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Kontrollierte Wohnungslüftung

18.09.2017

Moderne Gebäudehüllen müssen dicht halten – das schreibt der Gesetzgeber vor. Damit trotzdem ausreichend frische Luft ins Haus kommt, gibt es verschiedene Systeme der zentralen und dezentralen Wohnungslüftung.

Wohnungslüftung. Foto: fotolia

Foto: Konstantin Yuganov , fotolia

Luft ist unser wichtigstes ­Lebensmittel – keine zehn ­Minuten können wir ohne sie existieren. Angesichts der dichten ­Hüllen moderner Gebäude ist es deshalb unerlässlich, einen ausreichenden Luftaustausch sicherzustellen. Schon während der Planungsphase sollte man sich mit dem Lüftungskonzept befassen. Eine Entscheidungshilfe bietet ein vom Fachmann erstelltes und seit 2009 vorgeschriebenes Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Da­raus geht hervor, ob ergänzend oder ­alternativ zur Fensterlüftung von Hand eine kontrollierte Wohnungslüftung notwendig ist, die als zen­trale und dezentrale Systemlösung realisiert werden kann. In Neubauten werden bevorzugt die kom­fortablen, zentralen Lüftungsanlagen eingebaut. Denn hier lassen sich die notwendigen Luftleitungen einfach integrieren.

Basiselement eines Zu- und Abluftsystems ist ein Zentrallüftungsgerät, in das zwei Ventilatoren eingebaut sind, die mehrstufig und möglichst stromsparend arbeiten sollten. Zur Grundausstattung der Zentralgeräte gehören außerdem Luft­filter und eine Wärmerück­gewinnung in ver­schiedenen Ausführungen. Im Niedrigstenergie- und Passivhausbereich kommen immer häufiger sogenannte Inte­gralgeräte zum Einsatz, die Lüftungstechnik, ­Wärmepumpe und Wasserspeicher unter ­einem Gehäuse platzsparend vereinen.

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Zu- und Abluft mit System

Und so funktioniert der Lufttransport einer Wohnungslüftung bei zentralen Zu- und Abluftsystemen: Während der Abluftventilator die verbrauchte Luft aus Fluren, Abstell- und Feuchträumen (WCs, Küche, Bäder) abzieht, sorgt der ­Zuluftventilator für Frischluftnachschub in den Wohn- und Schlafräumen. Dafür werden zwei verzweigte, voneinander getrennte, Lei­tungs­systeme für die Zu- und Abluft verlegt, die es in unterschiedlichen, zum Teil höhenoptimierten Luft­leitungs­formen gibt – von rund über oval bis rechteckig.

Damit es unter bestimmten Ge­gebenheiten nicht zu störenden ­Geräuschübertragungen von Raum zu Raum oder vom Lüftungsgerät in die Räume kommt, kann der Handwerker spezielle Luftleitungsverteiler oder Schalldämpfer installieren. In die Zimmer gelangt die Frischluft der Wohnungslüftung über raumseitig sichtbare Auslässe und Ventile, die an der Wand, auf dem Fußboden oder an der Decke montiert werden. Ausführungen in unterschied­lichen Materialien, Farben und Designs ermög­lichen eine unauffällige Integration ins jeweilige Umfeld. An diesen Luftauslässen und Drossel­einrichtungen justiert der Fachmann bei der Inbetrieb­nahme die berechneten Zu- und Abluftvolumenströme ein.

Wohnungslüftung. Foto: zehnder

Das Zuluft-Tellerventil „ComfoValve Luna S125“ verfügt über eine geringe Aufbauhöhe von nur 3 cm und inte­griert sich dadurch unauffällig in den Raum. Foto: Zehnder

Wohnungslüftung automatisch oder nach Wahl

Bei der Regelung der Gesamt­anlage sollte man bei der Produktauswahl auf eine möglichst einfache und komfortable Bedienung achten. Empfehlenswert sind digitale Raumregler und Fern­bedienungen mit Display, die über ­einen ­Automatik- und Handbetrieb sowie über eine Zeit(programm)- und eine Funktionssteuerung ver­fügen. Feuchtefühler sowie Sen­soren, die zum ­Beispiel auf Koh­lendioxid oder Kohlenwasserstoffe reagieren, ermöglichen eine bequeme und energiesparende Anpassung der Luftmenge. Um die Bedienung und Überwachung der Wohnungslüftung zu erleichtern, bieten immer mehr Hersteller Apps für Tablet und Smartphone an sowie die Integra­tion in ein Smarthome-System.

Wer nur einzelne Räume mit Frischluft versorgen möchte oder die Installation eines Kanalsystems scheut, kann zu dezentralen Lüftungen greifen. Die einfachste Art sind Abluftventilatoren, die in der Außenwand sitzen – bevorzugt von Küche und Nassräumen. Sie transportieren die verbrauchte Raumluft direkt ins Freie, wobei ein schwacher Unterdruck entsteht. Dieser reicht aus, um frische Zuluft über Durchlass­elemente, die in Außenwände oder Fenster eingelassen sind, in die Wohn- und Schlafräume leise und zugfrei einströmen zu lassen. Gleichzeitig wird die verbrauchte Raumluft durch die Türschlitze zu den Abluftventilatoren gedrängt. Eine passende ­Regelung sorgt für den automatischen, bedarfsgerechten Luftaustausch. Eine Wärmerückgewinnung ist nur indirekt durch die Einbindung einer Wärmepumpe möglich.

Leise und energieeffizient

Hochwertige dezentrale Modelle der Wohnungslüftung verfügen gleich über zwei leise und energieeffiziente Ventilatoren: Der eine führt die verbrauchte, feuchtigkeitsbelastete Luft nach draußen ab, der andere sorgt für den nötigen Frischluftnachschub. Gleichzeitig verbessern integrierte Zuluft- und Abluftfilter die Luftqualität. Teil­weise lassen sich die Geräte ­zudem mit Pollenfiltern ausrüsten. Eine im Gehäuse integrierte Wärmerückgewinnung nutzt die Restwärme der Abluft und trägt so zur Heizkosteneinsparung bei.

Wohnungslüftung. Foto: Stiebel

Für das wandhängende Zentral­gerät „LWZ 180/280“ findet sich dank kompakter Abmessungen und des besonders leisen Betriebs immer ein Plätzchen. Foto: Stiebel Eltron

Sparpotenziale und Kosten

Durch Wärmerückgewinnung eröffnen Lüftungsanlagen Sparpotenzial. Sie übertragen bis zu 80 Prozent der Wärme aus der Ab- auf die Zuluft und reduzieren so die Heizkosten um 30 bis 50 Prozent. Zudem können sie die durch Fensterlüftung verursachten Wärmeverluste um bis zu 90 Prozent senken – ein nicht zu unterschätzender Punkt, denn im Neubau resultiert bis zu 50 Prozent Gesamtheizwärmebedarf aus den Wärmeverlusten durch manuelles Lüften.

Die Preise für dezentrale Lüftungsgeräte liegen pro Raum bei ca. 600 bis 1 200 ­Euro (ohne Montage). Die Gerätekosten für eine Zen­tralanlage mit Wärmerückgewinnung beträgt im Standard-Einfamilienhaus etwa 3 000 bis 5 000 Euro. Für Zusatzkosten (Luftverteilung usw.) und Montage muss man etwa 2 000 bis 3 000 Euro einkalkulieren. Um die Betriebsstromkosten möglichst nie­drig zu halten, empfiehlt es sich, Geräte mit hohem Wirkungsgrad bei der Wärmerückgewinnung, stromsparenden Ventilatoren und energieeffizienter Regelung zu wählen. Eine gewisse Orientierung bietet die Effizienz-Kennzeichnung für Lüftungsgeräte mit den Stufen von A+ bis G, wobei die Klasse G die niedrigste Energiebilanz beim Fensterlüften symbolisiert.

Aber auch das Lüften von Hand kann automatisiert und dadurch effizienter gestaltet werden. So lassen sich Fensterflügel motorisieren, sodass sie sich bei entsprechender Einbindung in ein elektronisches Steuerungs- und Überwachungssystem bedarfsgerecht öffnen und schließen.

(aus der Zeitschrift: bauen 8/9-2017)

Eine direkte Förderung für eine kontrollierte Wohnraumlüftung im Neubau gewähren in Deutschland nur noch Nordrhein-Westfalen als Zuschuss (Programm „progres.nrw“ http://bit.ly/2lOFp4L) sowie einige Gemeinden (am besten auf der Baubehörde nachfragen). Indirekt unterstützt auch die KfW den Einbau. Denn für besonders effiziente Häuser mit KfW-Standard 55 und 40 gibt es bis zu 15 000 Euro Tilgungszuschuss sowie bis zu 100 000 Euro zinsgünstigen Kredit für jede Wohneinheit. Dabei ist die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung ein wichtiger Baustein, um diesen Standard zu erreichen und der Nachweis anhand von Referenzwerten für das KfW 55-Haus – also ohne aufwendige Berechnungen – nur mit Lüftungsanlage möglich.
Weitere Infos: www.kfw.de



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