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Was regenerative Energie wirklich bringt

19.12.2017

Regenerative Energieträger schonen die Umwelt und auf lange Sicht auch den Geldbeutel. Außerdem fordert der Gesetzgeber einen gewissen Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung fürs Haus.

Regenerative Energie Solar Weberhaus

Foto: Weberhaus

Die Klimaerwärmung und das Problem der Lagerung des Atomabfalls zwingen die P­olitik und damit auch uns nun zum ­Umdenken: Wenn wir unseren Nachkommen die Welt in einem lebenswerten Zustand hinterlassen wollen, müssen wir auf erneuerbare, sogenannte regenerative und umweltschonende Energieträger setzen, wie z.B. Sonne, Wind und Biomasse. 

Weil die Gebäude in Deutschland laut Bundesumweltamt rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen verursachen und hier große Einsparpotenziale vorhanden sind, stehen sie bei den Klimaschutzbemühungen besonders im Fokus. 

Neue Häuser müssen daher sehr strikte gesetzliche Vorgaben zur Energieeffizienz erfüllen. In Deutschland heißt das Regelwerk dazu Energieeinsparverordnung (EnEV). Sie setzt nicht nur klare Obergrenzen für den Energiebedarfs eines jeden ­Gebäudes, sondern bewertet mit dem Primär­energiefaktor auch die Energieverluste, die bei der Produktion und des Transports des eingesetzten Energieträgers anfallen. Den schlechtesten Wert (1,8) erzielt dabei der „allgemeine Strommix“, u.a. weil in Deutschland noch viel Strom in umweltschäd­lichen Kohle- und Atomkraftwerken erzeugt wird. Heizöl und Erdgas stehen mit dem Faktor 1,1 ­etwas besser da. Klare Gewinner sind die Erneuerbaren: Holz wird mit 0,2 und die Sonne sowie Erd- und Umweltwärme 0 bewertet. Dieser Wert schlägt sich deutlich bei der Berechnung des Energie­effizienzstandards eines neuen Hauses nieder. Je besser dieser ist, desto geringer die jährlichen Energiekosten und desto größer die Chance, von ­attraktiven Fördergeldern zu profitieren.

Weil dieser Anreiz erfahrungsgemäß nicht ausreicht, um die ehrgeizigen politischen Ziele, wie einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050, zu erreichen, werden Bauherren schon ­heute dazu verpflichtet, in allen Gebäuden mit ­einer Nutzfläche von mehr als 50 Quadratmetern, die unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden, auch erneuerbare Ener­gieträger einzusetzen. Der ­genaue regenerative Anteil ist 
je nach Energie­träger des gewählten Heizungs- und Warm­wassersystems unterschiedlich. Geregelt ist dies im „Erneuerbare-Energien-Wärme­gesetz“ (EEWärmeG).

Wer Solarenergie wählt, muss mit ihrer Hilfe mindestens 15 Prozent des Wärme- und Kälteenergiebedarfs im Haus decken. Bei der Nutzung von Umweltwärme, wie es beispielsweise Wärmepumpen aus Luft, Erde oder Grundwasser tun, sind mindestens 50 Prozent vorgeschrieben. Dasselbe gilt bei der Nutzung von fester Biomasse, wie zum Beispiel Holz. 

Gundsätzlich gilt: Je dichter und je besser das Haus gedämmt ist, desto leichter kann es einen großen Teil seines Energiebedarfes mit regenera­tiven Heizsystemen abdecken, wodurch sich die Investitionskosten im Laufe der Jahre schneller amortisieren. Die Anschaffungskosten und Sparpotenziale variieren stark und nicht jedes System passt zu jedem Haus bzw. Nutzer.

 

Regenerative Energiequellen

Baum Icon

Biomasse

Pflanzen sind nachwachsende Rohstoffe, die z. B. zur Biogaserzeugung verwendet werden. Holz dient vornehmlich in Form von Stückgut oder Pellets als Brennstoff für ­Zusatz- und Zentralheizungen.

Sonne Icon

Sonnenenergie

Mithilfe von Solar­thermie- und Photovoltaikanlagen lassen sich die Strahlen der Sonne zur Wärme- bzw. zur Stromerzeugung nutzen. 

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Umweltwärme

Grundwassser, Erdreich und die ­Umgebungsluft enthalten Wärme, die man zum Heizen und für die Warmwasser­erzeugung mittels Wärmepumpen nutzen kann.

Windrad Icon

Wind

Windräder wandeln die Bewegungsenergie der Luft in elektrischen Strom um. Es gibt auch Anlagen im kleinen Maßstab für Privathäuser, sie sind aber eher selten.

 

 

Energielieferant Sonne

Die wichtigste regenerative Energiequelle ist die Sonne. Ihre Strahlung kann dazu verwendet werden, Wasser zu erwärmen (Solarthermie) oder Strom zu erzeugen (Photovoltaik). Beide Systeme sind technisch ausgereift und weit verbreitet. 

Solarthermie wird im Neubau meist als regenerative Ergänzung zu Gasheizungen eingebaut, kann aber auch zusammen mit anderen Erneuerbaren, z.B. Holz, den gesamten Wärmebedarf ­decken. Die Kosten sind stark objektabhängig. Je nachdem, ob die Solarthermieanlage nur für die Warmwassererzeugung oder auch für die Heizung genutzt werden soll, müssen Bauherren zwischen 3 000 und 12 000 Euro veranschlagen, die sich in bis zu 15 Jahren durch Einsparung bei den Kosten für z.B. Heizöl oder Gas auszahlen sollten.

BDH Solarthermie

Der Klassiker unter den Solarsystemen ist die Solarthermie, mit der warmes Wasser zur Heizungs­unterstützung oder direkt zum Duschen gewonnen werden kann. Foto: BDH

Auch Photovoltaik ist beliebt. Stark gesunkene Anlagenpreise machen den auf dem eigenen Dach erzeugten Öko-Strom inzwischen günstiger, als Netzstrom vom Energieversorger. Um eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote zu erzielen, wird laut Bundesverband Solarwirtschaft ­inzwischen fast jede zweite Photovoltaikanlage zusammen mit einem Batteriespeicher installiert. PV-Anlage und Speicher werden über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) großzügig staatlich gefördert, weswegen sich eine Anschaffung momentan für Bauherren finanziell bereits lohnen kann. Eine ausführliche Beratung mit einer individuellen Wirtschaftlichkeitsberechnung verhilft zu einem guten Überblick. 

Besonders für Bauherren, die künftig mit einer strombetriebenen Wärmepumpe heizen und Warmwasser erzeugen möchten – die ihrerseits regenerative Energie aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser nutzt – kann die Kom­bination mit einer Photovoltaikanlage sinnvoll sein. Wärmepumpen sorgen vor allem im gut ­gedämmten Neubau für sehr niedrige laufende Energiekosten. Während luftbasierte Systeme ­bereits ab rund 10 000 Euro zu haben sind, kosten die auf Erd- beziehungsweise Grundwasser ­basierenden ­Anlagen mit besserem Wirkungsgrad wesentlich mehr. Das liegt vor allem an den Kosten für die Erschließung der Wärmequelle, also den Bohrungen für Erdsonden oder dem Bau ­eines Grundwasserbrunnens, was schnell mehrere Tausend Euro schluckt. 

 

Energieträger Holz

Das Heizen mit Biomasse – im Einfamilienhaus meist Holz – ist mit Holzpelletheizungen besonders komfortabel. Neben dem Aufstellungsort für Heizung und Pufferspeicher benötigt man aber zusätzlich Lagerraum für den Brennstoff Holzpresslinge (Pellets). Holzpelletheizun­gen empfehlen sich vor allem für große Einfamilienhäuser mit hohem Wärmebedarf, denn hier machen sich die Einsparungen durch die vergleichsweise günstigen Pellet-Preise schneller bemerkbar. Bei den ­Anschaffungskosten liegen Holzzentralheizungen mit rund 17 000 Euro eher im Top-Segment.

Kamin Feuer Ambiente

Wenn Holzheizungen mit sogenannter Wassertechnik ausgestattet sind, lässt sich ihre Wärmeenergie fürs ganze Haus nutzen. Foto: Camina

Deutlich günstiger sind Einzelöfen, die im Wohnraum für Gemütlichkeit sorgen und über eine ­integrierte Wassertasche einen großen Teil der ­erzeugten Wärme an das Heizsystem abgeben. Diese Öfen lassen sich mit Pellets aber auch mit Holzscheiten betreiben und helfen ebenfalls, den gesetzlich geforderten Anteil von regenerativer Energie am Wärmebedarf zu decken.

(aus der Zeitschrift Hausbau 11/12-2017)