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Wärme für alle Räume im Haus

15.09.2016

Badheizkörper und Handtuchwärmer in einem. www.purmo.deDer Einbau eines neuen, energiesparenden Heizsystems allein ist noch kein Garant dafür, dass die Heizkosten am Jahresende möglichst niedrig ausfallen. Einen großen Einfluss auf die Gesamteffizienz hat die angeschlossene Wärmeverteilung, für die es zwei unterschiedliche Heizflächenvarianten gibt: Heizkörper- und Flächenheizsysteme.

Hauptvorteil von Fußboden- und Wandheizungen ist ihre im Vergleich zu Heizkörpern sehr große Wärmeübertragungsfläche. So kommen sie mit geringen Heizwasservorlauftemperaturen im Bereich von circa 30 bis 45 Grad Celsius zurecht, während man Heizkörper meist mit 50 bis 70 Grad Celsius betreibt. Dank der niedrigen Vorlauftemperaturen zeigt sich die Verbindung Flächenheizung/Wärmepumpe als besonders effektiv, denn eine Wärmepumpe arbeitet dann am besten, wenn der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und benötigter Vorlauftemperatur so gering wie möglich ausfällt. Flächenheizsysteme bieten noch weitere Vorteile: Sie arbeiten mit einer gleichmäßigen und milden Wärmeabstrahlung und verursachen nur geringe Luftgeschwindigkeiten

Milde Wärmestrahlung: keine Staubnester

Dadurch wird, im Vergleich zur Heizkörperheizung, der Staubtransport vermindert, sodass sich keine heizungsbedingten Staubnester bilden. Außerdem entziehen beheizte Fußböden Staubmilben und Bakterien die wichtigste Lebensgrundlage: die Feuchtigkeit. Praktisch ist zudem, dass sich die Hausbewohner über die Themen hygienische Reinigung, Anordnung und Optik keine Gedanken machen müssen – denn schließlich ist der Wärmespender unsichtbar.

Eine Warmwasser-Fußbodenheizung wird standardmäßig mit einem Heizestrich abgedeckt, der gleichzeitig als Wärmespeicher, Lastverteilschicht und als Untergrund für den Bodenbelag dient. Bei den „Nasssystemen“ kommt zunächst eine Hartschaumschicht mit Abdeckfolie zur Wärme- und Trittschalldämmung auf die Rohbetondecke. Dann erfolgen das Auslegen und Fixieren der Heizrohre und anschließend das Einbringen des Fließ- oder Zementestrichs. Der Bodenbelag darf erst nach einer längeren Abbinde- und Aufheizzeit verlegt werden.

Niedrige Aufbauhöhe, kurze Reaktionszeiten

Moderne Flächenheizsysteme mit speziellen Trockenestrichplatten sind vorteilhaft, wenn es auf eine kurze Bauzeit ankommt. Basiselement ist eine Trägerplatte, die mit Aluminium-Wärmeleitlamellen zur Aufnahme der Heizrohre bestückt wird. Auf eine Abdeckfolie werden dann die Trocken-estrichplatten schwimmend gelegt. Danach lässt sich der Bodenbelag aufbringen. Nach wenigen Tagen ist die Fußbodenheizung einsatzbereit.

Wo es beim Fußbodenaufbau auf jeden Höhenmillimeter ankommt, bietet sich der Einsatz von Flach- oder Dünnschichtsystemen an. Diese glänzen mit Aufbauhöhen ab zirka 17 mm (plus Bodenbelag) und mit einem geringem Gewicht. Zum Einsatz kommen flache Träger- und Noppenelemente, die der Fachmann nach dem Auslegen der Heizrohre mit einer speziellen Ausgleichsmasse verfüllt, die sich nach einer sehr kurzen Wartezeit (ab 24 Stunden) mit Fliesen belegen lässt. Bei den Trocken-Flachsystemen entfällt die Wartezeit sogar. Aufgrund ihrer geringen Schichtdicken haben Flachsysteme sehr kurze Reaktionszeiten, weshalb sich die Wärmeabgabe in den Raum einfacher und schneller regulieren lässt.

Was tun, wenn die freie, verfügbare Fußbodenheizfläche zur Beheizung des Raums nicht ausreicht? In solchen Fällen kann eine Wandheizung den Restwärmebedarf decken – oder sie übernimmt die komplette Beheizung des Raums, sofern die Fläche ausreicht. Wandheizsysteme sind prinzipiell ähnlich aufgebaut wie Fußbodenheizungen. Es gibt eine Vielzahl von Putz- und Trockensystemen, die sich an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen und rasch montieren lassen. Die Wärmeübertragung aus der Wand ist höher, wenn es keinen „bremsenden“ Belag gibt. Flächenheizsysteme können in Verbindung mit einer geeigneten Wärmepumpe an heißen Sommertagen die Wohnräume um einige Grad herunterkühlen. Durch die Rohrschlangen zirkuliert dann kaltes statt warmes Wasser.

Schlankheitskur für Flächenheizkörper

Trotz der Vorzüge von Flächenheizungen haben Heizkörper noch längst nicht ausgedient. In der Gunst der Hausbesitzer ganz weit vorn liegen die verschiedenen Arten von Flächenheizkörpern, worunter Produkte und Begriffe wie Platten-, Plan-, Flach- Profil- und Kompaktheizkörper fallen. Die Standardvarianten dieser Modelle werden in großen Stückzahlen produziert und sind deshalb relativ preisgünstig. Zudem überzeugen sie durch ihr niedriges Gewicht und durch die geringe Wassermenge, weshalb sie schnell auf unterschiedliche Wärmeanforderungen im Raum reagieren können. Diese Eigenschaft ist gerade bei Effizienzhäusern von großer Bedeutung.

Zugenommen hat das Angebot an schlanken, hohen Flächenheizkörpermodellen, die sich platzsparend an schmalen Wandflächen befestigen lassen. Sie werden unter anderem auch als Vertikalheizkörper oder Heizwände bezeichnet. Ein weiterer Trend ist der zum „Wohnheizkörper”. Das bedeutet, dass sich die speziell designten Heizelemente markant, harmonisch oder dezent in die jeweilige Möbel- und Gestaltungswelt des Wohnraums einfügen. Aber auch an bestimmte räumliche Gegebenheiten wie Dachschrägen und Raumteilung lassen sich bestimmte Modelle maßgerecht anpassen. Insbesondere im Garderoben-, Flur- und Küchenbereich zeigen sich einige Heizkörpermodelle von ihrer praktischen Seite, indem sie sich mit Kleider- und Hutablagen, Einzelhaken, Spiegel und Beleuchtungselementen bestücken lassen.

Die Grundidee dieser Variationen kommt aus dem Badezimmer. Neben einem designorientierten Äußeren, passend zur Badezimmereinrichtung, haben die Heizelemente dort eine wesentliche Zusatzaufgabe zu erfüllen: Sie bieten Platz zum Ablegen und Aufhängen der Hand- und Badetücher, um sie vorzuwärmen und zu trocknen – das leistet eine Flächenheizung nicht.

Bauherren, die den Effizienznachteil im Vergleich zur Flächenheizung ausgleichen möchten, sollten ein Vorlauftemperaturniveau im Bereich von 45 bis 50 Grad Celsius anstreben. Hilfreich hierbei ist der Einsatz spezieller Heizkörpermodelle, deren Konstruktionen speziell für die niedrigen Temperaturen optimiert wurden.

Wer sich nicht ausschließlich für eine Flächenheizung entscheiden will, kann innerhalb eines Raumes zusätzlich auch noch einen schnell reagierenden Heizkörper einsetzen oder diese auch zur ausschließlichen Beheizung, zum Beispiel von Schlafzimmer oder Küche, verwenden. Allerdings ist diese Kombination teurer, weil dazu meist die Installation eines zweiten Heizkreislaufs mit einer höheren Vorlauftemperatur erforderlich ist.

Noch effizienter und wirtschaftlicher werden Fußbodenheizungen, wenn sie mit einer Einzelraumregelung „schlau“ gemacht werden. Bis zu 100 Euro Heizenergie pro Verteiler und Jahr können so laut Anbieter  zusätzlich eingespart werden. (Viega)
Reicht die Fläche in kleinen Räumen für eine Fußbodenheizung nicht aus, kann ein Wandheizsystem den restlichen (oder auch den gesamten) Wärmebedarf decken. (Viega)
Moderne Design- und Wohnheizkörper lassen sich in jede Wohnumgebung integrieren. Beim Modell „Excelsior“ lässt sich sogar eine abgeschrägte Linienführung passend zum Treppenlauf realisieren. (Zehnder)

Tipp der Redaktion

Der Einbau einer Fußbodenheizung mit Estrich, Dämmung, Verteilerschrank und Montage kostet je nach gewähltem System durchschnittlich zwischen 50 und 85 Euro pro Quadratmeter und bewegt sich somit in einer ähnlichen Preisklasse wie die Ausstattung eines Neubaus mit Wandheizkörpern. Für die muss inklusive Halterungen, Themostatventilen, Verrohrung und Montage durchschnittlich zwischen 40 und 90 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gerechnet werden.

Jeder Raum muss laut EnEV mit einem Raumregler ausgestattet sein, der abhängig von der Raumlufttemperatur die Wärmezufuhr auch über eine Flächenheizung steuert. Die Raumregler senden ihre Informationen per Funk oder Kabel an den Heizkreisverteiler, der den Durchfluss in den jeweiligen Heizkreis entsprechend reguliert.



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