Renovieren oder richtig modernisieren: Eine Entscheidungshilfe

Irgendwann stellt sich bei jedem Haus die Frage, ob man nur schnell renovieren oder gleich umfassend modernisieren sollte. Bild: James Baldwin / unsplash.com

Auch das schönste Fertighaus kommt irgendwann in die Jahre, selbst wenn man es behutsam bewohnt. Gegen UV-Strahlen, Wind, Wetter, Materialalterung und auch die Abnutzungserscheinungen eines ganz normalen Lebens kann man praktisch nichts tun. Für die meisten Hausbesitzer stellt sich dann die Frage, wie sie vorgehen sollen: Einfach nur renovierend auffrischen, also mit Farbe, Tapete und Co. loslegen oder gleich in die Vollen gehen und eine richtige Modernisierung vollziehen? Der folgende Artikel hilft mit 5 Fragen, darauf eine Antwort zu finden.

1. Wie zufrieden bin ich mit dem Ist-Zustand?

Wer unsere Marktübersichten nutzt, wer sich gut überlegt, welche architektonischen Details er wünscht und braucht, wer viel vergleicht und dabei keine Kompromiss eingeht, lebt in einem Haus, das ihn im höchsten Maß zufriedenstellt. Aber: Es ist eine Tatsache, dass viele Hausbesitzer nach einigen Jahren gewisse Änderungswünsche verspüren – „wenn ich nochmal müsste, würde ich es anders machen“ ist ein Satz, der es gut zusammenfasst.

Das hat nur sehr selten damit zu tun, dass das Haus nicht hundertprozentig wäre. Viel mehr damit, dass sich mit der Zeit häufig die Geschmäcker ändern, sich Schwerpunkte verlagern, neue Neigungen hervorkommen, Trends sich ändern – der Mensch befindet sich immer in einem gewissen Wandel, davon bleibt auch sein Heim nicht unberührt.

Bloß empfindet jeder Mensch diese Tatsache mehr oder weniger stark. Die große Frage, die man sich stellen sollte, ist deshalb die, wie zufrieden man mit dem Ist-Zustand noch ist. Wenn es sich nur um Detailänderungen handelt, muss man natürlich keine umfangreiche Modernisierung angehen. Wo es aber tatsächlich tiefgreifendere Änderungswünsche gibt, sollte man den bestehenden Renovierungsbedarf zum Anlass nehmen.

2. Was darf es kosten?

Natürlich, die Kostenfrage ist für die meisten Menschen ein zentraler Punkt bei der Frage nach Renovierung oder Modernisierung. Einige Rollen Tapete, Farbeimer, vielleicht eine neue Arbeitsplatte für die Küche und ein paar neue Lichtschalterblenden, das können die meisten aus dem eigenen Budget bestreiten.

Aber wenn es um neue Böden geht, mehr Energieeffizienz, vielleicht eine umfassende smarte Integration oder eine neue Küche, liegen die Kosten naturgemäß höher. In dem Fall empfiehlt es sich, sich nach den Konditionen für einen Modernisierungskredit zu erkundigen. Einen Vergleich mehrerer Anbieter gibt es auf dem Portal smava. Der Vorteil: Dadurch, dass ein solcher Kredit zweckgebunden ist, liefert er grundsätzlich günstigere Konditionen als ein regulärer Kredit.

Zudem sollte man hinsichtlich der geplanten Änderungen auch eruieren, in wieweit man für eventuelle Zuzahlungen durch die KfW oder auch Landes- bzw. Bundesprogramme infrage kommt.

3. Wie zukunftstauglich ist das Haus?

Sämtliche Fertighäuser, die in den vergangenen Jahrzehnten errichtet wurden, sind problemlos für hundert und mehr Lebensjahre gut. Allerdings ist es natürlich auch eine Tatsache, dass es neben dieser konkreten Zukunftstauglichkeit auch eine technische Zukunftstauglichkeit gibt.

Das gilt ganz besonders hinsichtlich der Energetik. Die Leistungen von Dämmungen, die Energieeffizienz von Heizungen und anderen Installationen. Das alles hat in den vergangenen Jahren wahre Quantensprünge erlebt.

An diesem Punkt muss man eruieren, auf welchem Niveau das Haus in seinem Errichtungszeitraum war: Konnte es die damaligen Anforderungen spielend über-erfüllen? Dann darf man vielfach davon ausgehen, dass es auch heute noch auf einem zumindest ausreichenden Niveau ist.  

Wer aber beispielsweise 2005 ein Haus errichtete, dass die Vorgaben der damals gültigen EnEV 2002 gerade eben erfüllte, muss damit rechnen, dass durch die seitdem stattgefundenen Entwicklungen gewaltiges Nachbesserungspotenzial besteht.

Letzten Endes sollte der energetische Part dieser Frage aber nicht aus dem Bauch heraus entschieden werden, sondern nach gründlicher Überprüfung durch einen zertifizierten Energieberater – dazu gibt es ein spezielles Förderungsprogramm, die Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude, durch die ein Gutteil der Beratungskosten vom Staat getragen werden. 

4. Wie sehr hat sich mein Leben gewandelt?

Ursprünglich wurde das Haus für zwei Eltern und ebenso viele Kinder geplant und gebaut. Jetzt leben darin vielleicht drei Kids mit nur einem Elternteil, weil es eine Trennung gab. Dafür ist aber ein Großelternteil eingezogen. Oder auch das: Man hat das Haus für zwei Eltern und Kinder gebaut, die sind aber nun zwecks Ausbildung ausgezogen und haben leere Räume hinterlassen, die dennoch beheizt und gereinigt werden müssen.

Fälle wie diese gibt es Jahr für Jahr zuhauf und in unzähligen Variationen. Sie sorgen immer dafür, dass ein Haus weniger passt, weniger genügt, weil das Umfeld, für das es geplant wurde, sich so rapide gewandelt hat. 

Viele moderne Fertighäuser, vor allem solche, die mit offenem Wohnkonzept errichtet wurden, können sich solchen Änderungen im Leben recht gut anpassen. Doch auch sie haben ihre Grenzen. Hier sollte ehrlich eruiert werden, wie sehr das bestehende Haus noch den Lebens-Notwendigkeiten seiner Bewohner entspricht. Das ist etwas, das weit über die reine Geschmacksfrage hinausgeht und bedingt auch, noch weiter in die Zukunft zu blicken – wenn der Nachwuchs absehbar im nächsten Jahr ausziehen wird, wäre es mutmaßlich verschwendetes Geld, jetzt noch zu renovieren, wenn man dann sowieso modernisieren muss.

Hier benötigt es Augenmaß. Aber auch keine Scheu. Auch an Fertighäusern sind An- und größere Umbauten problemlos durchführbar, am besten in Zusammenarbeit mit der ehemals errichtenden Firma – dann passt es nämlich auch stilistisch wieder so gut wie zu Anfang.

5. Wie viel Restnutzungsdauer steckt noch in den Einbauten?

Würde man eine Heizungsanlage für mehrere tausend Euro erneuern, für die es zwar effizientere Nachfolger gäbe, die aber von ihrer auf 30 Jahre begrenzten Lebensdauer noch rund zehn Jahre entfernt ist? Aus finanzieller Sicht wäre das bestenfalls ein Wagnis. Denn die neue Heizung müsste schon ganz enorm sparsamer sein, damit sich ihre Anschaffungskosten gegenüber einem Weiterbetrieb rasch amortisieren.

Ganz ähnlich sieht es auch bei praktisch allem aus, was sich zwischen Kellerboden und Dacheindeckung findet. Alles davon hat eine recht konkrete Lebensdauer. Sie zu kennen, ist die Basis für alles andere.

Doch wann sollte man wirklich umfassend modernisieren? Dazu gibt es leider keine festen Regeln, nur einen guten Rat: Bevor man sich für ein Vorgehen pro oder contra entscheidet, sollte man genau vergleichen…

  1. …welche Unterhaltskosten ein bestehender Einbau durch Beibehalten verursacht;
  2. …welchen zusätzlichen Aufwand ein späteres Austauschen gegenüber dem jetzigen bedeuten würde;
  3. …welche Kosten der Austausch jetzt aufrufen würde.

Als Beispiel: Wenn man sowieso neu tapeziert und streicht, wäre es sicher vom reinen Aufwand her sinnvoll, auch Lichtschalter und Steckdosen tauschen zu lassen, damit die neuen Stücke sich bestens in die neue Wandgestaltung einfügen. Da diese neuen Elemente jedoch einen gewissen Preis haben – nicht nur bei ausgesprochener Designerware – sollte man gut rechnen, ob ein Weiterbetrieb bis zum „echten“ Lebensende und ein Austausch dann nicht langfristig günstiger wäre und/oder weniger Aufwand bedeutet.

Die Antwort hierauf kann man letzten Endes nur mit dem Taschenrechner geben – und natürlich mit etwas Bauchgefühl.

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