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Energetischer Frühjahrsputz für das Haus: Vorbereiten auf die nächste Heizperiode

29.06.2016

Die aktuelle Heizperiode kann in Anbetracht stetig steigender Temperaturen als erledigt betrachtet werden und die Launen des Aprils gehören nicht nur kalendarisch der Vergangenheit an. Traditionell ist das die Zeit für einen gründlichen Hausputz – und zugleich eine gute Gelegenheit, die eigenen vier Wände womöglich auch in energetischer Hinsicht auf Vordermann zu bringen.

Das Frühjahr bietet sich an, um Schäden aus den Wintermonaten schnellstmöglich zu beheben – auch im Hinblick auf die nächste Kälteperiode. Foto: fotolia.com © roboriginal

Das Frühjahr bietet sich an, um Schäden aus den Wintermonaten schnellstmöglich zu beheben – auch im Hinblick auf die nächste Kälteperiode. Foto: fotolia.com © roboriginal

Schritt 1: Der Frühjahrscheck

Tatsächlich ist ein Frühjahrsputz in dem Ausmaß, in dem er in früheren Tagen vorgenommen wurde, heutzutage eigentlich nicht mehr notwendig. Mit den richtigen Haushaltsgeräten – und im Zweifelsfall unter Zuhilfenahme der chemischen Reinigung – ist ganzjährig für Sauberkeit gesorgt, aus psychologischer Sicht mag das systematische Reinigen aber weiterhin seine Berechtigung haben.

Die wiederum hat in jedem Fall eine gründliche Bestandsaufnahme der möglichen Schäden an der eigenen Immobilie. Unabhängig davon, welche Witterungsverhältnisse die Wintermonate mit sich gebracht haben, können verschiedene Schäden entstanden sein. Extrem niedrige Temperaturen lassen im ungünstigsten Fall Leitungen einfrieren, was in der Folge nicht nur Beschädigungen an diesen, sondern auch an den Mauern verursachen kann. Auf der anderen Seite kann ein – mittlerweile ja häufiger zu erlebender – milder und regnerischer Winter für eine Durchfeuchtung von Dächern und Fassaden sorgen.
Deswegen gilt es beim Frühjahrscheck unter anderem auf folgende Dinge zu achten:

  • Dächer
    sind von den widrigen Wetterbedingungen besonders schwer betroffen. Zu kontrollieren sind dementsprechend die Dachziegel, die durch Stürme verrückt oder schlimmstenfalls zerstört werden können. Schaden können aber genauso die Einfassungsbleche an Kamin, Gauben und Kehlen nehmen, durch die eventuell Feuchtigkeit in das Dachgebälk einsickern kann.

    Je nach Stand der energetischen Aufbesserung sollten unbedingt auch die Solaranlagen überprüft werden, denn nicht nur Beschädigungen, sondern auch Verschmutzungen können die Energiegewinnung in erheblicher Weise beeinträchtigen.

  • Fassaden
    leiden vor allem durch anhaltende Niederschläge, die ein vollständiges Trocknen teilweise über mehrere Tage hinweg verhindern. Als schwierig erweisen sich daher Fassaden, die im Verlauf der Wintermonate größeren Mengen Wasser ausgesetzt waren, das möglicherweise über einen längeren Zeitraum außen am Haus heruntergelaufen ist. Dadurch tragen nicht nur Holzfassaden Schäden davon.

    Kommt dann noch Frost hinzu, entstehen schnell unerwünschte Haarrisse, im schlimmsten Fall werden schon bestehende Risse sogar noch weiter vergrößert. Abblätternde Farbe oder Putz sind daher kein gutes Zeichen und sollten angemessen kritisch begutachtet werden. Vor allem Hausecken oder die Stellen über Fenstern und Türen können hier in Mitleidenschaft gezogen werden.

Feuchtigkeit und Frost können im Verlauf des Winters erhebliche Schäden an Hausfassaden. Foto: fotolia.com © focus finder

Feuchtigkeit und Frost können im Verlauf des Winters erhebliche Schäden an Hausfassaden. Foto: fotolia.com © focus finder

Ergibt die Begutachtung umfangreichere Mängel, die spätestens bis zum nächsten Herbst ohnehin behoben werden müssten, lohnt sich eventuell die Investition in eine größere energetische Sanierungsmaßnahme. Die sind zwar nach der letzten Nivellierung der Energieeinsparverordnung für viele Bestandsgebäude nicht zwingend vorgesehen, machen aber durch die zu erzielenden Einsparungen langfristig durchaus Sinn. Abgesehen davon ist der Zeitraum hierfür jetzt möglicherweise günstiger als in Spätsommer und Herbst, wenn derartige Anfragen bei den Baufirmen wegen des akuten Bedarfs wieder zahlreicher werden.

Schritt 2: Die Planung

Steht der Entschluss fest, die Instandsetzung mit Blick auf den nächsten Winter gleich mit Modernisierungsmaßnahmen für eine bessere Energieeffizienz des Hauses zu verbinden, sollte von Beginn an auf Expertenrat gesetzt werden. Das bedeutet beispielsweise, die eigene Bestandsaufnahme um die Meinung eines unabhängigen Energieberaters zu ergänzen. Die machen energetische Schwachstellen an der Bausubstanz aus und können, aufbauend auf ihrer Einschätzung, sinnvolle und wirtschaftliche Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

Dieses Vorgehen erspart sanierungswilligen Hausbesitzern unter Umständen auch unnötige Folgekosten. Die wiederum können entstehen, wenn die Veränderungen an den wichtigen Bauelementen nicht aufeinander abgestimmt werden. Wer zum Beispiel eine umfassende Sanierung plant, bei der auch gleich die Heizungsanlage ausgewechselt werden soll, muss sich dazu erst mit der Fassadendämmung und der Erneuerung der Fenster auseinandersetzen. Vorher ist es wenig sinnig, sich schon Gedanken über den möglichen Heizwärmebedarf des sanierten Gebäudes zu machen – vielmehr besteht das Risiko, die neue Heizanlage falsch zu dimensionieren.

Energieberater helfen dabei, Schwachstellen hinsichtlich der Energieeffizienz mit wirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen zu beheben. Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek

Energieberater helfen dabei, Schwachstellen hinsichtlich der Energieeffizienz mit wirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen zu beheben. Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek

Hinweis: Es ist inzwischen nicht unüblich, dass auch Handwerker die Qualifikation um geprüften Energieberater vorweisen können. Theoretisch bekommen Hausbesitzer damit also doppelte Beratung auf einen Schlag. Der Nachteil liegt allerdings auf der Hand – denn unter Umständen besteht in einem solchen Fall ein Interessenkonflikt, wenn die Energieberatung mit dem Ziel einer Auftragsvergabe geleistet wird. Sicherer ist es daher, die Beratungsangebote der Verbraucherzentrale zu nutzen.

Schritt 3: Kosten und Förderung

Auf der Grundlage des Urteils durch den Energieberater lassen sich die genauen Maßnahmen für das weitere Vorgehen festlegen. In dieser Phase können dann auch die ungefähr zu erwartenden Kosten evaluiert werden. Wichtig für die Hausbesitzer: Die zu ergreifenden Sanierungsmaßnahmen sollten in jedem Fall wirtschaftlich bleiben – deshalb lohnt sich die Kombination mit Instandsetzungsarbeiten, die ohnehin angefallen wären. Hat das Haus also Defizite bei der Fassadendämmung und braucht gleichzeitig einen neuen Anstrich, lässt sich die Behebung beider Probleme in einem Arbeitsgang miteinander verbinden.

Da auf lange Sicht auch Bestandsgebäude einen energetischen Mindeststandard erfüllen werden müssen – schon aufgrund der Tatsache, dass sie einen Großteil der bundesweiten Gebäude ausmachen –, empfiehlt sich eine rechtzeitige Vorsorge. Schon seit 2009 besteht beispielsweise laut Energieeinsparverordnung für alle Wohngebäude eine Vorlagepflicht für Energieausweise. Die geben einerseits Informationen über den energetischen Zustand eines Gebäudes, der im Rahmen einer Analyse von Energiebedarf und –verbrauch ermittelt wird. Gleichzeitig verschafft der Ausweis möglichen Käufern oder Mietern einen Eindruck von den zu erwartenden Kosten – und den empfohlenen Modernisierungsmaßnahmen. Damit diese überhaupt umgesetzt und Energie- und Wärmewende wirklich geschafft werden können, stellen verschiedene Institutionen Gelder für die energetische Sanierung bereit.

  • Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
    Das BAFA fördert verschiedene Aspekte der Sanierung, angefangen bei der Energiesparberatung, die als Ausgangspunkt für die weiteren Schritte dient. Bis zu 60 Prozent der förderfähigen Beratungskosten werden übernommen, für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es bis zu 800 Euro, bei Wohnhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten sind es maximal 1.110 Euro.

    Darüber hinaus werden Gelder für Solarthermieanlagen, Wärmepumpen, Biomasse-Anlagen, Heizungsmodernisierungen (allerdings nur mit erneuerbaren Energien) und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen zur Verfügung gestellt.

  • Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
    Die KfW hat für verschiedene Situationen jeweils angepasste Förderprodukte, die Palette ist dabei ebenfalls sehr umfassend. Es ist beispielsweise möglich, einen Zuschuss für die fachmännische Betreuung während der Sanierungsphase zu erhalten (KfW-Zuschuss 431). Dazu ist allerdings notwendig, ein weiteres KfW-Förderprogramm in Anspruch nehmen: Denkbar ist beispielsweise ein einmaliger Zuschuss (KfW-Förderprogramm 430) oder ein Kredit für die gesamte energetische Sanierung (KfW-Kredit 151/152). Darüber hinaus gibt es verschiedene Kredite für die Nutzung erneuerbarer Energien oder die Speicherung von Solarstrom.
  • Fördermittel der Länder und Kommunen
    Die Fördergelder von Ländern und Kommunen werden oft im Rahmen von Stadtentwicklungsprogrammen zur Verfügung gestellt. Die umfassen sowohl die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und Energieberatung, sind allerdings mit regionalen Unterschieden verfügbar. Besonders bei den Fördermitteln der Bundesländer gilt es daher, schon im Vorfeld die Möglichkeiten einer Mehrfachförderung – etwa zusammen mit einem KfW-Kredit – abzuklären. Die Anträge müssen allerdings immer vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen gestellt werden.

Schritt 4: Kosten und Einsparungen

Die Nutzung von Fördergeldern macht in jedem Fall Sinn, denn selbst wenn sich die Investitionen über die zukünftigen Einsparungen für das Heizen und den Stromverbrauch wieder amortisieren – sie müssen trotzdem erst einmal aufgebracht werden. Die einzelnen Maßnahmen fallen dabei finanziell unterschiedlich schwer ins Gewicht, der Kostenvergleich von "Energiehelden" kann noch dazu nur als grobe Orientierungshilfe herangezogen werden:

Sanierung Kosten
Neue Fenster 500-1.000 Euro pro Stück
Neue Heizung 6.000- 9.000 Euro
Solarthermieanlage 4.500-8.000 Euro
Fassadendämmung 6.000-15.000 Euro
Dachdämmung 5.000-20.000 Euro

Im Einzelfall muss immer damit gerechnet werden, dass sich die Preise je nach Aufwand bei der Umsetzung oder durch die Produktwahl verändern können. Dazu kommt, dass gerade die effektivsten Sanierungsmaßnahmen, die Wärmedämmung und die Heizungserneuerung, die größten Kosten verursachen – und eigentlich nur gemeinsam wirklich Sinn machen.

Grafik: fotolia.com © opka

Grafik: fotolia.com © opka

Dann jedoch sind durchaus erhebliche Einsparungen zu erzielen, vor allem bei den Heizkosten. Im Einzelnen bringen die verschiedenen Maßnahmen Einsparpotenziale zwischen 10 und 20 Prozent. Dadurch sind auch die Amortisationszeiten relativ kurz. Im günstigsten Fall rechnet sich eine neue Heizungsanlage bereits nach sieben Jahren, aber selbst eine Dachdämmung amortisiert sich selbst im schlechtesten Fall spätestens nach 18 Jahren.

Abgesehen von der Senkung der Heizkosten haben die Sanierungsmaßnahmen selbstverständlich auch andere Auswirkungen, die sich von einer sehr weiten Perspektive – langfristige Umweltschonung durch einen erheblich geringeren Ressourcenverbrauch – bis hin zur sehr persönlichen Perspektive – mögliche Steigerung des Werts der Immobilie – erstrecken. Darüber hinaus lässt sich im Haus selber das Wohnklima verbessern, wozu auch die Vorbeugung einer Schimmelbildung gehört. Alles in allem wiegen die verhältnismäßig teuren Anschaffungskosten die positiven Nebeneffekte sicherlich auf – nicht sofort zwar, aber spätestens ab der nächsten Heizperiode.---



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