Die Kosten im Blick: 8 Tipps zur Fertighaus-Bemusterung

Bemusterung eines Fertighaus
Bodenbeläge, Zimmmertüren, Treppen etc. - für alle Bereiche der Hausausstattung finden Bauherren Muster zum Anfassen. Foto: Peter Horch GmbH

Bei der Bemusterung im Rahmen des Hausbaus haben Sie als Bauherren einiges zu beachten und treffen wichtige Entscheidungen: Diese sind mit erheblichen Kosten verbunden und werden Sie viele Jahre begleiten. Ein bis zwei Tage lang dürfen Sie im Bemusterungszentrum des Herstellers unter fachkundiger Begleitung die Ausstattung ihrer Wahl aussuchen – von den Bodenbelägen über die Sanitärobjekte bis hin zur Dacheindeckung. Wir erläutern die zentralen Punkte: Wo lauern Mehrkosten und Kostenfallen? Wie bereiten Sie sich richtig vor auf die Bemusterung Ihres Fertighauses? Was ist wichtig beim Termin vor Ort und bei der Ausstattung?

Wann findet die Bemusterung statt?

Der Traum vom Eigenheim wird greifbar: Die Pläne für das neue Zuhause sind fertig. Die erste Rate ist bezahlt – doch bis jetzt existiert es nur auf dem Papier. Nun steht die Bemusterung an. Zu diesem perfekt durchorganisierten Termin laden Fertighaus-Anbieter die Bauherren in ein voll ausgestattetes Bemusterungszentrum ein. Dort können Sie alle verfügbaren Produkte anschauen und anfassen. Dabei suchen Sie alle variablen Baubestandteile aus. Vom Dachziegel und der Fassadengestaltung, über die Boden- und Wandbeläge, bis hin zur letzten Steckdose: Hier werden Ausstattungsprodukte, Form, Farben und Material festgelegt. Das ist ganz wichtig, denn ein Produktbild im Katalog sagt in der Regel wenig über Material und die Qualität der Produkte aus.

Der Besuch eines Musterhausparks ist eine gute Gelegenheit, um sich über den Einrichtungsstil einig zu werden. Hier können Sie die verschiedenen Ausstattungen besichtigen. Überlegen Sie sich vorab, wie Sie Möbel und andere Bestandteile der Inneneinrichtung positionieren. Prüfen Sie zudem, ob die vorgegebene Anzahl an Schaltern und Steckdosen ausreichend ist. Lesen Sie sich am besten die Bau- und Leistungsbeschreibung Ihres Herstellers durch. Hier erfahren Sie Folgendes: Was enthält die Standard-Ausstattung Ihres Hauses und wie setzen sich die Kosten zusammen. Dabei schadet es nicht, wenn Sie mit einem finanziellen Spielraum in die Bemusterung gehen. Die vorab beschlossene Obergrenze sollten Sie einhalten.

Vorbemusterung: ja oder nein?

Die Vorbemusterung vor Vertragsabschluss dient dazu, sich einen Überblick über die Ausstattung des Herstellers zu machen. So können Sie klären, ob der Standard den eigenen Ansprüchen genügt. Zusätzlich sollten Sie die Bau- und Leistungsbeschreibung genau studieren. So wissen Sie, was tatsächlich im Preis enthalten ist und wo Sie sparen oder drauflegen müssen. Vor bösen Überraschungen am Bemusterungstag sind Sie dann sicher. Die tatsächliche Möblierung sollten Sie in den Grundrissen einzeichnen. So lässt sich am einfachsten überprüfen, wo Schalter und Steckdosen sitzen müssen und ob die im Standard angegebene Menge ausreicht. Bei fest verbauten Produkten gilt: Machen Sie keine Abstriche bei der Qualität.

Was bedeutet die Bemusterung beim Hausbau?

Nun kann der Hausbau endlich losgehen! Die Bemusterung ist für jede Baufamilie ein ganz besonderer Tag. Ihr lang geplantes Hausbau-Projekt wird nun zunehmend realer. Ab diesem Zeitpunkt entscheidet Sie über das Aussehen ihres Eigenheims. Im Bemusterungszentrum des Fertighausherstellers legen Sie unter anderem folgende Ausstattungen fest: Dachziegel, Außenfassade, Fenster, Bodenbeläge, Sanitärobjekte bis hin zu den Lichtschaltern.

Der Fachberater hat sich im besten Fall vorher genau in die Pläne eingearbeitet und wird sich ein oder zwei Tage nur mit ihrem Bauvorhaben beschäftigen – eine luxuriöse Beratungssituation. Bei der Firma Hoch Baustoffe wird beispielsweise ein Collagentisch angelegt. An dem sehen Sie die ausgewählten Produkte immer nebeneinander. Gleichzeitig wird ein Raumbuch angefertigt, in dem das Ausgewählte aufgeführt ist. Simultan läuft eine Mehr- und Minderkostenberechnung mit, sodass der aktuelle Kostenrahmen immer ersichtlich ist.

Fertighaus Bemusterung im Hersteller-Bemusterungszentrum. Bild: Viebrockhaus
Fertighaus Bemusterung im Hersteller-Bemusterungszentrum. Bild: Viebrockhaus

Wie lange dauert eine Bemusterung?

Die Bemusterung dauert bei einem Effizienzhaus zwischen einem und zwei Tagen. Teilweise gliedern Hersteller sie auch in mehrere Tage. Sie findet im Bemusterungszentrum des Fertighausherstellers statt. Wenn Sie als Baufamilie eine weite Anreise haben, übernimmt der Hersteller häufig die Kosten für Hotelübernachtung und Verpflegung. Bei der Bemusterung sind absolute Konzentration und Durchhaltevermögen gefragt. Daher bieten viele Hersteller eine Kinderbetreuung an. In welchem Rahmen dies bei Ihrem Hersteller der Fall ist, sollten Sie im Vorfeld abklären.

Kostenfalle bei der Bemusterung?

Die Elektro-Ausstattung stellt in vielen Fällen eine immense Kostenfalle dar. Im Standartpreis ist für gewöhnlich nur die Mindestausstattung nach DIN enthalten. Zum Beispiel ist oft die Anzahl an Steckdosen in der Küche vom Hersteller knapp bemessen. Tipp: Hier sollten Sie überlegen, ob Ihnen die Standardanzahl ausreicht. Zur empfohlenen Elektro-Ausstattung gibt es diverse Checklisten.

Was ist eine Aufbemusterung?

Wenn Ihnen der vom Hersteller angebotene Ausstattungsstandard nicht reicht und Sie sich für teurere Produkte entscheiden, nennt sich dies Aufbemustern. In diesem Fall sollte Ihnen ihr Fachberater direkt den neuen Gesamtpreis für das Haus nennen.

Alles eine Frage des Stils

Stil ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für die Ausstattung sollten Sie folgende allgemeingültige Tipps beachten, wenn Sie sich in Ihrem Zuhause lange wohlfühlen wollen: Zweckmäßig und langlebig ist ein zeitloser Stil, der keinen modischen Trends unterworfen ist. Wenn Sie sich einig sind, ob es Landhausstil oder Klassische Moderne sein soll, geht die Auswahl konfliktfreier vonstatten. Hilfreich kann es sein, vorher in Magazinen Fotos von Innenräumen zu sammeln und diese zur Bemusterung mitzubringen. Sparen Sie nicht an Qualität und verwenden Sie nicht zu viele unterschiedliche Materialien und Farben. Beschränken Sie sich möglichst auf eine Holzart. Achten Sie bei der Bemusterung darauf, dass ein gutes Gesamtbild entsteht. Farbakzente können Sie später noch setzen.

Sollten bei der Auswahl wirklich einmal Meinungsverschiedenheiten auftauchen, klären Sie diese in einer Auszeit. Bei den Boden- und Wandbelägen lohnt sich ein höherer Zeiteinsatz. Sie prägen die spätere Raumwirkung zu einem wesentlichen Teil. Im Zweifelsfall sollten Sie bei schwer ersetzbaren Bodenbelägen und Fliesen, lieber etwas Hochwertigeres und Klassisches wählen. Weiße Wände machen sich für den Anfang gut. Akzente können Sie nachträglich über Accessoires setzen, die leichter auszutauschen sind als Fliesen mit Zebra-Muster.

Was ist eine Abbemusterung?

Beim Abbemustern nehmen Sie einzelne Leistungen des Ausbaupakets heraus. Zum Beispiel wenn Sie sich als Elektriker dazu entscheiden, die Elektroinstallation selbst vorzunehmen. Oder wenn Sie bestimmte Fliesen im Bad haben möchten. Hier sollten Sie Qualität und Preise des Herstellers mit denen im Baufachhandel vergleichen. So fällt es Ihnen leichter, das Angebot bei der Bemusterung zu beurteilen. Entscheidend ist, dass die Qualität im Standard stimmt und keine Billigprodukte angeboten werden. Das kann sich ein Fertighaushersteller aber in der Regel nicht leisten. Da die Hersteller durch den Großmengeneinkauf günstigere Preise bekommen, gibt es hier hochwertige Produkte oft billiger als im Baumarkt. Wer einzelne Posten aus dem Leistungsumfang des Fertighausanbieters herausnimmt, sollte das Gewünschte woanders zweifelsfrei preiswerter bekommen.

Ein guter Berater gibt allgemeine Tipps zur Gestaltung und hilft bei sachlichen und fachlichen Entscheidungen. Er erkennt auch wenn sich durch Änderungen von Ausstattungspunkten Fehler oder notwendige Planänderungen ergeben. Bei vielen Herstellern ist die Küchenplanung, die Haustechnik und die Außengestaltung schon vor dem eigentlichen Bemusterungstermin festgelegt. Denn hier können sich genehmigungsrelevante oder technische Änderungen ergeben.

Energiestandard spart langfristig

Auch wenn es anfangs nach Mehrkosten aussieht. Bei der Energieeffizienz sollten Sie nicht sparen. Denn es ist wichtig, dass Sie auf einen hohen Energiestandard achten. Das zahlt sich langfristig aus, da es die Wohnkosten in den nächsten Jahren beeinflusst. Die dadurch entstehenden Mehrkosten holen Sie über eine KfW-Förderung zurück.

Bemusterungsprotokoll genau prüfen

Viele Fertighaushersteller bieten eigene Checklisten für ihre Häuser an. Fragen Sie am besten direkt bei Ihrem Hersteller nach. Bereiche, die bei der Bemusterung durchgesprochen werden, sind: Dach, Fassade, Bodenbeläge, Sanitäranlagen, Wandgestaltung, Türen, Fenster, Treppen, Geländer und Elektroausstattung. Während des Termins vor Ort füllt der Fachplaner des Herstellers ein Bemusterungsprotokoll aus. Lesen Sie dieses sorgfältig durch und setzen Sie den Hersteller über mögliche Fehler in Kenntnis. Am Ende des Tages unterschreiben Sie das Bemusterungsprotokoll, die eventuell geänderten Pläne und die Bausumme neu. Danach kann das Haus in die Produktion gehen.

Alles auf einen Blick: Checkliste Bemusterung

Vor der Bemusterung Beim Bemusterungstermin
Musterhauspark besuchenAuswahl von:
Für einen Stil entscheidenFassadenelementen
Im Baumarkt über mögliche Ausstattungen informierenDachelementen
Fliesen- und Sanitärspezialisten besuchenBodenbeläge (nehmen Sie sich Zeit)
Gesamtpreis ermittelnTüren und Fenster
Finanziellen Spielraum und Obergrenze festlegenTreppen und Geländern
Finanzierung sicherstellenSanitäranlagen -- Bemusterung Badezimmer
Anreise planenWandgestaltung (nehmen Sie sich Zeit)
Eventuell VorbemusterungEventuell Heizung und Heizkörper
Überlegen, ob man Leistungen selbst übernimmtElektro-Ausstattung
Energiestandard festlegen, eventuell KfW-Förderung beantragenAm Ende des Termins: Bemusterungsprotokoll durchgehen
Bau- und Leistungsbeschreibung lesenBei Unsicherheit: Auszeit nehmen 
Möblierung im Grundriss einzeichnen 
Standard-Ausstattung oder aufbemustern 

Video: Bemusterung beim Fertighaus: Tipps für die Ausstattung und Kostenfallen

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