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Mehr oder weniger Ökostrom?

16.09.2011

Wie sehr die Deutschen das Thema 
„sichere und saubere Stromversorgung“ umtreibt, lässt sich sehr gut an
den Zugriffszahlen der Strompreisvergleichsportale im Internet ablesen: Im Jahr 2010 bezog sich nur jede dritte Anfrage beim Vergleichsportal Verivox auf Unterlagen zum Wechsel auf einen Ökostromtarif.

Im Zuge der Diskussion um die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke stieg dieser Anteil bereits im Januar und Februar 2011 deutlich an. Zum ersten Mal überwogen die Anfragen für Ökostrom (58 Prozent) die Anzahl der Interessenten für herkömmlichen Strom (42 Prozent). Nach der Katastrophe in Fukushima erreichten die Anfragen im April 2011 mit 80 Prozent ihren Höhepunkt. Dass sich die Verbraucher aber nicht nur auf Informationen beschränkten, sondern dann auch ihren Stromtarif und -anbieter gewechselt haben, schlug sich in Form von Zig- tausend Neukunden bei den großen Ökostromanbietern nieder.


Das Stromsee-Modell: Der See symbolisiert das öffentliche Stromnetz, wobei dieser See keine echte Speichermöglichkeit bietet. Denn der von den Produzenten am Ufer eingespeiste Strom muss zeitgleich auch wieder abfließen, also von den Verbrauchern genutzt werden. Im See vermischen sich alle Strom-Arten, egal ob fossil, atomar oder regenerativ erzeugte. Als Privatstromkunde bekommt man hier immer nur ein Stromgemisch geliefert. Doch je mehr Kunden Verträge mit Strom aus regenerativen Quellen abschließen und den Bau von neuen, umweltfreundlichen Kraftwerken fördern, desto mehr Ökostrom fließt in den See. Auf diese Art wird er im Laufe der Zeit immer sauberer und klarer.

Kein Ökostrom aus der Steckdose
Doch mit der gesunkenen medialen Aufmerksamkeit flaute auch der ökologische Impuls ab. Bis Juni ging der Ökostromanteil der Anfragen bei Verivox auf 55 Prozent zurück. Dennoch ist das allgemeine Interesse – und nicht nur bei Verivox – als immer noch sehr stark einzustufen. Und sehr viele Verbraucher, die sich heute für einen Ökostromtarif entscheiden, möchten damit auch
einen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren
Energien leisten und dafür sorgen, dass sich der Anteil von Atomstrom und fossilen Energieträgern am Strommix in Deutschland verringert.

Leider gibt es bei der praktischen Umsetzung ein Problem: Die physikalischen Eigenschaften von Elektrizität verhindern, dass der regenerativ erzeugte Strom direkt zu den Haushalten durchgeleitet werden kann, die Ökostrom beziehen wollen. Sobald der Strom in das Verteilernetz eingespeist wurde, kann er nicht mehr nach seiner Herkunft unterschieden werden.

Hinzu kommt, dass der Begriff Ökostrom jedoch nicht gesetzlich definiert ist. Deshalb muss nicht überall, wo „Öko“ draufsteht, auch wirklich „Öko“ drin sein. Da hilft nur der Blick ins Kleingedruckte. Orientierungshilfe bieten jedoch Zertifikate und Gütesiegel – zumindest theoretisch; denn in der Praxis gibt es klare Öko-Unterschiede.

Achten Sie auf Gütesiegel
Ökostromzertifikate garantieren die Herkunft und die Zusammensetzung des Stroms (zum Beispiel Strom aus Wasserkraftwerken in Norwegen). Für die Vergabe solcher Zertifikate ist nur die Stromquelle entscheidend. Sie können gehandelt werden und sagen wenig über die Qualität des jeweiligen Ökostromtarifes aus.

Im Vergleich zu den Gütezeichen legen Gütesiegel für den ökologischen Nutzen eines Ökostromproduktes noch engere Kriterien an. Bei den meisten Gütesiegeln ist festgelegt, dass ein bestimmter Anteil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung investiert wird.

Doch auch bei den Gütesiegeln gibt es markante Unterschiede: Strenge Gütesiegel für Ökostrom enthalten zusätzliche Anforderungen, die den ökologischen Nutzen des Tarifs sicherstellen. Sie berücksichtigen nicht nur auf das aktive Engagement, den Ausbau regenerativer Energiequellen zu forcieren, sondern auch die allgemeine Haltung des Stromanbieters gegenüber erneuerbaren Energien.

Einen scharfen Kriterienkatalog weist zum Beispiel das „Grüner Strom Label“ auf, das von verschiedenen Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden ins Leben gerufen wurde. Das Label gibt es in den Ausführungen „Silber“ und „Gold“. Letzteres erlaubt ausschließlich erneuerbare Energiequellen oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) ohne fossile Brennstoffe als Energiequellen.

Ebenfalls strenge Richtlinien legt das „ok-power Label“ an, das vom Verein EnergieVision, der von Akteuren aus den Bereichen Umwelt- und Verbraucherschutz gegründet wurde, vergeben wird. Dieses Gütesiegel gibt es für drei verschiedene Gruppen von Ökostrom-Angeboten. Beim sogenannten Fondsmodell beliefert der Ökostromanbieter den Kunden vertraglich garantiert zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien.

Im Vergleich zu „Grüner Strom“ und „ok-power“ sind bei den verschiedenen TÜV-Zertifikaten die Qualitäts-Definitionen der Stromherkunft/
-erzeugung deutlich breiter gefasst.

Fazit: Falls
 Sie mit der Wahl eines Ökostromtarifs zum 
aktiven Ausbau der erneuerbaren Energien
beitragen wollen, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Wunschtarif ein Gütesiegel trägt, das nicht nur die Stromherkunft garantiert.

Ökostrom muss nicht teurer sein
Der Wechsel zu einem Ökostromtarif bedeu
tet nicht automatisch, dass die Stromkosten
steigen. Das gilt vor allem für Haushalte, die sich noch niemals mit dem Thema Stromanbieterwechsel beschäftigt haben und nach wie vor vom örtlichen Grundversorger beliefert werden.
Ein Haushalt in Stuttgart mit vier Personen und einem jährlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden kann durch den Wechsel zu einem Ökostromtarif (mit Gütezeichen) durchaus
160 Euro pro Jahr einsparen.

Welche Ökostromtarife für einenPrivathaushalt in welcher Region Deutschlands zu welchem Preis verfügbar sind, lässt sich schnell und einfach mit den Preisvergleichsportalen, wie Verivox oder Toptarif, im Internet feststellen.

Zu den bekanntesten Ökostromanbietern in Deutschland zählen übrigens Lichtblick, Naturstrom, Greenpeace Energy und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS).

Branchenriese Lichtblick verlangt zum Beispiel für Ökostrom mit „ok-
power Label“ derzeit 23,64 Cent/kWh sowie einen Grundpreis von 8,95 Euro/Monat (Stand 7/2011). Mittlerweile haben auch fast alle
größeren Stromanbieter Ökostromtarife in ihr Angebot aufgenommen.

Sie als Kunde treffen mit Ihrer Auswahl des Lieferanten und des Tarifmodells die Entscheidung darüber, wie hoch der Öko-Anteil im Strom ist, und wie intensiv Sie den weiteren Ausbau der „Erneuerbaren“ mitfinanzieren wollen.