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Richtige Montage für die Fenster

12.12.2017

Fenster und Verglasungen spielen bei allen Effizienzhäusern eine wichtige Rolle, da sie energetische Nettogewinne ermöglichen und gesundes Tageslicht liefern. Dabei ist nicht nur eine energieeffiziente Gebäudehülle wichtig, sondern auch die richtige Montage, die bei großen Bauelementen in hoch wärmedämmendem Mauerwerk oder Wärmedämmverbundsystemen immer anspruchsvoller wird. Um Baumängel zu vermeiden, sollte man die Details kennen.

Solarlux Haus Innenraum Fenster

Foto: Solarlux

Bei der Planung und Ausführung von energieeffizienten Gebäuden ist nicht nur ein niedriger U-Wert von Fenstern (Uw 1,0 W/m²K oder niedriger) und Verglasung (Ug) wichtig, sondern auch der Baukörperanschluss muss passen. Die Kenngröße ist hier der längenbezogene Psi-Wert, der möglichst unter 0,08 W/mK liegen sollte und gemäß EnEV auch beim Ener-giepass berücksichtigt wird. Dies ist richtig, denn eine Reduzierung des Psi-Wertes bei einem Normfenster (1,23 m x 1,48 m) um 0,1 W/(mK) ist energetisch gleichwertig zu einer Reduzierung des Fenster U-Wertes um ca. 0,5 W/(m²K). Am leichtesten kann der Psi-Wert durch eine „Überdämmung“ des Fensterrahmens verbessert werden. Bei Außenwänden mit Vollwärmeschutz oder in Holzbauweise ist das einfach, bei monolitischem Ziegelmauerwerk bedarf es zusätzlicher Maßnahmen, z.B. durch optimierte Fensterkonstruktionen oder eine Dämmung im äußeren Leibungsbereich. Dabei ist zu beachten, dass die Stoßfuge zwischen Dämmung und Mauerwerk mit Gewebestreifen ausgeführt wird, um Putzrisse zu vermeiden.

Große Glasflächen sind heute beliebt, weil diese kostenlose Sonnenenergie und gesundes Tageslicht liefern. Dabei wird die Bedeutung von natürlichem Tageslicht oft unterschätzt, obwohl medizinische Studien belegen, dass Tageslicht den Stoffwechsel und die Gesundheit positiv beeinflusst. Es wird die Melatoninproduktion (Schlafhormon) unterdrückt, die „Gute-Laune-Hormone“ wie Seratonin und Noradrenalin aktiviert, die Abwehrkräfte verbessert, der Schlaf-/Wachrhythmus gesteuert sowie die Leistungsfähigkeit und Lernfähigkeit gesteigert. Basis für eine gute „Licht- und Fensterplanung“ sind:

  • Farbneutrale Verglasung mit einem Lichttransmissionsgrad  von ca. 65 bis 75 Prozent
  • „Normal“ geschnittene Räume (Verhältnis Breite:Tiefe etwa 1:2)
  • Die Fensterfront sollte ca. 20 Prozent der Raumfläche betragen
  • Breite und Höhe der Fens-
ter etwa 1,5 m bis 2,5 m, Brüs-tungshöhe etwa 0,90 m sowie eine deckennahe Fensteroberkante
  • Keine Glasteilung durch Sprossen 
  • Möglichst geringe Abschattung durch Verbauung oder Pflanzen

Fensterkonstruktionen Wirtschaftlichkeit

Bewertung der Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Fensterkonstruktionen. Grafik: IFT-Rosenheim

Darüber hinaus benötigen energieeffiziente Gebäude aber auch einen wirksamen Sonnenschutz zur Vermeidung bzw. Verminderung einer Klimatisierung und Überhitzung, insbesondere bei großzügigen Fensterflächen. Die EnEV 2014 fordert deshalb einen Nachweis mittels vereinfachtem Sonneneintragskennwertverfahren für den ungünstigsten Raum des Gebäudes oder eine detaillierte Berechnung.

Auch im Baubereich werden Produktentscheidungen oft nur auf Basis der Anschaffungskos
ten getroffen, obwohl die Wirtschaftlichkeit langlebiger Bauelemente (30 Jahre und mehr) maßgeblich durch die Kosten während der Nutzungszeit bestimmt wird. Wichtige Faktoren sind die Energiekosten (Heizen, Kühlen, Lüften) sowie Reinigungs- und Wartungskosten. Auch die Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit sind relevant. Deshalb sollten bei Fenstern die Dichtungen und Beschläge einfach austauschbar sein.

Qualität ist relativ und hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt vom Einsatzzweck und dem Finanzbudget. Daher müssen die 23 Eigenschaften und Kennwerte der Produktnorm EN 14351-1 für Fenster und Außentüren vom Architekten bei der Ausschreibung in Abhängigkeit vom Einsatzzweck gewichtet werden. 

Die baurechtlich vorgeschriebene CE-Kennzeichnung muss jeder Hersteller vornehmen. Sie ist aber kein Qualitätsmerkmal und verpflichtet den Hersteller nur zur Deklaration von Eigenschaften, die an einem Musterfenster durch Prüfungen oder Berechnungen ermittelt wurden. Ob die Werte auch von einem „normalen“ Serienfenster erreicht werden, unterliegt der alleinigen Verantwortung des Herstellers. Was passieren kann, wenn eine wirksame externe und unabhängige Kontrolle fehlt, wurde gerade in der Automobilbranche sichtbar. Bei der Festlegung und Ausschreibung können Qualitätszeichen unterstützen, die eine geprüfte und überwachte Qualität und Gebrauchstauglichkeit bieten. Qualitätsfenster kann man am RAL-Zeichen oder dem ift-Qualitätszeichen erkennen, bei der Fenster beispielsweise 15000 Öffnungs- und Schließzyklen mängelfrei überstehen müssen – ein guter Garant für Langlebigkeit und Gebrauchstauglichkeit.

 

Entscheidend: Die richtige Montage der Fenster

Als letztes Glied in der „Qualitätskette“ entscheidet die Montage darüber, ob die zugesicherten Leistungseigenschaften erfüllt werden. Eine gute Montage beginnt mit einer fachgerechten Planung von Montagedetails, die zum Fenster, den Abmessungen und der Einbausituation passen. Dazu gehören die Auswahl geeigneter und geprüfter Befes-
tigungs- und Abdichtungssysteme sowie deren fachgerechte Verarbeitung. Deshalb hat die Qualifikation des Montagebetriebs eine große Bedeutung – unabhängig davon, ob die Montage über den Bauherren, Architekten, Hersteller oder den Händler beauftragt wird.

Moderne Fenster Verglasung

Moderne Fenster erreichen mit Dreifach-Verglasung sehr gute U-Werte von 0,6 W/m2K, bei gleichzeitig gutem g-Wert (Energiedurchlassgrad). Dank eines hohen Lichttransmissionswertes wird die Farbwahrnehmung nicht verfälscht. Foto: Uniglas

Fenster können grundsätzlich in allen Bereichen der Außenwand montiert werden. Aus konstruktiven, statischen und bauphysikalischen Gründen ist die günstigste Einbaulage der Bereich von der äußeren Mauerkante bis zum ersten Drittel der Dämmzone. Die außen bündige Montage mag architektonisch wünschenswert sein, birgt aber ein hohes Schadensrisiko und führt zu höheren Kosten bei der Befestigung und Abdichtung. Für die Befestigung vor der tragenden Außenwand müssen zugelassene und geprüfte Konsolen oder Montagezargen verwendet werden. Ansonsten „sinkt“ das Fenster durch die Eigenlast und die Nutzung nach unten und die Befestigung lockert sich. Das gleiche gilt auch für die Befestigung in Wänden aus hoch wärmedämmenden Mauerziegeln, bei denen die Ziegelwände so dünn sind, dass übliche Befestigungsmittel kaum halten. Deshalb sollte man bei Ausschreibung und Ausführung darauf achten, dass der Maurer spezielle Leibungssteine mit höherer Festigkeit verwendet. Sonst kann es in beiden Fällen zum „Wackeln“ und im schlimmsten Fall zum Herausfallen der Fenster kommen.

(aus der Zeitschrift Effizienzhäuser 10/11-2017)

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