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Beliebtes Duo: Gasbrennwert + Solaranlage

28.02.2018

Trotz der verstärkten Wärmepumpen-Konkurrenz behauptet sich Erdgas mit Abstand als Energieträger Nummer eins im Neubau. Die Gasbrennwertheizungen sind hier in der Regel mit einer Solarthermieanlage kombiniert. Wir erläutern die Gründe dafür und worauf Baufamilien achten sollten.

Kompakte Gasbrennwert-Zentralen vereinen Heizgerät und (Solar-)Speicher unter einer Haube. Foto: Junkers
Kompakte Gasbrennwert-Zentralen vereinen Heizgerät und (Solar-)Speicher unter einer Haube. www.junkers.com

Entsprechend den europäischen Vorgaben sollen ab dem Jahr 2021 nur noch Niedrigstenergiehäuser gebaut werden dürfen. Bis dahin müssen die Mitgliedsstaaten festlegen, wie sie den neuen Standard definieren. Um dieses Ziel zu erreichen, verschärft die Bundesregierung längst schon regelmäßig die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV), was wesentlichen Einfluss auf die Auswahl des Heizsystems hat. Zudem schreibt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) den anteiligen Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Heizwärmebereitstellung vor. Allerdings kann der Bauherr diese Pflicht auch mit Ersatzmaßnahmen, wie zum Beispiel mit einer verstärkten Wärmedämmung, erfüllen.

47 Prozent der Baufamilien setzen auf Gasbrenntwertheizungen

Obwohl sich die genannten Vorgaben mit einem Wärmepumpenheizsystem bequem erfüllen lassen, entschieden sich im letzten Jahr immer noch 47 Prozent aller Baufamilien für ein Gas-Heizsystem. Ob und welche bautechnischen Zusatzmaßnahmen dadurch notwendig werden, ermittelt der Architekt anhand der konkreten Objektdaten. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Aufwand umso geringer wird, je höher der energetische Standard des Hauses ist. So kann zum Beispiel bei einem KfW-Effizienzhaus 55-Standard die Kombination von Gas-Brennwertgerät mit einer Solarthermieanlage die Vorgaben durchaus erfüllen. Ebenfalls vorteilhaft wirkt es sich aus, wenn im Haus eine kontrollierte Wohnungslüftungsanlage oder ein wasserführender Kaminofen installiert ist.

Warum Wandgeräte mit Brennwert beliebt sind

Zum einen ist der Umgang mit Erdgas sehr bequem, weil es bei Bedarf per Leitung ins Haus kommt und deshalb keine Lagerfläche beansprucht. Viele Hausbesitzer nutzen das Brenngas zusätzlich für den Küchenherd. Vorteilhaft ist zudem, dass die technisch ausgereiften Wärmeerzeuger wenig Platz beanspruchen, weil alle zum Betrieb notwendigen Bauteile platzsparend unter dem Gehäuse integriert sind. Moderne Gasbrenner arbeiten umweltfreundlich und energiesparend, weil sie ihre Heizleistung stufenlos selbst an einen sehr niedrigen Wärmebedarf anpassen können.

Da die kompakten Heizgeräte auch optisch ansprechend und vor allem leise sind, ergibt sich eine hohe Flexibilität bezüglich des Montageorts: Sie lassen sich in Häusern ohne Keller auch im Bad, Abstell- und Hausarbeitsraum sowie in einem Flur- oder Küchenschrank platzieren – inklusive eines speziellen (Solar-)Speichers. Wird das Brennwertgerät übrigens direkt unterm Dach montiert, darf das Abgas mit einem geeigneten Rohr auch direkt, also ohne Schornsteinanschluss, ins Freie geführt werden. Bei der Produktauswahl sollten Bauherren auch auf den Funktionsumfang und die leichte Bedienbarkeit des Regelgeräts achten. Im Trend liegt die Möglichkeit, das Heizsystem per WLAN ins heimische Netzwerk einzubinden, um es per PC oder App aus der Ferne einstellen, bedienen und überwachen zu können. Ein neuer Online-Leitfaden von co2online unterstützt Hauseigentümer Schritt für Schritt auf ihrem Weg zur eigenen Solarthermieanlage mit konkreten Verbraucher-Erfahrungen, Expertentipps und Hintergrundinformationen – von der Planung, über die Installation bis hin zur Wartung und zum Monitoring.

So funktioniert die Sonnen-Ernte optimal

Um die Vorgaben von EnEV und EEWärmeG zu erfüllen, entscheiden sich die meisten Architekten, Fertighausanbieter und Baufamilien aus Rentabilitätsgründen für Solarthermiekollektoren als Partner des fossilen Brennwertgeräts. Als Sonnenfänger sind auf den meisten Hausdächern die rechteckigen Flachkollektoren zu sehen. Aus Kostengründen werden sie in der Regel oberhalb der Dachsteine montiert. Optisch attraktiver sind Indachanlagen, welche der Fachmann in die Dachhaut integriert.

Vakuumkollektoren lassen sich optimal zur Sonne ausrichten. Foto: www.sonnigeheizung.de
Vorteilhaft beim Einsatz von Vakuumröhrenkollektoren ist es, dass sie sich auch an senkrechten Flächen montieren und optimal zur Sonne ausrichten lassen. www.sonnigeheizung.de

Alternativ gibt es Vakuumröhrenkollektoren, die technisch bedingt über eine höhere Leistung verfügen, aber deutlich teurer sind. Vorteilhaft ist, dass sich die einzelnen Röhren drehen und so ideal zur Sonne ausrichten lassen. Aus diesem Grund können sie auch senkrecht an der Hauswand oder waagerecht auf einem Flachdach montiert werden. Um mit Flachkollektoren hohe Solarerträge zu ernten, ist eine genau nach Süden oder eine zwischen Südost und Südwest ausgerichtete Dachfläche am besten geeignet. Falls eine Solarthermieanlage nur die Trinkwassererwärmung (hauptsächlich während der Sommermonate) übernehmen soll, empfiehlt sich ein Neigungswinkel von rund 30 bis 50 Grad. Steht die Funktion der Heizungsunterstützung im Vordergrund, die meist im Frühjahr und Herbst genutzt wird, ist eine Neigung von rund 45 bis 70 Grad besser, um die sommerlichen Wärmeüberschüsse zu reduzieren. Die von den Kollektoren auf dem Dach eingefangene Wärme wird über den Solarkreislauf, der aus zwei wärmegedämmten Rohrleitungen besteht, zum Solarspeicher transportiert. Im Inneren der Leitungen zirkuliert dazu eine frostsichere Solarflüssigkeit, die die Sonnenenergie über einen Wärmetauscher an das Wasser im Speicher abgibt. Und eine Solarpumpe hält den Kreislauf vom und zum Dach in Schwung, aber nur dann, wenn es ein Solarwärmeangebot gibt.

Die erneuerbare Solarwärme lässt sich zur Warmwasserbereitung und ergänzend zur Heizungsunterstützung nutzen. Wichtig ist bei beiden Varianten, dass das erwärmte Wasser in einem ausreichend großen und sehr gut wärmegedämmten Warmwasser-, Puffer- oder Kombi-Speicher zwischengelagert wird. Mit Blick auf die Energiebilanz heben sich besonders die solaroptimierten Speichermodelle mit speziellen Schichtladeeinrichtungen hervor. Mitentscheidend dafür, dass der Gasverbrauch später möglichst niedrig ausfällt, ist ein intelligentes Regelsystem, welches der kostenfreien und umweltfreundlichen Solarwärme immer den Vorrang bei der Bereitstellung von Warmwasser und Heizwärme einräumt. Hilfreich sind Regelgeräte mit energetischen Auswertungs- und Bilanzierungs-Funktionen, welche die empfehlenswerte regelmäßige Kontrolle des Solarertrags erleichtern. Dadurch können die Hausbewohner eventuelle Mindererträge durch Defekte oder Anlagenstörungen zeitnah erkennen und sie vom Fachmann beheben lassen.Qualitativ hochwertige sowie fachgerecht geplante und installierte Solarkollektoren können selbst nach über 25 Jahren noch kostenlose und umweltfreundliche Wärme produzieren. Solarsysteme sind relativ wartungsarm. Es empfiehlt sich dennoch, einen Fachmann regelmäßig, zum Beispiel in Verbindung mit der Heizungswartung, vor allem den Anlagendruck und den Zustand der Solarflüssigkeit überprüfen zu lassen.

Gas und Sonne als Preis-Leistungs-Sieger

So schneidet die Rentabilität von Gasheizsystemen mit Solarthermieanlagen im Vergleich zu anderen Heizsystemen ab: Das fossil-erneuerbare Duo gehört bei Vergleichsrechnungen, welche die Investitions-, Wartungs- und Verbrauchskosten berücksichtigen, derzeit zu den günstigsten Heizlösungen. Es liegt dabei auf Augenhöhe mit den immer beliebteren Luft-Wasser-Wärmepumpensystemen, sofern diese nicht mit viel Solarstrom vom eigenen Dachkraftwerk versorgt werden. (Dipl.-Ing. Jürgen Wendnagel)          

(aus der Zeitschrift profertighaus 3/4-2018)



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