderreim kennt fast jeder. Um eine optimale Lichtausbeute im Hausinneren zu generieren sollten sich Fenster in Richtung Sonne öffnen. Zwar kommt auch über Nord-Fenster Tageslicht herein – nur wesentlich weniger. Dementsprechend sollten Sie alle vornehmlich tagsüber genutzten Aufenthaltsräume auf der Südseite des Gebäudes platzieren.

 

Ostfenster fangen das Morgenlicht ein und helfen so im Schlafzimmer beim Aufwachen, Westfenster schaffen z.B. im Wohnzimmer eine sonnige Feierabendstimmung. Innen liegende Räume können z.B. über Oberlichter oder Dachflächenfenster natürliches Licht erhalten. Diese erreichen aufgrund ihrer günstigen Neigung zum Himmel eine doppelt so hohe Lichtausbeute wie Fassadenfenster.

 

Sonnenschutz

 

Durch Fensterscheiben fällt nicht nur Licht ins Hausinnere: Ein Teil der Sonnenstrahlung wird beim Durchtreten der Scheiben in Wärme umgewandelt. Diese sogenannten passiven solaren Wärmegewinne sind im Winter willkommen. Sie entlasten die Heizung. Im Sommer können sie zum Überhitzen von Wohnräumen führen. Daher müssen Sie Fenster, die längerfristig der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, mit einem effektiven Sonnenschutz ausgestatten.

 

Verglasung

 

Moderne Fenster sind heute mit einer zweifachen oder dreifachen Isolier- oder Wärmeschutzverglasung ausgestattet, die Heizenergie sparen helfen. Die Wahl des Fensterglases beeinflusst aber auch die Menge des sichtbaren Lichts, die durch die Fensterscheiben ins Hausinnere gelangt: Dies beschreibt der Begriff Lichttransmission (tL).

 

Je höher der Prozentsatz, desto mehr Licht kommt innen an. Der Rest wird von den Scheiben reflektiert oder in Wärme umgewandelt. Ein einfaches Floatglas hat einen tL-Wert von ca. 90 Prozent. Der tL-Wert von Isolierverglasungen liegt bei ca. 82 Prozent. Eine Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung verfügt nur noch rund 73 bis 80 Prozent.

 

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