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Wärme für ländlich gelegene Häuser

12.04.2018

Wessen Eigenheim am Rande einer Stadt steht oder auch „nur“ im Umfeld einer dörflichen Kommune, der muss sich in Sachen Heizung und Wärme meist keinerlei Gedanken machen: Gasleitungen gehören dort zum Standard – mit ein Grund dafür, dass Gas der am weitesten verbreitete Heizenergieträger der Republik ist.

Landhaus am See. fotolia.com © Aleksey Stemmer

Distanz zum Nachbarn: Mehrere Kilometer. Für manche ist das ein sehr verlockendes Ziel. Aber auch eines, mit heizungstechnischen Besonderheiten. Foto: fotolia.com © Aleksey Stemmer

Wer nicht auf diesen fossilen Brennstoff setzen möchte, der hat in den genannten, vollständig erschlossenen Gemeinden auch dank leistungsfähiger Stromnetze die Option darauf, unkompliziert auf die Alternative in Form der Wärmepumpe zu setzen. Aber was, wenn das Häuschen nicht in einem so gut erschlossenen Areal steht oder errichtet werden soll? Etwa in der Einsamkeit der Eifel oder Vorpommerns? Dort, wo man vielleicht erst mal für zehntausende Euro eine abzweigende Gasleitung von der nächsten Straße legen lassen müsste oder das altersschwache Stromnetz nicht für die Anlaufströme einer Wärmepumpe ausgelegt ist? Dann muss man nicht nur in Sachen Infrastruktur umdenken, sondern auch bei der Heizung. Worauf es dabei ankommt, welche Optionen offenstehen, verrät der folgende Artikel.

1. Dämmen, dämmen, dämmen

Sowohl für Neubauten wie zu sanierende Bestandsgebäude hat der Gesetzgeber verpflichtende Standards festgelegt, nach denen diese wärmeschutztechnisch zu optimieren sind. Allerdings: Dabei handelt es sich samt und sonders um Minimalanforderungen. Das soll sicherstellen, dass die finanzielle Last, die dadurch entsteht, nicht ausufert. Gerade bei sehr ländlich gelegenen Gebäuden sollte man jedoch als Besitzer nach der Maxime verfahren „Mehr ist besser“. Soll bedeuten, dass man zwischen Kellerwand und Dach generell eine umfangreichere Dämmung anpeilen sollte. Das hat mehrere, unterschiedlich gelagerte Gründe:

  • Es reduziert bei Häusern, die sich nicht zwischen anderen Gebäuden „verstecken“ können, die Auskühlung durch Wind. Das ist vor allem auf dem flachen Land sowie in (Mittel-)Gebirgslagen wichtig
  • Es erhöht den, durch die sehr einsame Lage vielleicht nicht sonderlich üppigen Wert der Immobilie
  • Es ermöglicht es, bei der Wahl der Heizung auf leistungsschwächere und somit sparsamere und in der Anschaffung günstigere Modelle zu setzen
  • Es verhindert, dass das Gebäude bei einem Schaden an der Heizungsanlage (Stichwort Entfernung zum nächsten Installateurbetrieb) allzu rasch auskühlt.

Natürlich ist eine umfangreiche Dämmung ein Kostenfaktor. Doch amortisiert sich eine solche Mehrausgabe umso schneller, je mehr dadurch an Heizenergie eingespart werden kann. Wer völlig auf Nummer Sicher gehen möchte, kann für Neubauten sogar in Richtung Passivhaus peilen. Aufwendig und teuer zwar, aber die energetisch bei weitem umfangreichste Lösung.

Was man wissen sollte: Jedes Gebäude hat ob seiner Lage und Konstruktion unterschiedliche Dämm-Anforderungen. Ein einsames Landhaus auf einem Berggipfel hat beispielsweise mehr Probleme durch Wind-Auskühlung als eines am Waldrand. Solche Besonderheiten sollte man unbedingt mit einem ortskundigen Architekten bzw. Energiefachberater durchsprechen, bevor man auf eigene Faust eine vielleicht teure Fehlentscheidung trifft.

2. Wärme durch Ölheizung

Ölheizungen gehörten in den ersten Nachkriegs-Jahrzehnten zu den beliebtesten Heizungs-Formen der Deutschen. Heute ist das etwas anders, da hat diese fossile Wärmetechnik einen recht stiefkindlichen Ruf bekommen. Allerdings größtenteils zu Unrecht. Speziell im Fall des einsam gelegenen Hauses werden viele mutmaßliche Öl-Nachteile sogar ins Gegenteil verkehrt.
Es beginnt mit der wichtigsten Tatsache: Eine Ölheizung lässt sich vollkommen autark betreiben und das auch noch über eine sehr lange Zeit. Es ist nur der Tank vonnöten, der je nach Volumen sogar nur alle zwei oder noch mehr Jahre befüllt werden muss. Es müssen keine teuren Strom- oder Gasleitungen verlegt werden. Auch der Umwelt-Faktor ist nicht wirklich schlecht. Sieht man von der Tatsache „fossiler Brennstoff“ ab, haben moderne Ölheizungen dank Brennwerttechnik keine wirklich schlechtere Klimabilanz als etwa vergleichbare Gasheizungen – diesen gegenüber jedoch den massiven Vorteil, dass man eben nur bei der Tankfüllung zahlt und so durch Marktbeobachtung und antizyklisches Kaufen weitaus besser sparen kann, als bei der festen Versorger-Bindung von Strom und Gas.
Was man wissen sollte: Im Gegensatz zum Erdgas hat man als Verbraucher eine sehr viel umfangreichere Kontrolle darüber, was im häuslichen Tank landet. So gibt es beim Heizöl mehrere unterschiedliche Sorten, die sich vornehmlich durch ihre Klimabilanz voneinander unterscheiden und es so erlauben, seinen persönlichen Umweltschutz und/oder den Verbrauch noch zu forcieren.

3. Wärme durch Solarthermie

Je einsamer das Gebäude und je größer das Grundstück, desto schärfer sollte man sich vor Bau- oder Sanierungsbeginn mit dem Begriff Solarthermie auseinandersetzen.

Haus mit Solarpanel auf dem Dach. fotolia.com © mitifoto

Wo Photovoltaik und Solarthermie um Dachfläche konkurrieren, gibt es auch alternative Installationsmethoden, etwa an der Fassade oder auf Nebengebäuden. Foto: fotolia.com © mitifoto

Auf einer ganz einfachen Basis handelt es sich dabei um eine im Betrieb praktisch kostenfreie Lösung, um seinen Warmwasserverbrauch und teils sogar die Heizung völlig ohne zusätzliche Energie zu realisieren – dadurch, indem Kollektoren auf dem Dach oder dem umgebenden Grundstück die Sonnenenergie nutzen, um eine darin befindliche Flüssigkeit zu erwärmen und diese Wärme wiederum an den Wasserkreislauf abzugeben. Jedes Watt, das über diese Technik erzeugt wird, muss nicht anderweitig zur Verfügung gestellt werden. Das spart bares Geld. Gerade weil es mangels Nachbarn in der Einsamkeit weniger Problempunkte (etwa durch gebäudebedingte Abschattung) gibt, sollte man diese Option definitiv eruieren.
Was man wissen sollte: Gerade bei Altbauten ist es wegen des oft ungünstigen Verhältnisses von Dachfläche zu Hausvolumen sehr schwer, die komplette Beheizung durch Solarthermie zu realisieren. Hier muss man sich im Klaren darüber sein, dass die Technik meist nur ergänzend eingesetzt werden kann. Eine „normale“ Heizung ist zusätzlich notwendig – kann aber wegen des geringeren Bedarfs noch kleiner ausfallen als bei einem Haus ohne Solarthermie.

4. Wärme durch Pelletheizung

Pelletheizungen sind die ideale Alternative für all jene, die eine autarke Heizung besitzen möchten, sich aber aus dem einen oder anderen Grund nicht mit der Ölheizung anfreunden können. Denn prinzipiell sind Pellet- und Ölheizungen auf einer technischen Ebene sehr eng miteinander verwandt. Beide eint die Wärmeerzeugung durch Verbrennung – bloß dass diese bei Pellets eben über einen nachwachsenden Feststoff realisiert wird. Sowohl die weitere Ausnutzung der Wärme über Brennwerttechnik wie die automatisierte Zufuhr des Brennstoffs sind mehr oder weniger identisch.

Raum mit Ofen. fotolia.com © alexandre zveiger<br />

Selbst wer keine Pellet-Zentralheizung wünscht, kann sich (fast) alle Vorteile durch installation eines Pellet-Kaminofens ins einsame Haus holen. Foto: fotolia.com © alexandre zveiger

Hier liegt auch der Knackpunkt: In Sachen Energiegehalt und Raumverbrauch liegen Pellets und Öl eng beieinander. Soll bedeuten, dass der (ehemalige) Tankraum eines nun Pellet-beheizten Gebäudes eine Lagerhaltung für ähnlich lange Zeiträume ermöglicht. Der einzige echte Unterschied bei den Pellets ist, dass man alle paar Tage den Aschebehälter manuell ausleeren muss. Alles weitere funktioniert ebenso automatisiert wie bei den meisten anderen Heizungs-Bauformen. Außerdem gibt es einen weiteren Vorteil: Die Pellet-Herstellung ist unglaublich dezentralisiert. Jeder, der große Mengen an Holzspänen und/oder Sägemehl produziert, taugt entweder als Pellet- oder zumindest Rohstofflieferant. Das macht eine je nach Region sehr unabhängige Preisgestaltung möglich.
Was man wissen sollte: Die Herstellung von Pellets ist kein Buch mit sieben Siegeln. Es braucht nur eine sogenannte Pelletpresse. Insbesondere wer durch die Nähe zu einem holzverarbeitenden Betrieb oder Eigenwaldbesitz dicht an der Rohstoffquelle sitzt, sollte daher ggf. überlegen, ob sich nicht die Anschaffung (eventuell Anmietung) eines solchen, ab 1000 Euro aufwärts erhältlichen Geräts lohnt – noch autarker geht es eben kaum. 

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