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Moderne Gasheizung: Energie mit Zukunft

14.06.2017

Die meisten Baufamilien entscheiden sich für den Energieträger Erdgas in Verbindung mit einem Gas-Brennwertgerät. Doch es gibt noch innovativere Gas-Heizsysteme, die neue Vorteile mit sich bringen.

Gas-Brennwertgeräte. Foto: wolf-heiztechnik

Gas-Brennwertwandgeräte lassen sich auch im Wohnbereich installieren – hier mit (wandhängendem) Warmwasserspeicher. Foto: www.wolf-heiztechnik.de


Ab dem Jahr 2021 müssen nach europäischen Vorgaben alle Neubauten im Niedrigst-Energie-Hausstandard errichtet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, verschärft der Gesetzgeber regelmäßig die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) – zuletzt zum 1.1.2016.

Vorschriften beachten

Hinzu kommt, dass das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) den anteiligen Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Heizwärmebereitstellung vorschreibt. Allerdings kann man diese Pflicht auch mit einer sogenannten Ersatzmaßnahme, zum Beispiel mit einer verstärkten Wärmedämmung, erfüllen.

Die Vorgaben der EnEV lassen sich aber – wenn auch mit etwas größerem Aufwand – immer noch mit einem Gas-Heizsystem erfüllen, für das sich die überwiegende Mehrheit der Bauherren entscheidet. Ob und welche Zusatzmaßnahmen notwendig sind, ermittelt der Architekt anhand der konkreten Objektdaten. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Aufwand umso geringer wird oder sogar entfällt, je höher der energetische Standard des Hauses ist. Wer zum Beispiel ein gefördertes KfW-Effizienzhaus 55 plant, kann mit einem Anlagentechniksystem, bestehend aus Gas-Brennwertkessel, solarer Trinkwasssererwärmung  und einer kontrollierten Wohnungslüftungsanlage die Anforderungen problemlos erfüllen.

Gas-Brennwerttechnik

Warum ist die fossile Gas-Heizung immer noch so beliebt? Der Umgang mit Erdgas ist bequem, weil es bei Bedarf per Leitung ins Haus kommt und deshalb keine Lagerfläche beansprucht. Die vergleichsweise preisgünstigen Wärmeerzeuger (ab etwa 8 000 Euro) sind kompakt gebaut und arbeiten mit relativ leisen, umweltschonenden Brennern, die ihre Leistung stufenlos an einen sehr niedrigen Wärmebedarf anpassen können.

Gasgeräte passend zur Wohnungsumgebung. Foto: junkers

Auch optisch passen sich moderne Gasgeräte in die Wohnumgebung ein. Foto: www.junkers.com

Außerdem sind sie sehr flexibel bezüglich des Montageorts: Sie lassen sich auch im Bad, Abstell- und Hausarbeitsraum sowie in einem Flur- oder Küchenschrank platzieren – inklusive passendem Warmwasserspeicher, der sich unterhalb des Heizgeräts oder auch wandhängend daneben montieren lässt. Wird das Brennwertgerät unterm Dach montiert, darf das Abgas mit einem geeigneten Rohr direkt ins Freie geführt werden; der Schornsteinanschluss entfällt somit.

Gas-Wärmepumpen

Doch es muss nicht immer ein Gas-Brennwertgerät sein. Insbesondere für den Neubaubereich gibt es interessante Alternativen, die in der EnEV und im EEWärmeG günstiger bewertet werden. Dazu zählt die gasbetriebene Wärmepumpe, die eine Energiekostenersparnis im Bereich von etwa 25 bis 35 Prozent sowie niedrigere CO2-Emissionen bietet. Die vergleichweise höheren Anschaffungskosten werden mit staatlichen Fördergeldern abgemildert.

Gas-Wärmepumpenanlagen. Foto: vaillant

In Verbindung mit Gas-Wärmepumpenanlagen lassen sich zusätzlich kostenfreie Umweltenergien nutzen – je nach System sind dies Solarwärme, Erdwärme und Luft. Foto: www.vaillant.de

Wählen kann der Bauherr unter zwei Systemen: Schon länger verfügbar sind Gas-Adsorptions-Wärmepumpen, die ein Brennwert- mit einem Zeolith-Modul kombinieren. Das Zeolith-Modul deckt die Heizgrundlast ab und nutzt dafür eine kostenlose Umweltwärmequelle. Je nach Hersteller sind dies Erd- und Solarwärme.

Im Jahr 2016 neu eingeführt wurde eine Gas-Absorptions-Wärmepumpe, welche entweder die Erdwärme- oder die Umgebungsluft als Umweltenergie anzapft.

Stromerzeugende Heizung

Im Vergleich zu klassischen Gas-Heizsystemen nutzen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) den eingesetzten Brennstoff Gas doppelt: Sie erzeugen sowohl Heizwärme als auch Strom. Nur der überschüssige Anteil wird  ins öffentliche Netz eingespeist, wofür es eine gesetzlich festgelegte Vergütung gibt – ähnlich wie bei Photovoltaikanlagen, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
Fürs Eigenheim besonders interessant sind gasbetriebene Mikro-KWK-Systeme, die vergleichsweise kleinere Leistungen haben.

Neben den bewährten Produkten mit Motor begann im  zweiten Halbjahr 2016 die breitere Markteinführung der innovativen Brennstoffzellen-Heizgeräte. Damit lassen sich höchste elektrische Wirkungsgrade erreichen. Die Preise für ein stromerzeugendes Brennstoffzellen-Komplett-Heizsysteme können mit Montage bis zu 30 000 Euro und mehr betragen. Allerdings werden innovative Baufamilien mit einem hohen staatlichen Förderzuschuss von mindestens etwa 9 000 Euro belohnt.

Gas-Brennwerttechnik. Foto: wolf

Solarthermieanlage und Wohnungslüftung stärken die EnEV-Bewertung der Gas-Brennwerttechnik. Foto: www.wolf-heiztechnik.de

Egal ob klassische Gas-Brennwerttechnik, moderne Gas-Wärmepumpe oder innovatives Brennstoffzellen-Heizsystem: Damit alle Effizienzvorteile zum Tragen kommen, muss der Fachhandwerker die Anlage zunächst sorgfältig planen und auslegen, so dass die Heizleistungen nicht zu groß oder zu klein sind und alle Systemkomponenten, bis hin zur Wärmeübergabe in den Wohnräumen, aufeinander passend abgestimmt sind.

Kontrolle ist besser

Nach der fachgerechten Montage sollte der Bauherr darauf achten, dass der Handwerker bei der Inbetriebnahme die Heizungsreglung einstellt, einen hydraulischen Abgleich durchführt und die Nutzer in die Bedien- und Einstellmöglichkeiten einweist. Damit die Heizkosten auch dauerhaft niedrig bleiben, empfiehlt es sich, die Verbrauchs- und Ertragsdaten zu überwachen. Alle modernen Wärmeerzeuger lassen sich dazu per LAN oder WLAN ins Heimnetzwerk einbinden und so bequem mit PC, Smartphone oder Tablet verbinden.

(aus der Zeitschrift: bauen 4/5-2017)



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