Elektroinstallation: Heute für morgen Planen

Elektroinstallation: Heute für morgen Planen
Foto: ABB

Die Technik im Haus entwickelt sich ständig weiter. Deshalb lohnt es sich, bei der Elektroplanung ein paar Jahre voraus zu denken. Für eine Elektroinstallation, die auch in fünf bis zehn Jahren noch modern ist.

Eines sollte bei der Entscheidung für das neue Haus klar sein: Ihr Haus wird das Beste aller Zeiten. Dabei gibt es Bereiche wie etwa die Architektur, die Wohnfläche oder die Raumaufteilung, in denen Sie individuell für sich entscheiden, was für Sie das Beste ist. Auch in technischen Fragen wie etwa der Elektroplanung gibt es viele Möglichkeiten, sein Haus optimal auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Gerade in der Elektroinstallation ist aber unabhängig von persönlichen Vorlieben auf einige objektive Punkte zu achten.

Das schönste Haus mit dem besten Grundriss macht wenig Freude, wenn Sie in wenigen Jahren einzelne Stromleitungen oder Netzwerkverbindungen nachrüsten müssen. Achten Sie bei der Planung der Elektroinstallation daher nicht nur auf aktuelle Anforderungen, sondern schauen Sie auch ein paar Jahre voraus. Die folgenden Tipps und Beispiele helfen bei der zeitgemäßen Elektroplanung.

Standards für eine vergleichbare Elektroinstallation

Für die allgemeine Elektroplanung gibt es klare Vorgaben, die in Baustandards definiert wurden. Die „HEA Fachgemeinschaft effiziente Energieanwendungen e.V.“ hat drei mögliche Ausbaustufen für die Elektroinstallation in Wohnhäusern in der RAL RG 678 definiert. Die Einfachste dieser Vorgaben – ein Stern, für „Mindestausstattung“ – entspricht der Deutschen DIN-Norm 1805-2 für die Ausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden. Die Stufen darüber (Standard- und Komfortausstattung) sehen mehr elektrische Verbraucher, Lichtauslässe und Kommunikationsanschlüsse in den verschiedenen Wohn- und Nutzräumen vor.

Moderne Schaltschränke bei der Elektroinstallation
Technikzentrale der modernen Elektroinstallation mit integrierter TV- und Netzwerkverteilung | Foto: Hager

Darüber hinaus beschreiben die Vorgaben wahlweise eine klassische Elektroinstallation mit fest verdrahteten Schaltern, eine Vorbereitung oder die komplette Ausrüstung des Hauses mit Smarthome-Technik. Die zugehörigen Ausstattungswerte für die Elektroplanung sind unter www.hea.de kostenlos zu haben. Sie geben Bauherren einen guten Anhaltspunkt für die Elektroplanung. Sie können mit der zugehörigen Raumliste dem Elektriker recht einfach Vorgaben machen und verschiedene Angebote anhand des definierten Ausstattungsniveaus vergleichen.

Welches Niveau passt?

Allerdings bildet keine Ausstattungsnorm exakt Ihr Leben im eigenen Haus ab. Deshalb sollten sich Bauherren gerade bei der Elektroplanung selbst überlegen, welche Geräte, Hobbys und sonstigen Verbraucher sie in den verschiedenen Zimmern des Hauses betreiben und einsetzen.

Zunächst betrifft das die klassische Elektroinstallation: Im Neubau oder bei einer Grundsanierung sollten Sie so viele Steckdosen planen, dass zunächst keine Mehrfachsteckerleisten notwendig sind. Für eine Audio-Video-Anlage im Wohnzimmer sehen Sie in der Elektroplanung genügend Steckdosen hinter dem TV-Rack vor. Das werden schnell sechs oder mehr, wenn neben dem Fernseher ein Blu-ray-Player, eine Streamingbox, der Heimkino-Verstärker und eine Spielkonsole mitspielen. Kommen noch die Ladestation einer Universal-Fernbedienung und ein Netzwerk-Verteiler dazu, dann reicht die Zahl an Steckdosen nicht mehr aus.

Netzwerk und TV-Verteilung

Apropos Netzwerk: Auch die Medien- und Netzwerverteilung zählt zur Elektroinstallation. Seitdem Netflix, Youtube und andere Onlinedienste den Alltag bestimmen, sind ein oder zwei Netzwerkkabel ins Wohnzimmer Pflicht. Videos und Musik lassen sich zwar auch per WLAN verteilen.

Streamindienste bestimmen den Alltag
Streamingdienste wie Netflix, Youtube oder Amazon Prime gehören zum Alltag | Foto: Netflix

Doch je mehr Geräte das Funknetzwerk nutzen, desto langsamer wird es. Fest installierte Geräte wie Streamingboxen oder Smart-TVs solltenSie daher per Kabel anbinden. Zusätzlich gehört zum Fernseher wie bisher der Koax Antennen-, Kabel- oder Sat-Anschluss. TV- und Netzwerkverteiler werden immer häufiger zusammen mit der übrigen Elektrik in einem Technikschrank zusammengefasst.

Raum für Raum planen

Auf diese Weise bestücken Sie Schritt für Schritt jedes Zimmer mit der notwendigen Elektroinstallation. In das Arbeits- oder Computerzimmer gehören ebenfalls Netzwerkbuchsen und genug Stromanschlüsse pro Rechner: Jeweils mindestens drei Steckdosen für PC, Bildschirm und Drucker. Spannend wird die Elektroplanung in Räumen, die über die Jahre hinweg ihre Bestimmung ändern – etwa im Kinderzimmer. Hier kann es sinnvoll sein, auf Zuwachs zu planen.

In Küche und Bad lassen sich Teile der Elektroinstallation in Möbeln verstecken (siehe oben). Das ist praktisch, wenn wechselnde Geräte Strom benötigen: der Toaster und der Eierkocher zum Früchstück, der Zauberstab für den Nachtisch am Abend. Das schlägt Ihnen nicht jeder Elektriker von sich aus vor, Solche integrierten Steckdosen bieten eher Küchen- und Badplaner an.

Clevere Details sparen Kabel

Denken Sie neben stationären Geräten in Wohnrämen auch an die Elektroinstallation für Ihren mobilen Gerätepark. In der Wohnung verteilte USB-Steckernetzteile in Wandsteckdosen sind nicht nur hässlich. Sie gehen auch leicht verloren. Mit integrierten USB-Ladedosen in der Wand schaffen Sie zentrale Orte, an denen die Smartphones der Familie auch mal Pause machen können. Für neuere Geräte mit integrierter induktiver Ladetechnik lassen sich Ladestationen auch in Regalböden oder Küchenarbeitsplatten integrieren. Sobald das Telefon auf dem Ladepunkt liegt, bekommt sein Akku frische Energie. In der Küche lädt es auf, während es auf der Arbeitsplatte liegt und Rezepte anzeigt. Für solche Extras muss die Küchen- und Elektroplanung Hand in Hand gehen.

Energie und Netzwerk

Zu guter Letzt ist Phantasie gefragt: An welchen weiteren Orten wird künftig Strom oder Datenverbindungen erforderlich sein? Viel Strom werden Sie über kurz oder lang in der Garage brauchen. Und Datenverbindungen werden im Zuge der Energiewende überall dort benötigt, wo viel Strom fließt. Große Stromverbraucher wie Elektroautos oder Wärmepumpen werden in einer wechselhaften Stromversorgung mit Wind- und Sonnenenergie zu nützlichen, flexiblen Speichern. Sofern ein Energiemanager solche Effekte vernetzt steuert.

Wann kommen Elektroautos?

Die E-Mobilität wird die Stromversorgung im Haus und im Stromnetz in den nächsten Jahren gründlich auf den Kopf stellen. Nach Studien der nationalen Plattform Elektromobilität werden rund 80 Prozent der Elektroautos zu Hause geladen. Das leuchtet ein, hier parken sie hier die ganze Nacht nahe einer Steckdose.

Das Laden von Elektroautos an der heimischen Wallbox wird in Zukunft der Standard sein | Foto: Audi

Das steigert den Stromverbrauch: Ein E-Golf benötigt rund 12,7 Kilowattstunden Strom pro 100 km – bei 20.000 km pro Jahr rund 2.500 kWh. Ohne Heizung und Warmwasserboiler entspricht das etwa dem Verbrauch eines Drei-Personen-Haushalts. Zum zügigen Laden ist in der Garage eine Ladestation (Wallbox) mit 11 Kilowatt (kW) Leistung, zum Schnellladen mit 22 kW notwendig. Dafür sind dreiphasige Stromanschlüsse mit 16- oder 32 Ampere-Absicherung notwendig.

Immer mehr Elektroautos bringen mehr Regelungsbedarf im ohnehin stark belasteten Stromnetz. Daher ist ein Netzwerkanschluss oder WLAN-Abdeckung in der Garage für die Verbindung zu einem Energiemanager sinnvoll. Der kann das E-Auto künftig über variable Tarife günstiger laden, wenn Sonnen- oder Windstrom im Stromnetz übrig ist.

Scroll to Top