bautipps.de Das Fertighaus- und Massivhaus-Portal
Newsletter

 

Flächenheizung: Wärme aus Boden und Wand

15.01.2019

Flächenheizsysteme punkten bei Baufamilien mit ihren besonderen Vorzügen: behagliche Strahlungswärme, hygienische Betriebsweise und hohe Energieeffizienz, vor allem in Verbindung mit Wärmepumpen. Ergänzend bietet sich der Einsatz von Heizkörpern in bestimmten Situationen und Räumen an.

Flächenheizung

Sollte die verfügbare Fußbodenfläche in kleineren Räumen nicht ausreichen, lässt sich auch die Wand als zusätzliche Heizfläche nutzen. Foto: Schlüter

An einem kalten Wintertag ist es für viele Hausbewohner sehr angenehm, mit dünnen Socken oder sogar barfuß auf einem warmen Fußboden zu laufen. Oder man macht es sich auf einem vorgewärmten Teppich gemütlich, um gemeinsam fernzusehen oder mit den Kindern zu spielen. Für die wohligen Temperaturen sorgt die unsichtbare Wärme der Fußbodenheizung. Vorteilhaft im Vergleich zu Heizkörpern ist, dass sie aufgrund ihrer großen Wärmeübertragungsfläche nur geringe Heizwasservorlauftemperaturen von maximal etwa 35 Grad benötigt. Aufgrund der niedrigen Systemtemperaturen lässt sich das großflächige Wärmeverteilsystem zum einen hervorragend mit energiesparenden Wärmeerzeugern, wie Brennwertgeräten, Sonnenkollektoren und Wärmepumpen, kombinieren – denn gerade diese Systeme arbeiten umso effizienter, je niedriger die Heizwasservorlauftemperaturen sind. Zum anderen erlaubt das großflächige System aufgrund seiner höheren Strahlungstemperatur eine Absenkung der Lufttemperatur um bis zu 2 Grad ohne Behaglichkeitseinbuße.

 

Hygienische und frei möblierbare Räume

Fußbodenheizung Trockensystem

Systeme für Trockenestrich-Elemente sind besonders leichte Bodenkonstruktionen, die zudem nur kurze Bauzeiten erfordern. Foto: Uponor

Neben der Möglichkeit, Brennstoffkosten einzusparen, gibt es noch weitere Vorzüge im Vergleich zu Heizkörpern: So sorgt die gleichmäßige und milde Wärmeabstrahlung für eine ausgeglichene Temperaturverteilung und geringe Luftgeschwindigkeiten in den Räumen. Dadurch wird der Staubtransport bei Fußbodenheizsystemen stark vermindert, so dass auch heizungsbedingte Staubnester erst gar nicht entstehen können. Außerdem entziehen beheizte Fußböden die wichtigste Lebensgrundlage von Staubmilben und Bakterien: die Feuchtigkeit. Praktisch ist zudem, dass sich Hausbesitzer über Themen wie hygienische Reinigung, Anordnung und Optik von sichtbaren Heizflächen keine Gedanken machen müssen. Um gesundheitliche Belastungen für die Beine zu vermeiden, wurden bereits vor Jahren für die Fußbodenoberfläche maximal zulässige Temperaturwerte festgelegt: Für die Aufenthaltszone sind es 29 Grad Celsius, die während der Heizperiode aber nur an eiskalten Tagen erreicht werden. Die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen liegen bei angenehmen 22 bis 24 Grad. In den schmalen Randzonen mit erhöhtem Wärmebedarf, zum Beispiel unter bodentiefen Fenstern, darf die Temperatur maximal 35 Grad Celsius betragen.

 

Flächenheizungs-Varianten: Nass- oder Trockensystem?

Fußbodenheizung Nasssystem

Wo es auf jeden Höhenmilimeter und eine kurze Bauzeit ankommt, bieten sich Flach- oder Dünnschichtsysteme an, die es in Nass- und Trockenausführung mit Aufbauhöhen ab etwa 15 Millimeter gibt. Foto: Uponor

Um die veränderten Anforderungen im Neubaubereich bedienen zu können, bieten die Hersteller verschiedene Varianten der Warmwasser-Fußbodenheizung an: Bei den sogenannten Nasssystemen kommt zunächst eine Hartschaumschicht mit Abdeckfolie zur Wärme- und Trittschalldämmung auf die Rohbetondecke. Dann erfolgen das Auslegen und Fixieren der Heizrohre, die anschließend von einem Fließ- oder Zementestrich umhüllt werden. Dieser Heizestrich dient gleichzeitig als Wärmespeicher, Lastverteilschicht und als Untergrund für den Bodenbelag. Dieser darf erst nach einer mehrtägigen festgelegten Abbinde- und Aufheizzeit verlegt werden.

Flächenheizsysteme mit speziellen Trockenestrichplatten sind vorteilhaft, wenn es auf eine kurze Bauzeit ankommt. Basiselement ist eine Trägerplatte, die mit Aluminium-Wärmeleitlamellen zur Aufnahme der Heizrohre bestückt wird. Auf eine Abdeckfolie werden dann die Trocken-estrichplatten schwimmend gelegt. Anschließend lässt sich der Bodenbelag rasch und fast ohne Wartezeit aufbringen.

Wo es beim Fußbodenaufbau auf jeden Höhenmillimeter ankommt, bietet sich der Einsatz von Flach- oder Dünnschichtsystemen an, die es in Nass- und Trockenausführung mit Aufbauhöhen ab etwa 15 Millimeter gibt. Vorteilhaft bei der Nassausführung ist, dass oft nur eine relativ dünne Ausgleichsschicht nötig ist, die rasch begeh- und belegbar ist.

Die Anschlussrohre der in den einzelnen Räumen verlegten Fußbodenheizkreise werden meist etagenweise im Heizkreisverteiler zusammengeführt. Er wird bevorzugt unter Putz im Flur oder einem Nebenraum installiert. Über eine Frontklappe kann der Fachmann die eingebauten Armaturen und Ventile betätigen, um zum Beispiel die jeweiligen Wassermengen der einzelnen Heizkreise einzuregulieren.

 

Alle gebräuchlichen Bodenbeläge einsetzbar

Bei Fußbodenheizungssystemen lassen sich alle gebräuchlichen Bodenbeläge nutzen. Achten sollte man dennoch auf eine entsprechende Kennzeichnung durch den Hersteller – dies gilt insbesondere für textile Bodenbeläge, die einen relativ hohen Wärmeleitwiderstand aufweisen. Sehr gut einsetzbar sind insbesondere Platten aus Natur- oder Betonstein sowie keramische Fliesen, da sie die Wärme optimal leiten. Auch Holz und Parkett sind grundsätzlich geeignet, sofern die Materialstärke nicht zu dick ausfällt und weitere Randbedingungen, wie ein niedriges Quell- und Schwundverhalten, eingehalten werden. Ähnliches gilt auch für Laminat und elas-tische Beläge aus Linoleum, PVC und Kork. Darüber hinaus müssen beim Verlegen spezifische, vom Bodenbelag abhängige Vorgaben und Regeln, wie beispielsweise der Einbau von Dehnfugen, unbedingt beachtet werden, um so spätere Schäden zu vermeiden.

 

Heizkörper in Bad oder WC weiterhin gute Ergänzung

Alu-Designheizkörper

Dieser Alu-Designheizkörper besteht aus drei flachen Tafeln, die in einer geometrischen Anordnung so miteinander verbunden sind, dass sich ein 3D-Effekt und ein praktisches Fach zum Erwärmen von Textilien ergibt. Foto: BEMM

Trotz der Vorzüge von Flächenheizungen haben Heizkörper noch längst nicht ausgedient. Vor allem in Bädern und WCs bieten die Wärmespender Platz zum Ablegen und Aufhängen der Hand- und Badetücher, um sie vorzuwärmen und zu trocknen. Manche Multitalente lassen sich mit praktischem Zubehör, wie Haken, Ablageflächen und Spiegeln, funktionell erweitern. Auch für eher selten beheizte Räume, zum Beispiel ein Hobbyraum oder Gästezimmer im Untergeschoss, bieten sich Heizkörper als schneller reagierende, alternative Wärmelösung an. Baufamilien können dazu aus einem vielfältigen und preislich breit gestaffelten Produkt-angebot mit vielen Farben und Oberflächenmaterialien ganz frei wählen. 

Verfügbar sind zudem rein elektrische Modelle sowie maßgefertigte Heizkörper für spezielle Situationen, wie zum Beispiel unter Dachschrägen, als Treppengeländer oder Raumteiler. Praktisch kann zudem ein integriertes Elektro-Heizelement sein, um kühle Tage außerhalb der Heizsaison zu überbrücken.

(aus der Zeitschrift profertighaus 1/2-2019)