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Wohnungslüftung: Wie lüftet man richtig?

28.11.2016

Um unser Weltklima zu schonen müssen wir unseren Energieverbrauch reduzieren. Deswegen trat Anfang des Jahres die Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 in Kraft. Sie erhöht die Anforderungen an Gesamtenergieeffizienz neu gebauter Wohngebäude um weitere 25 Prozent. Um dies zu erreichen müssen Häuser besser gedämmt werden, um Wärmeverluste über Transmission, also den Wärmeabfluss über Bauteile, weiter zu reduzieren. Zusätzlich wird die Gebäudehülle immer dichter, um die sogenannten Lüftungswärmeverluste zu minimieren. Ein unkontrollierter Luftaustausch zwischen innen und außen findet in solchen Naubauten praktisch nicht mehr statt. Das ist gut für die Energiebilanz, aber schlecht für die Innenraumluft. Denn deren Sauerstoffgehalt ist nach wenigen Stunden verbraucht, während die Schadstoffkonzentration und die Feuchtigkeit in der Luft gleichzeitig ansteigen. Beste Voraussetzungen für die Bildung von Schimmelpilzen und Milben, die nachweislich zu allergischen Reaktionen führen können – aber für Menschen ist das kein zuträgliches Wohnklima – kurz: Es herrscht dicke Luft.

Lüftung. Foto: Weru

Foto: Weru

Deswegen ist richtiges Lüften in modernen Gebäuden das A und O und wird für alle Neubauvorhaben bindend durch die sogenannte Lüftungsnorm DIN 1946-6 vorgeschrieben, die für Wohngebäude ein sogenanntes Lüftungskonzept fordert. Damit soll sichergestellt werden, dass in modernen Effizienzhäusern der für gesundes Wohnen und den Erhalt der Bausubstanz nötige Lufwechsel stattfindet.

Auch interessant: Kontrollierte Wohnungslüftung  >>

Ein solches Lüftungskonzept kann von jedem Fachmann erstellt werden, der mit lüftungstechnischen Anlagen vertraut oder in der Gebäudeplanung tätig ist – also zum Beispiel ein Architekt oder Heizungs- und Lüftungs-Fachhandwerker. Dieser überprüft, wie – aus Sicht der Hygiene und des Feuchte-Bauschutzes – bei unterschiedlichen Nutzungsbedingungen ein ausreichender Luftwechsel sichergestellt und der notwendige Luftaustausch erfolgen soll. Der Weg zu diesem Ziel ist offen und sollte sich an den Wünschen und Lebensumständen der späteren Bewohner orientieren. Zur Wahl steht das klassische Lüften über das Öffnen der Fenster, eine automatische zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage. Ergibt sich bei der Analyse des Fachmannes, dass ein Wohnungslüftungssystem erforderlich ist, muss er eine Planung vorlegen, wie das Lüftungskonzept in der Umsetzung aussehen soll. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, kann ihn der Hausbesitzer bei später durch falsche Lüftung auftretenden Schäden in Regress nehmen. Übrigens: Der Eigenheimbesitzer ist nicht verpflichtet, die empfohlene Maßnahme umzusetzen. Allerdings handelt er dann auf eigene Gefahr und trägt auch das Schadensrisiko.

Unabhängig davon, wie man lüftet: Stündlich sind ungefähr 30 Kubikmeter Frischluft pro Person erforderlich, um sich in den Räumen behaglich zu fühlen und um Bauschäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Dazu müssten im Schnitt etwa alle zwei bis drei Stunden die Fenster für einige Minuten geöffnet werden um kräftig quer zu lüften. Wichtig: Die Lüftungszeiten und -dauern variieren je nach Jahreszeit, Klima- und Windverhältnissen. Reichen zum Beispiel bei kaltem Wetter zehn Minuten Lüften aus, um die Raumluft eines Hauses einmal komplett auszuwechseln, reduziert sich die Luftwechselrate bei milderen Temperaturen drastisch. An heißen, schwülen Sommertagen holt man sich beim Lüften gar mehr Feuchtigkeit ins Haus als man hinauslüftet und erzielt somit genau das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war. Auch Pollenflug hält Allergiegeplagte vom Lüften ab, dabei hilft es schon, zu den richtigen Tageszeiten das Fenster zu öffnen, um den Eintrag von Allergenen zu reduzieren: auf dem Land ist das eher abends, in der Stadt fliegen am frühen Morgen erfahrungsgemäß am wenigsten Pollen.

Gesundheitsschädliche Raumluft. Grafik: www.sentinel-haus.eu
Luftdichte und gut gedämmte Neubauten lassen keinen Luftaustausch zwischen innen und außen zu. Darunter leidet die  Innenraumluftqualität weil Feuchtigkeit und Schadstoffe nicht entweichen. Gesunde Baustoffe und ein bedarfsgerechtes Lüftungskonzept sorgen für Abhilfe. Grafik: www.sentinel-haus.eu

Oftmals vermeiden Hausbesitzer das Lüften auch wegen des Straßenlärms oder aus Angst vor einem Einbruch. Oder es wird mittels gekippter Fenster dauergelüftet, was während der Heizperiode Wärmevernichtung pur bedeutet. 

Als alltagstauglicher Problemlöser bietet sich eine kontrollierte, mechanische Wohnungslüftung an. Sie sorgt automatisch und energieeffizient für den notwendigen, bedarfsgerechten Luftaustausch in allen Räumen. Auf diese Weise wird die Gesundheit der Bewohner gefördert und die Bausubstanz geschützt. Und es gibt noch weitere positive Aspekte, die das Wohlbefinden der Bewohner steigern: Eine ungesund hohe Kohlendioxid-Konzentration, die zu Müdigkeit oder mangelnder Konzentration führen kann, wird vermieden und unangenehme Gerüche und Emissionen aus Möbeln und Baumaterialien abgeführt. Lärm aus der Umgebung, der sonst durchs offene Fenster dringt, bleibt draußen – auch in der Nacht. Spezielle Pollenfilter reduzieren das Eindringen der Allergene in die Wohnräume auf ein Minimum. Eine enorme Entlastung für Heuschnupfen Geplagte.

Wer eine Lüftungsanlage einbauen muss oder möchte, der trifft auf ein breites Angebot von preislich gestaffelten, bedarfsgerechten Systemen, die rund um die Uhr zugluftfrei und fast lautlos für Fischluft sorgen und dabei auch ordentlich Heizenergie sparen. Wichtig ist eine bedarfsgerechte Planung vom Fachmann – passend zu den baulichen Rahmenbedingungen, zum gewünschten Grad an Energieeffizienz sowie zum persönlichen Budget.

Für Aufmerksame: Die klassische Fensterlüftung

Die einfachste Art seine Wohnräume zu lüften ist, wie eh und je, die Fenster zu öffnen. Um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden raten Experten während der Heizperiode vom dauerhaften Kipplüften ab, denn dabei entweicht zu viel Heizwärme nach außen. Anstelle dessen sollte mindestens drei Mal am Tag mehrere Minuten lang kräftig quergelüftet werden. So wird die verbrauchte, feuchte Luft gegen frische ausgewechselt, ohne dass die Innenraumoberflächen zu sehr auskühlen. Die Regelmäßigkeit des Lüftens hängt davon ab, wie viele Personen zu Hause sind und ob zusätzliche Feuchtigkeitsquellen wie Zimmerpflanzen, Aquarien oder zum Trocknen aufgehängte Wäsche die relative Luftfeuchtigkeit auf ein kritisches Maß – ab etwa 70 Prozent – ansteigen lassen.

Fensterlüftung. Foto: Velux

Velux Dachfenster können mit einer Funksteuerung versehen werden und automatisch und unter Berücksichtigung der Witterung das Haus lüften. Foto: Velux

Bei hohen Außentemperaturen im Sommer sollte hingegen erst gelüftet werden, wenn die Temperaturen draußen wieder gefallen sind, also von Abends über die Nacht hinweg bis zum frühen Morgen. Sonst holt man sich neben der heißen Luft eventuell auch zu viel Feuchtigkeit ins Haus. Wer sich für ein Lüftungskonzept mit manueller Fensterlüftung entscheidet, sollte die relative Luftfeuchte mithilfe eines Hygrometers (ab ca. 15 Euro) im Blick behalten. Mehr Komfort bieten elektronische Luftkontrolleure (z.B. die „Netatmo Wetterstation“ ab 169 Euro) die regelmäßig Temperatur, CO2-Gehalt und relative Raumluftfeuchte messen und bei Bedarf per Alarmfunktion an das Lüften erinnern. Praktisch sind auch „intelligente“ Fenster, die sich automatisch öffnen, wenn Frischluft gefragt und lüften aufgrund der äußeren Witterungsbedingungen sinnvoll ist. In Fensterrahmen integrierte Lüfter mit Wärmerückgewinnung sorgen ebenfalls für einen komfortablen Luftwechsel.

Automatisch: Dezentrale Wohnungslüftung

Dezentrale Lüftungsprodukte gibt es inzwischen in großer Vielfalt. Das einfachste dezentrale System besteht aus Abluftventilatoren, die in der Außenwand bevorzugt von Küchen und Nassräumen sitzen. Sie transportieren die verbrauchte Raumluft direkt ins Freie. Der dabei entstehende schwache Unterdruck reicht aus, dass frische Zuluft über Außenluftdurchlasselemente in Außenwänden oder Fenstern, in die Wohn- und Schlafräume leise und zugfrei einströmt. Gleichzeitig wird die verbrauchte Raumluft durch Türschlitze zu den Abluftventilatoren gedrängt. Eine Regelung sorgt für den bedarfsgerechten Luftaustausch. Eine Wärmerückgewinnung ist nur indirekt durch die Einbindung einer Wärmepumpe möglich. Eine weitere Systemvariante sind dezentrale Zu- und Abluftgeräte. Hierbei werden einzelne oder alle Räume mit einem oder zwei eigenen Lüftungsgeräten bestückt.

Dezentrale Wohnungslüftung. Grafik: Dimplex

Dezentrale Lüftungstechnik gibt es in verschiedenen Varianten: Zum Beispiel als Kombination von Abluftventilator(en) mit Durchlässen für die nachströmende Außenluft (links). Es gibt zudem raumweise montierte Geräte, die sowohl den Zu- als auch den Ablufttransport übernehmen und auch mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet werden können (rechts). Grafik: Dimplex

Die Installation erfolgt ohne Luftkanäle direkt in eine Außenwand. Komfortable Modelle verfügen über leise und energieeffiziente Ventilatoren, die die verbrauchte und mit Feuchtigkeit belastete Raumluft nach draußen und die Frischluft nach innen befördern. Filter verbessern die Luftqualität und eine integrierte Wärmerückgewinnung nutzt die Restwärme der Abluft, um an kalten Tagen die Zuluft zu erwärmen, was Energie spart. Geräte mit mehreren Lüftungsstufen können auf die Höhe der Luftfeuchtigkeit reagieren. Durchschnittlich müssen pro Gerät ohne Einbau 600 bis 1.000 Euro veranschlagt werden.

Komfortabel: Zentrale Lüftungsanlage

Vor allem in Neubauten haben sich die komfortablen, zentralen Wohnungslüftungsanlagen durchgesetzt. Kernelement eines Zu- und Abluftsystems ist ein Zentrallüftungsgerät, in das zwei Ventilatoren eingebaut sind, die mehrstufig und möglichst stromsparend arbeiten sollten. Zur Grundausstattung der Zentralgeräte gehören auch Luftfilter, die es in verschiedenen Ausführungen gibt, sowie meist auch eine Wärmerückgewinnung, die für eine Heizenergieeinsparung sorgt. Im Gebäude verlegt der Fachhandwerker zwei voneinander getrennte Leitungssysteme für die Zu- und Abluft: vorwiegend in Decken, auf dem Rohfußboden sowie in Wänden. An verschiedenen Stellen der Luftleitungen sitzen raumseitig sichtbare Auslässe und Ventile.

Zentrale Lüftungsanlage. Grafik: www.wohnungs-lueftung.de

Zentrale Be- und Entlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sorgen im Neubau für frische Luft mit minimalen Wärmeverlusten. Grafik: www.wohnungs-lueftung.de

Ausführungen in unterschiedlichen Materialien, Farben und Designs ermöglichen eine unauffällige Integration ins jeweilige Raumumfeld. Über sie wird die verbrauchte Luft aus Fluren, Abstell- und Feuchträumen (WCs, Küche, Bäder) abgezogen und Frischluft über Wohn- und Schlafräume hereingeführt. Bedient wird das Lüftungssystem am besten über digitale Raumregler mit Display, die über Automatik- und Handbetrieb verfügen und zudem eine Zeit(programm)- und Funktionssteuerung bieten. Hilfreich ist auch die Kombination der Regelung mit  Feuchtefühlern sowie Kohlendioxid- oder Kohlenwasserstoff-Sensoren. Eine zentrale Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung kostet im Standard-Einfamilienhaus etwa 5.000 bis 8.000 Euro.



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