Wenn die Haustechnik streikt

Frau am Sicherungskasten
Gibt es Probleme mit dem Strom, ist der Blick in den Sicherungskasten der erste wichtige Schritt. Quelle: @ Gina Sanders – 8839278 / Fotolia.com

Es kann im eigenen Heim immer mal geschehen: Plötzlich funktioniert das Licht nicht mehr, die Sicherung fliegt raus oder die Heizung versagt ihren Dienst. Das ist ärgerlich, doch gibt es stets Möglichkeiten, sich dem Problem anzunehmen. In vielen Fällen ist es notwendig, einen Techniker einzubestellen, doch damit dieser schon vor dem Eintreffen eine Vorstellung der Problematik hat, können Hausbesitzer die ersten Schritte selbst unternehmen. Dieser Artikel klärt auf, was jeder Eigenheimbesitzer selbst probieren kann und wie man auf solche Probleme am besten reagiert.

Erste Tests selbst erledigen

Schon beim Anruf beim Spezialisten ist es nützlich, wenn ein Problem so gut wie möglich erklärbar ist. Am Beispiel »Elektrik« lässt sich das gut skizzieren:

  • Licht funktioniert nicht – welches Licht? Bei einer einzelnen Lampe deutet alles auf eine defekte Birne oder eine defekte Lampe hin, funktionieren etliche Lampen in einer Reihe nicht, ist womöglich diese spezielle Leitung betroffen. Gehen Leuchten in bestimmten Zimmern nicht? Auch das kann an Schaltkreisen liegen – oder aber daran, dass die Sicherung aufgrund eines Fehlers herausspringt.
  • Elektrik funktioniert, wenn nicht – bestimmte Geräte gemeinsam genutzt werden. In alten Häusern kommt es noch manchmal vor, dass »Licht + Backofen + Herd + Wasserkocher« zum Herausspringen der Sicherung führt.

Umso genauer ein Eigenheimbesitzer am Telefon sein Anliegen beschreiben kann, desto eher kann der Fachmann innerhalb kürzester Zeit das Problem richten. Zudem hat er nun direkt die Möglichkeit, etwaige Ersatzteile mitzunehmen. Aber was sollten Hausbesitzer machen? Einige Beispiele:

  • Strom – zuerst sollten die Sicherungen überprüft werden. Sind sie alle drin oder sind einige herausgesprungen? Das Ab- und Anschalten der Sicherungen erweitert den Test. Manchmal genügt das schon, um das Problem zu finden. Achtung: Waren bestimmte Sicherungen draußen, so sollten sie den Räumen/Schaltkreisen zugeordnet und notiert werden. Das verhindert, dass später neue Tests gemacht werden müssen, weil die Zugehörigkeit der Sicherung vergessen wurde.
  • Licht – auch hier sollte die simpelste Lösung zuerst kontrolliert werden: der Leuchtkörper. Es ist zwar relativ selten, dass mehrere Leuchten gemeinsam durchbrennen oder den Dienst einstellen, es kommt aber vor. Achtung: Brennen mehrere Leuchten durch oder funktionieren nicht mehr, kann dies mitunter auf Stromschwankungen oder Probleme hindeuten. Es empfiehlt sich zum eigenen Schutz, einen Elektriker mit dem Problem zu beauftragen.
  • Heizung – zuerst sollten Hausbesitzer kontrollieren, ob Fehlermeldungen angezeigt werden. Diese müssen unbedingt notiert werden. Ansonsten kann es manchmal helfen, die Heizung ab- und wieder anzuschalten. Und obwohl es unglaublich klingt, werden etliche Heizungsnotdienste aufgrund einer defekten Heizung bestellt, obwohl sich der Defekt im leeren Tank verbirgt. Gerade ältere Ölheizungen mit Öltanks neigen dazu, einen fehlerhaften Füllstand anzuzeigen, da sich im Tank unbrauchbarer Schlick absetzt. Hausbesitzer können nun nicht mehr korrekt prüfen, ob noch Öl im Tank ist. Daher gilt: Regelmäßig den Tank professionell reinigen lassen.
  • Weitere Anlagen – auch Smart-Home-Komponenten, Alarmanlagen oder Überwachungsanlagen gehören zur Haustechnik und können ihren Dienst einstellen. Beim Smart Home sollte stets die Internetverbindung an sich geprüft werden. Manchmal genügt es, die Anlage zu resetten. Alarm- und Überwachungsanlagen können ebenso Verbindungsfehler aufweisen, beispielsweise mit dem Speicherserver oder den Zugängen.

Wer sich unsicher ist, was notiert werden soll oder wenn die Probleme zwischendurch immer wieder auftreten, nur um dann für einige Zeit nicht mehr aufzutauchen, der sollte einfach alles aufschreiben, was ihm einfällt. Von Fehlercodes oder Fehlermeldungen, dem Sicherungskasten oder sonstigen Störungen können auch gut Fotos gemacht werden. Handwerker wissen in der Regel, was ein Code 001 bedeuten könnte. Wichtig bei sich in unregelmäßigen Abständen wiederholenden Fehlern: Ab der ersten Wiederholung ein Fehlerprotokoll mit Datum, Art des Problems, betroffenen Geräten/Stromkreisen/Räumen und äußeren Umständen anfertigen. Dieses kann im Ernstfall helfen, hervorzuheben, dass das Licht in der Küche stark flackert, wenn der Herd an ist und ein Gewitter aufzieht.

Handwerker rufen

Gerade, wenn es um die Elektrik geht, sollten Hausbesitzer immer einen Fachmann hinzuziehen, sofern sie nicht selbst gelernter Elektriker sind. Das ist eine Frage der persönlichen Sicherheit, zudem ist Strom heikel. Gerade sich wiederholende Fehler oder hin und wieder auftretende Probleme könnten auf verdeckte Schäden hindeuten, die gefährlich für Leib und Heim sein können. Aber was bedeutet es überhaupt, den Handwerker zu holen? Ein Überblick:

  • Wartezeiten – gewiss entscheidet hier der Wohnort. In vielen Zentren herrscht Handwerkermangel, sodass die Wartezeiten auf einen Termin länger ausfallen. Die Alternative ist ein Notdienst, der in der Regel zumindest halbwegs zeitnah kommt. Dieser kostet aber oft mehr.
  • Anfahrt – für viele Menschen ist es der logische Schritt, einen entfernteren Handwerker zu rufen, wenn direkt vor Ort niemand Zeit hat. Dies schlägt sich aber in den Kosten nieder. Jeder Betrieb erhebt Anfahrtsgebühren, die mitunter hoch sind.
  • Vorsicht – es gibt im Internet etliche Handwerkersuchen, über die extrem günstige Betriebe zu finden sind. Was selbst bei einem Telefonat nicht gesagt wird, ist, dass sich die genannte Gebühr meist auf das bloße Erscheinen bezieht und weder Anfahrt noch Arbeit miteinbezieht. Wer am Wochenende einen Heizungsinstallateur oder Elektriker für 70,00 Euro beauftragt, kann sich sehr sicher sein, dass die Rechnung über die vielfache Summe geht.

Wenn der Handwerker eintrifft, gilt es:

  • Uhrzeit – Hausbesitzer schauen auf die Uhr und kontrollieren genau, wann der Handwerker eintraf. So lässt sich eine wesentlich längere abgerechnete Einsatzzeit verhindern.
  • Dabeibleiben – manche Handwerker arbeiten gerne für sich. Hausbesitzer sollten jedoch dabeibleiben und hinschauen, was wirklich gemacht wird. In einem Test mit Installateuren wurden beispielsweise Rohrreinigungen in Abwesenheit des Auftraggebers abgerechnet, die nie stattfanden.
  • Fragen – jeder Auftraggeber hat das Recht, sich die anstehenden Arbeiten und das Problem erklären zu lassen. Eigenheimbesitzer sollten also ruhig nachhaken. Sollte ein Handwerker keinerlei Interesse an den notierten Problemen haben oder nicht einmal den bisherigen Fehlercode der Heizungsanlage wissen wollen, bevor er auf den Austausch teurer Teile besteht: Vorsicht.
  • Zweite Meinung – erscheint es notwendig, teure Bauteile auszutauschen, sind Hausbesitzer natürlich in der Zwickmühle. Auf eine funktionierende Heizung kann kaum jemand verzichten. In anderen Fällen ist es oft möglich, eine Zweitmeinung einzuholen. Das kann schon am Telefon geschehen. Sollte die Heizung einen Fehlercode herausgeben und beim Installateur wird dieser genannt und gesagt, dass der Handwerker den Austausch eines Teiles empfiehlt, spricht die Reaktion manchmal Bände.

Natürlich gibt es auch hervorragende Handwerker, die perfekt arbeiten und ideale Rechnungen schreiben. Doch um auch als Laie auf der sicheren Seite zu sein, ist es immer besser, sich vorsichtig und achtsam zu verhalten. Nachfragen hat noch niemandem geschadet.

Bei Heizungsproblemen haben Nutzer wirklich nur sehr wenige Möglichkeiten, selbst einzugreifen. Hier ist oft ein Handwerker gefragt. Quelle: @ SkyLine – 248320153 / Fotolia.com

Wer bezahlt die Reparaturen?

Im Grunde genommen zahlt natürlich derjenige, der den Auftrag erteilt. Im Falle von Hausbesitzern wäre es der Hausbesitzer. Es gibt aber Ausnahmen:

  • Gewährleistungbis zu zwei Jahre müssen Hersteller oder Installateure auf ihre Waren geben. Hinzu kommt die Garantie, die oft kürzer ausfällt und zudem eine freiwillige Leistung bei neuen Produkten ist. Wichtig ist zu wissen, wer gewährleistungspflichtig ist. Bei Waren wie Heizungen oder Elektronik ist das immer der Händler, bei Dienstleistungen derjenige, der die Leistung erbracht hat. Und: Nach sechs Monaten gilt die Beweislastumkehr. Das heißt: Der Eigenheimbesitzer muss beweisen, dass das Gerät einen Defekt hat, der nicht aufgrund der falschen Nutzung entstand.
  • Installateure – sollte der defekte Teil der Haustechnik von einer Fachfirma installiert worden sein, kann der Hausbesitzer mitunter diese Firma zur Mangelbeseitigung auffordern. Dies ist übrigens Pflicht, wenn es um die Kostenübernahme geht. Derjenige, der beim Einbau einen etwaigen Mangel verursacht hat, muss die Möglichkeit zur Korrektur erhalten. Das gilt auch bei allen anderen Handwerksleistungen.
  • Versicherungen – Heizungsanlagen sind teilweise Bestandteil der Wohngebäudeversicherung. Ob diese jedoch für einen Schaden aufkommt, hängt vom Einzelfall ab. Sollten durch Schäden in der Haustechnik elektrische Geräte Defekte erleiden, kann mitunter eine Elektronikversicherung helfen, sofern diese abgeschlossen wurde und die jeweiligen Geräte beinhaltet.

Grundsätzlich gilt, dass Hausbesitzer einen Teil ihrer Handwerkerrechnungen steuerlich absetzen können. Dasselbe gilt für Anwalts- und Gerichtskosten, sollte es aufgrund fehlerhaft eingebauter Haustechnik zu einem Streitfall mit den ausführenden Unternehmen kommen.

Fazit – möglichst gründlich vorarbeiten

Eigenheimbesitzer können die Kosten für Handwerker deutlich reduzieren, wenn sie im Falle der streikenden Haustechnik vorarbeiten. Umso genauer ein Problem geschildert werden kann, desto einfacher ist es für einen Handwerker, die Ursache zu finden. Bei relativ neuen Anlagen oder bei von einer Fachfirma betreuten Heizung empfiehlt es sich immer, diese zuerst zu kontaktieren. Die meisten Heizungsfachbetriebe inkludieren die Anlagenbetreuung in ihren Arbeitsumfang, sodass sie stets die erste Anlaufstelle sind. Wer letztendlich die Kosten trägt, muss im Einzelfall entschieden werden. Zuerst ist es immer der Auftraggeber – also der Hausbesitzer. Ob dieser die Kosten von anderer Stelle zurückfordern kann, ist ohne einen spezifischen Fall nicht eindeutig zu sagen.

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